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Energie aus Abwasser

Best Practice

Energie aus Abwasser

  • Grafik, Kanalwärmetauschersystem, Nutzung von Abwärme

Abwasser ist dreckig und stinkt. Man will es nicht sehen, nicht riechen, sich nicht damit beschäftigen. Doch: Abwasser ist ein weggeworfener Wertstoff. Ein Unternehmen aus Baden entwickelte deshalb eine Technik, wie diese Energiequelle erneut genutzt und zu Geld gemacht werden kann – vor allem interessant für Kommunen.

Mit jedem Duschen, Spülen oder Wäschewaschen gelangt warmes Wasser in die Kanalisation – ungenutzte Wärmeenergie, die über das Kanalnetz und die Kläranlage zurück in unsere Gewässer fließt. Die Firma Uhrig Kanaltechnik aus Geisingen bei Freiburg entwickelte deshalb ein innovatives Produkt namens Therm-Liner. Dieses entzieht dem Abwasser die Wärme, um zum Beispiel kommunale Gebäude zu beheizen. „Sobald mindestens 3.000 Einwohner ihr Abwasser in einen Kanal einspeisen, ist die Voraussetzung für eine wirtschaftliche Abwasserwärmerückgewinnung erfüllt. Bisher haben wir mehr als 50 Projekte realisiert, davon einige in Baden Württemberg“, erzählt Mark Biesalski, Geschäftsführer der Uhrig Kanaltechnik GmbH.

Die Idee: ein Wärmetauscher im Kanal

20 Grad Celsius hat das häusliche Abwasser im Durchschnitt, wenn es in den Kanal fließt. Dort überströmt es den Therm-Liner, den fest eingebauten Wärmetauscher. Die Idee ist so einfach wie effektiv: Unter einem flachen Edelstahlblech erwärmt sich kaltes Wasser in einem Kreislaufrohrsystem und wird in ein Gebäude gepumpt, um dieses zu beheizen. Danach fließt es zurück zum Kanal, um sich erneut aufzuwärmen. Jeder Therm-Liner ist eine Maßanfertigung und wird dem Verbraucher und der jeweiligen Kanalsituation angepasst. Zum Beispiel gibt es Varianten für Kanäle mit geringem oder hohem Wasserdurchlauf. Der Einbau ist unkompliziert: „Die Wärmetauscherelemente werden über die vorhanden Schachteinstiege eingebracht“, erklärt Mark Biesalski, Geschäftsführer der Uhrig Kanaltechnik GmbH.

Abwasser ist ungenutztes Potenzial

Circa 5.000 Millionen Kubikmeter Schmutzwasser entstehen jährlich durch Haushalt und Industrie – ein Potenzial, das bisher noch zu wenig genutzt wird. Man könnte sagen: Die Firma Uhrig hat eine neue Energiequelle entdeckt. Denn fast jedes zehnte Gebäude in Deutschland könnte dadurch beheizt werden – so eine Studie der Universität Stuttgart, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER). Würde man das Abwasser von Industrie und Kraftwerken nicht abkühlen und in die Kanalisation leiten, könnte man sogar jedes dritte Gebäude in Deutschland mit Energie aus Abwasser und Abwärme heizen.

Viele Vorteile für Kommunen

Schon etliche Kommunen in Baden-Württemberg machen mit dem zukunftsweisenden System ihr Abwasser zu barer Münze: Konstanz, Bretten, Tübingen, Stuttgart (Bad-Cannstatt), Rauenberg, Kornwestheim, Horb oder Kirchheim/Teck haben Projekte realisiert und sparen nun Geld, das sie sonst für die Beheizung von kommunalen Gebäuden ausgeben müssten. Der Vorteil ist, dass die Wärme bereits vorhanden ist und einfach zweitverwertet wird. Die Therm-Liner-Technik spart damit viel Energie, die sonst teuer aufgewendet werden müsste.
Neben der finanziellen Ersparnis ist der Therm-Liner auch aus einem anderen Grund für Kommunen interessant, weiß Geschäftsführer Mark Biesalski: „Bis zu 50 Prozent CO2 können mit der Energiequelle Abwasser eingespart werden. Das hilft, um die kommunalen Klimaziele zu erfüllen und ein grünes Image zu zeigen.“ Die Wärmerückgewinnung ist laut Geschäftsführer Biesalski zum Beispiel geeignet für Kindergärten, Schulen, Verwaltungsgebäude, Schwimmbäder oder Veranstaltungshallen. „Die Investition amortisiert sich je nach Projekt nach fünf bis zwölf Jahren“, so Biesalski. Und: Die Nutzung von Abwasserwärme verändert das Stadtbild nicht, denn die Technik wird für den Bürger unsichtbar im Kanalnetz installiert. Sie ist also für Kommunen einfacher umzusetzen als dies zum Beispiel bei Windkraftprojekten der Fall ist.

Damit die Energiewende gelingt

In Baden-Württemberg ist die Energiequelle Abwasser auch im „Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept“ (IEKK) der Landesregierung erwähnt. Denn die Energiewende gelingt nur dann, wenn alle regenerativen Energiequellen genutzt werden. Die Technik lässt sich übrigens auch im Sommer nutzen, um Gebäude zu klimatisieren. Also dann: Ran an das „städtische Erdöl“!

Mehr erfahren Sie hier über Energie aus Abwasser.


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