Service-Navigation

Mit Nahwärme Geld sparen

BEST PRACTICE

Mit Nahwärme Geld sparen

  • Das Nahwärmenetz wird gebaut.

    Das Nahwärmenetz wird gebaut.

    15

  • Lange Leitungen, die die Wärme transportieren, werden verlegt.

    Lange Leitungen werden verlegt. Sie transportieren die Wärme.

    25

  • Die Infotafel zum Nahwärmeprojekt Oberopfingen.

    Die Infotafel zum Nahwärmeprojekt Oberopfingen.

    35

  • Blick auf die Biogasanlage Oberopfingen.

    Blick auf die Biogasanlage Oberopfingen.

    45

  • Vorstand der Genossenschaft Nahwärme Oberopfingen e.G.

    Vorstand der Genossenschaft Nahwärme Oberopfingen e.G.: 1.Vorstand: Reinhold Mancher (links), 2. Vorstand: Ernst Miller (rechts)

    55

Auch eine kleine Kommune kann viel für die Energiewende bewirken: In Oberopfingen an der württembergisch-bayerischen Grenze werden Haushalte, Betriebe und öffentlichen Gebäude mit günstiger, umweltfreundlicher Nahwärme beheizt. Dafür wird die Abwärme einer bereits bestehenden Biogasanlage genutzt. Wie die Idee der umweltfreundlichen Energieautarkie umgesetzt und Oberopfingen damit zum Bioenergiedorf wurde, erzählt Reinhold Maucher im Interview. Er ist einer der beiden Vorstände der Nahwärme Oberopfingen eG und arbeitet ehrenamtlich für das Vorzeige-Projekt.   

Herr Maucher, können Sie uns kurz beschreiben, wie Sie auf die Idee mit dem Nahwärmenetz gekommen sind?

Reinhold Maucher:   Hier in Oberopfingen ist im Jahr 2007 eine Biogasanlage gebaut worden mit 1.000 KW elektrische Leistung. 13 Landwirte haben sich damals zu einer Gmbh & Co. KG zusammengeschlossen und betreiben seitdem diese Anlage. Sie liefert elektrische Energie ins Stromnetz, die Wärme wurde aber nicht genutzt. Wir haben uns gesagt: Das kann doch in der heutigen Zeit nicht sein, dass man die Wärme in die Luft abgibt, dass sie also verloren geht. Da wurden wir aktiv und haben uns erkundigt, wie man diese nutzen kann.  

Wie war der Weg von der Planung bis zur Realisierung des Projekts?

Maucher: Wir haben uns zunächst bei einer Nachbargemeinde schlau gemacht, die eine Biogasanlage betreibt. Bei einem Ingenieurbüro haben wir uns durchrechnen lassen, dass man mindestens 80, eher 90 Häuser mit der Abwärme der Biogasanlage beheizen könnte. Bei der ersten Informationsveranstaltung war der Zuspruch der Bevölkerung jedoch nur gering, da die Finanzierbarkeit des Projekts nicht abschließend geklärt war. Wir haben uns dann von einer Tiefbaufirma ein Angebot zu den Kosten eines Nahwärmenetzes eingeholt. Außerdem erfuhren wir von Zuschüssen über die KfW, BAFA und vom Land BW. 800.000 Euro wurden uns in Aussicht gestellt. Nach der nächsten Informationsveranstaltung war dann klar, dass 60 bis 70 Hausbesitzer mitmachen würden. Und so beschlossen wir, das Projekt als Genossenschaft umzusetzen. Wir erfuhren erst später, dass die Kapazität der Abwärme aus der Biogasanlage viel größer ist als angenommen, dass wir also noch mehr Häuser anschließen können als geplant.   

Mittlerweile werden 165 Häuser, bald 180 Häuser, mit Nahwärme versorgt. Was ist das für ein Gefühl?  

Maucher: Wir haben bei 180 versorgten Häusern eine Anschlussdichte von 90 Prozent im Ort. Das ist ein tolles Gefühl, vor allem auch vom Umweltgedanken her. Wir sparen jetzt 450.000 Liter Heizöl im Jahr. Das ist eine enorme Ersparnis! Ein Haushalt, der zuvor 2.000 Liter Heizöl und damit etwa 1.700 Euro verbraucht hat, zahlt jetzt ca. 600 Euro im Jahr. Es war natürlich ein langer Weg, bis das Projekt umgesetzt war. Aber man muss sagen, dass uns die Gemeinde sehr unterstützt hat, z.B. bei der Zwischenfinanzierung, bei Genehmigungen für die Rohrverlegungen oder auch dass Kindergarten, Vereinsheim und alte Schule gleich mitangeschlossen werden. Insgesamt steckt in dem Projekt viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt. 

Wie funktioniert das Genossenschaftsmodell?  

Maucher:  Jeder Haushalt investiert als Genossenschaftsmitglied Geld, um das Nahwärmenetz zu bauen und seinen Haushalt anzuschließen. Die Wärmeeinheiten kauft die Genossenschaft von der Biogasanlage ab und jedes Mitglied zahlt pro KW zwischen 24,5 und 30 Cent. Mit den Gewinnen zahlen wir das gemeinsame Investitionsdarlehen zurück, finanzieren Reparaturen und Abschreibungen und bilden Rücklagen. 

Wie sicher ist die Versorgung mit Nahwärme im Winter?

Maucher: Damit wir auf der sicheren Seite sind, haben wir eine Zusatzheizung bauen müssen, falls die Abwärme der Biogasanlage nicht reicht – ein sogenanntes HotMobil. Das ist eine Art Ölbrenner auf einem LKW. Falls es 20 Grad Minus hat, müssen wir zuheizen. Im Winter 2013/2014 war das nicht der Fall, im Jahr davor haben wir das HotMobil einmal benutzen müssen. 

Was sehen Sie als größten Nutzen des Nahwärmenetzes?  

Maucher:  Der Hauptvorteil ist der, dass man Energie nutzt, die bisher sinnlos in die Luft abgegeben worden ist. Es gab aber auch kritische Stimmen zur Biogasanlage, da auch Mais verheizt wird. Aber die Biogasanlage stand schon, sie war ja bereits genehmigt. Und die Wärme, die bei der Kühlung entstanden ist, ging unverbraucht in die Luft ab. Es ist unglaublich, dass man mit dieser Abwärme jetzt 180 Häuser mit Warmwasser und Wärme versorgen kann! Und das für den Einzelnen günstiger als zuvor. 

Welche Vorteile haben Sie durch die Energieautarkie?

Maucher: Uns kümmert der Heizölpreis nicht mehr. Den sehen wir seitdem gelassen. Für die nächsten ca. 15 Jahre haben wir nun feste Preise – so lange läuft unser Vertrag mit den Betreibern der Biogasanlage. Danach muss man überlegen: Werden Biogasanlagen noch gefördert? Wir haben auch schon die Idee einer Hackschnitzelanlage im Kopf. Die ist zwar etwas teurer, aber zu dem Zeitpunkt brauchen wir kein Geld von den Mitgliedern, um sie zu bauen, denn wir können sie aus den gebildeten Rücklagen zahlen. 

Was war herausfordernd bei der Realisierung?

Maucher: Das Überzeugen der Leute. Das Thema Nahwärmenetz war ja neu und wir konnten erst konkrete Zahlen nennen, als wir ein konkretes Angebot auf dem Tisch hatten. Die Leute fanden den Umweltgedanken zwar gut, aber sie wollten genau wissen, was man zahlen muss und was nicht. Die Zahlen müssen einfach stimmen. Wenn unsere Preise so hoch wie Heizöl gewesen wären, dann wär das nicht durchgegangen. Es muss sich lohnen. Wir haben auch die Investitionskosten der einzelnen Haushalte gestaffelt – je nach bisherigem Verbrauch. Jemand, der wenig verbraucht, sollte auch eine geringere Anschlussgebühr zahlen. Sonst macht er doch nicht mit. 

Was raten Sie anderen Kommunen, die zum Bioenergiedorf werden wollen?  

Maucher:  Suchen Sie nach Mitstreitern. Es gibt viele Rentner und Frührentner, die so ein Projekt gerne initiativ und ehrenamtlich machen. Denn niedrige Personalkosten sind ein entscheidender Faktor. Wenn ich günstige Preise habe, kann ich Menschen für mein Projekt begeistern. Unser Vorstand besteht aus zwei Personen und fünf Aufsichtsratsmitgliedern – alle arbeiten ehrenamtlich. In unserer Bilanz sind keinerlei Personalkosten. Lassen Sie auch den Umweltgedanken einfließen. Zudem ist es wichtig, dass die Gemeinde hinter dem Projekt steht. 

Vielen Dank für das Interview, Herr Maucher!

Mehr zum Investitionsvolumen, den Heizöl- und CO2-Ersparnissen und der Umsetzung der Nahwärme in Oberopfingen erfahren Sie auf der Webseite der Genossenschaft.


Fußleiste