Grüne Start-ups

Gastkolumne

Wo sind die Grünen Startups aus dem Ländle?

Wo sind die visionären und innovativen Ideen der Energiewende? Wo ist das Airbnb der Energieeffizienz, der 3D Photovoltaik Drucker und der Energiewende Kickstarter? Nur innovative, skalierbare und dezentrale Lösungen werden die Energiewende erfolgreich machen – und Baden-Württemberg täte gut daran sich nicht auf dem Status quo auszuruhen.

In Baden Württemberg werden über 11% der „grünen“ Unternehmen deutschlandweit gegründet, 2006-2013 waren es in knapp 20.000.   Die meisten davon in den Bereichen Klimaschutz, Erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Nur in Bayern und Niedersachsen gibt es bundesweit mehr grüne Gründungen.

Richtet man den Blick etwas über den quantitativen Tellerrand hinaus, stellt man allerdings fest, dass nur vergleichsweise wenige der wirklich bekannten und erfolgreichen „grünen“ Startups aus Baden-Württemberg und der weltweit bekannten„Green City“ Freiburg kommen.   Warum ist das so? Ist Baden-Württemberg überhaupt attraktiv für „grüne“ Gründer*innen?

KÖNNEN WIR ALLES AUßER STARTUP?

Die Startup Kultur in Baden-Württemberg allgemein ist sicherlich nicht vergleichbar mit Berlin oder München, auch wenn sich in Karlsruhe schon einiges tut. Und das hat Gründe: Baden-Württemberg  ist Schlusslicht im bundesweiten Vergleich der Gründungsförderung an Hochschulen.  Eine etwas gemütliche und mittelständische Selbstzufriedenheit (wir können alles außer Hochdeutsch) tut ihr Übriges. Gerade der Mittelstand sollte keine Angst vor Startup Kultur haben, sondern diese fördern und nutzen, gerade im Bereich der Energiewende.

In Freiburg im Breisgau, der Heimat der Energiewende und vieler ihrer frühen Pioniere aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft, findet man noch einige Leuchtturmprojekte vergangener Tage in den Bereichen innovativer Technologie, Forschung und Gesetzgebung. Auch zwei jüngere Unternehmen wie Smart Exergy und Enit Systems, einer Ausgründung des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) – des größten europäischen Forschungsinstituts im Solarbereich – konnten bundesweit Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Doch im Vergleich zu den vibrierenden und wachsenden Startup Metropolen Berlin und Hamburg am nördlichen Ende der Republik fällt die Suche nach den jungen, dynamischen Startups im Nachhaltigkeitsbereich schon deutlich schwerer.

FÖRDERPROGRAMME FÜR GRÜNE STARTUPS

Dies wurde in der „Green City“ Freiburg erkannt und verschiedene Akteure haben sich auf den Weg gemacht dies zu ändern. Das erste Förderprogramm für Startups im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit „Econauten 2015 – Das Förderprogramm für Bessermacher*innen“ wurde mit Hilfe lokaler Unternehmen, Stiftungen und Einzelpersonen durch das noch junge Gründungszentrum Grünhof auf den Weg gebracht. Es ist als Wettbewerb konzipiert, dessen Gewinner-Team sich über eine 6-monatige Förderung inklusive Stipendium von bis zu 1.000€/Monat, Coaching und einem Arbeitsplatz im Gründungszentrum freuen darf. Die Bewerbungsfrist endet am 16. Juni 2015.

Auch der Business Plan Wettbewerb „Startinsland“ des lokalen Gründerbüros der Universität vergibt einen Sonderpreis in der Kategorie „Green Economy“ mit einem Preis von bis zu 4.000€ für das Gewinner-Team. Dieser Wettbewerb wurde unter anderem vom Fraunhofer ISE initiiert. In Baden-Württemberg sind diese Förderungen bisher einmalig, bundesweit gibt es allerdings schon länger einige Angebote für „grüne“ Gründer*innen.

Will man von punktueller Förderung zu dauerhafter Anziehungskraft und einem tatsächlich fruchtbaren Gründungsumfeld kommen, bedürfen „Pre-Seed“  Programme wie den Econauten einer Fortführung in Finanzierungs- und Kooperationsmöglichkeiten mit etablierten Unternehmen. Ein erfolgreiches Beispiel hierfür und besonders innovativer Akteur im Bereich der ökologisch erzeugten Nahrungsmittel in der Region Freiburg ist die Regionalwert AG, die sich nicht nur um die Finanzierung kümmert, sondern mit ihrem Wirken alle Glieder der Wertschöpfungskette abdeckt, getreu dem Prinzip „Vom Acker bis auf den Teller“.

MUT UND UMSETZUNGSWILLE SIND DER SCHLÜSSEL

Förderprogramme sind ein Anfang, das wichtigste aber sind visionäre Menschen mit ausgeprägtem Umsetzungswillen und ein Umfeld, das dazu einlädt, eigene Ideen in die Tat umzusetzen. Um diese Menschen zu finden und zu fördern, sollten wir im Ländle nicht nur hochdeutsch (und Englisch) lernen, sondern müssen auch die Sprache und konkreten Bedürfnisse von Startups verstehen. Nur so kann ein kreatives Umfeld erschaffen werden, das den Nährboden bietet, den innovative Gründer*innen heutzutage benötigen, um erfolgreich eine Unternehmung aufzubauen.

Denn eines ist klar: Baden-Württemberg und vor allem Freiburg (und ja, der Autor ist Zugezogener) kann mit einer einzigartigen Lebensqualität glänzen, die im Vergleich zum hippen Berlin oder schnelllebigen Silicon Valley enormen Reiz ausübt. Um aber auch die jungen, quirligen Gründer*innen hier zu halten oder gar anzuziehen, um in Baden-Württemberg zu gründen, muss auch an einer reizvollen Basis jenseits der schönen Naherholungsgebiete und gemütlichen Straußwirtschaften gearbeitet werden. Es braucht mehr Mut, sich auf eine Reise ins unbekannte Land der heutigen Startup Welt aufzumachen und mehr kreative Hot Spots und inspirierende Schmelztiegel, an denen die Luft zum schneiden dick ist vor lauter frischen Ideen junger Innovateure.

 

Der Autor Jonathan Niessen hat in Freiburg einen MSc. Environmental Governance studiert und arbeitet im Gründungszentrum Grünhof in Freiburg.

Erfahren Sie mehr über das Gründungszenrtrum Grünhof: www.gruenhof.org.

* Die Beiträge unserer Serie "Gastkolumne" geben ausschließlich die Meinung des  namentlich genannten Autors wieder.


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