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Strompreise und Manipulationen

Gastkolumne

Strompreise und Manipulationen

Von Reiner Ehret, Vorsitzender des Landesnaturschutzverbands Baden-Württemberg e. V. (LNV)*

Energiewende ist umgesetzte Nachhaltigkeit

Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg ist der Dachverband der Natur- und Umweltschutzverbände des Landes. Er hat eine besondere Verpflichtung dafür einzutreten, dass bei der Umsetzung der Energiewende – also auch bei der Kampagne 50 – 80 – 90 – der Schutz von Natur und Landschaft erhalten bleibt. Wir vertreten seit vielen Jahren den Standpunkt, dass erfolgreicher Naturschutz nur betrieben werden kann, wenn der Schutz der Umwelt und insbesondere der Klimaschutz als substanzieller Bestandteil des Naturschutzes gesehen wird. Mit anderen Worten: Naturschutz ohne Umwelt- und Klimaschutz wird es künftig nicht mehr geben! Das eine wird ohne das andere scheitern!

Energiewende und mediale Manipulation

Enttäuscht ist der LNV von der medialen Berichterstattung über die Energiewende, die sich seit einiger Zeit fast ausschließlich mit dem Anstieg der Strompreise befasst. Leider werden in den Medien häufig falsche Zusammenhänge konstruiert und damit die Öffentlichkeit in die Irre geführt. Wenn „BILD“ mit dem Aufmacher „Zuviel Sonne – Strompreis steigt stärker als erwartet“ aufwartet, klingt das für den Leser, als sei der solar erzeugte Strom und dessen Einspeisung allein an den steigenden Strompreisen schuld. Die FAZ hat in einer Berichterstattung im August 2013 diesen Zusammenhang sogar ganz direkt hergestellt, indem sie behauptet, die wachsende Ökostromeinspeisung treibe die Energiekosten für die Verbraucher weiter nach oben.

Energiewende und die Energiekonzerne

Fakt ist für den LNV, dass die Energieriesen die derzeit extrem niedrigen Stromkosten an der Strombörse nicht an ihre Kunden weitergeben, sondern damit viel Geld verdienen. Sie profitieren nicht nur von den niedrigen Energiekosten, sondern sind als energieintensive Betriebe meist auch noch von der EEG-Umlage befreit. Wenn, so folgert der LNV, das Stromgeschäft den Regeln der Marktwirtschaft folgen würde, würden in der jetzigen Situation die Strompreise eher sinken als steigen. Interessant wäre in diesem Zusammenhang auch eine Rechnung, wie sich der Strompreis entwickelt hätte, gäbe es keine Energiewende und keine EEG-Umlage. Man kann sicher davon ausgehen, dass er – wie in den Jahren vor der Energiewende – kontinuierlich angestiegen wäre.

Energiewende, Preistreiber und die EEG-Umlage

Fast unbemerkt – und auch von den Medien unkritisch hingenommen – ist in den letzten Jahren der Preis für Heizöl und Erdgas gestiegen. Dies ist volkswirtschaftlich besonders pikant, weil die Preissteigerungen bei Öl und Gas nahezu ausschließlich zur Füllung der Kassen internationaler Konzerne und ölproduzierender Länder führen, die EEG-Umlage aber ebenso fast ausschließlich in die Hände privater und kommerzieller Investoren innerhalb unseres Landes gelangen. Diese besondere Art der Förderung der Energiewende verbleibt also bei uns und kann – und das geschieht auch oft – in binnenwirtschaftliche Aktivitäten, sprich Investitionen, fließen.

Energiewende, Arbeitsplätze und die Nachhaltigkeit

Dass dies auch Arbeitsplätze schafft (nicht nur bei der Solarindustrie) ist logisch. Wir unterstützen die Kampagne 50 – 80 – 90 in der Überzeugung, dass es mit ihr gelingen kann, die so oft geforderte – und manchmal auch geförderte! – Einheit von Ökologie und Ökonomie zu schaffen. Zu solchen Nachhaltigkeitsbestrebungen könnte dann hilfreich noch hinzukommen, dass jeder – auch der klassische Natur- und Landschaftsschützer – die Augen öffnet für die Riesenchancen, die eine Energiewende für Baden-Württemberg und für Deutschland bedeutet. Wenn wir es gemeinsam schaffen, ohne Atomenergie und langfristig auch ohne fossile Energiequellen Deutschland als blühenden Wirtschaftsstandort zu erhalten, werden wir weltweit großen ökonomischen Nutzen haben und in unserem eigenen Land den Beweis antreten, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Schlagwort ist.

Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V.
Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V.

 

Der Autor Reiner Ehret ist seit 2010 Vorsitzender des Landesnatuschutzverbands Baden-Württemberg e. V. (LNV). Der LNV ist ein Zusammenschluss von Vereinen, die den Natur- und Umweltschutz in Baden-Württemberg aktiv fördern und unterstützen.

Erfahren Sie mehr über den Landesnaturschutzverband: www.lnv-bw.de

 

* Die Beiträge unserer Serie "Gastkolumne" geben ausschließlich die Meinung des  namentlich genannten Autors wieder.


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