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Ein Bioenergiedorf

Bioenergiedorf

Ein Dorf stellt um auf erneuerbare Energien

  • Biogasanlage Mauenheim

Wir befinden uns im Jahre 2015 n.Chr. Ganz Baden-Württemberg denkt noch über die Energiewende nach … Ganz Baden-Württemberg? Nein! Denn das Bioenergiedorf Mauenheim hat die Energiewende schon geschafft – mit Holz, Biogas und Sonne.

Ein kleines Dorf macht es vor: Was Baden-Württemberg bis zum Jahr 2050 schaffen möchte, ist in Mauenheim bereits Realität: Das Örtchen im Landkreis Tuttlingen war das erste Bioenergiedorf Baden-Württembergs, das sich rein rechnerisch komplett selbst mit Energie versorgen könnte. Viele der rund 430 Einwohner beteiligten sich, damit der idyllisch in den sanften Hügeln des Donauberglands gelegene Ortsteil der Gemeinde Immendingen zum Vorreiter der Energiewende wurde.

Die Grundlage dafür hatten im Jahr 2004 die beiden Mauenheimer Landwirte Ralf Keller und Erich Henninger gelegt, indem sie auf Biogas setzten. Keller war im August gerade im Traktor oberhalb von Mauenheim unterwegs, als sein Bekannter, der ehemalige Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe Jörg Dürr-Pucher, anrief und vorschlug: „Lass uns eine Biogasanlage bauen.“

Bakterien statt Schweine und Rinder

So gleicht das Areal, auf dem Ralf Keller heute steht und diese Geschichte erzählt, nur auf den ersten Blick einem normalen Bauernhof: Im Hintergrund lagern Futtermittelvorräte, der Schwiegersohn in spe braust mit dem Traktor vorbei, um Gülle auszubringen. Doch gefüttert werden hier nicht Rinder oder Schweine, sondern Bakterien. Milliarden von ihnen verwandeln in zwei großen, runden Fermentern Tag für Tag rund 30 Tonnen Biomasse in Methangas und Gülle.

Dieser Prozess bildet die Grundlage des Bioenergiedorfs Mauenheim. Denn das Gas wird in zwei Blockheizkraftwerken verbrannt, was rund vier Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt - etwa das Neunfache des Mauenheimer Verbrauchs. Der Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist. Nebenbei fallen weitere 3,5 Millionen Kilowattstunden Abwärme an, mit denen 72 der rund 100 Häuser im Ort beheizt werden.

Von der Idee zum Bioenergiedorf

„Sowohl die Gemeinde Immendingen als auch der Ort Mauenheim waren und sind auch heute noch stolz darauf, eine gewisse Vorreiterrolle eingenommen zu haben“, sagt Markus Hugger, Bürgermeister von Immendingen. Dass die Energiewende im Kleinen reibungslos gelang, führt Ralf Keller darauf zurück, dass er seine Nachbarn von der Idee überzeugen konnte. Noch bevor Henninger und er den Bauantrag einreichten, luden sie die Bürger zu einem Informationsabend ein. „Damals war praktisch jeder Haushalt vertreten“, erzählt Keller. Denn eine andere Anlage in der Region hatte kurz zuvor für Negativschlagzeilen gesorgt. „Wir haben die Ängste und Sorgen und Befürchtungen zu Gestank und Verkehr ernst genommen und den Bürgern gesagt, warum es nicht stimmt“, sagt der Landwirt.

Als dann der Geschäftsführer der damaligen solarcomplex GmbH, Bene Müller, aufstand und den Mauenheimern antrug, sie zum ersten Bioenergiedorf im Ländle zu machen, indem man die Wärme der Biogasanlage in den Ort bringt, sagten die ersten spontan zu, ihre Heizung stillzulegen. Also wurden die schmalen Gassen des Ortes aufgerissen und Wärme-Leitungen verlegt. 

Mit mehr als 600.000 Euro beteiligten sich die Einwohner an den Investitionen, zu denen auch eine Photovoltaik-Anlage gehörte. Wer heute auf den Ort blickt erkennt, dass die Mauenheimer auch auf ihren Häusern die Energiewende weiter treiben: Zahlreiche Photovoltaik-Anlagen prägen die Silhouette und erzeugen zusätzlichen grünen Strom. 


Ein Blick ins Bioenergiedorf Mauenheim

  • Solaranlagen auf den Dächern im Bioenergiedorf Mauenheim

Solaranlagen auf Mauenheims Dächern


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