Service-Navigation

Energiegenossenschaften – die Energiewende für jedermann

Bürgerenergiegenossenschaften

Energiegenossenschaften – die Energiewende für jedermann

  • Energiewende gemeinsam vorantreiben

Ob in Bürgergruppen, Stadt- und Gemeinderäten oder lokalen Wirtschaftsunternehmen: Tausende Menschen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zusammengefunden, um Erneuerbare-Energien-Projekte gemeinschaftlich auf die Beine zu stellen.

Die Bürgerenergiegenossenschaft erfreut sich hierbei als Organisationsform großer Beliebtheit. Mehr als 900 solcher Energiegenossenschaften gibt es mittlerweile in ganz Deutschland. Die meisten davon sind unter dem Dach des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands (DGRV) organisiert. Baden-Württemberg ist als Flächenland die Nummer Eins, was die Dichte an Energiegenossenschaften angeht. Ihre Zahl lag Ende 2014 nach Angaben des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands bei 148, 11 mehr als im Jahr 2013. Das klingt gut, doch sollte man nicht verschweigen: In den Jahren 2012 auf 2013 hatte es noch ein Plus von 22 gegeben.

Mehr als 26.000 Einzelmitglieder

Die meisten Energiegenossenschaften erzeugen Solarstrom, jedoch bauen immer mehr auch Blockheizkraftwerke oder Nahwärmenetze. Um Energieanlagen für diese Zwecke zu bauen, schließen sich Bürger zu Energiegenossenschaften zusammen. Doch die Energiegenossenschaften erzeugen nicht nur, sie liefern auch Strom oder Wärme, betreiben Stromnetze bis hin zum vollumfänglichen Energieversorgungsunternehmen. Die Genossenschaften setzen damit jährlich über 100 Millionen Euro um. Mittlerweile stehen hinter den Energiegenossenschaften in Baden-Württemberg mehr als 26.000 Einzelmitglieder.

Einige Erneuerbare-Energien-Anlagen werden mit viel Engagement von den Bürgern in ihrer Freizeit geplant und komplett aus Eigenkapital finanziert. Bürger, Gemeinde, Unternehmen und Landwirte betreiben in manchen Fällen sogar ganze Nahwärmenetze gemeinsam und profitieren dabei von niedrigen Wärmekosten. So geschehen in der Bioenergie-Region Hohenlohe-Odenwald-Tauber.

Energiegenossenschaften als wichtiger Teil der Bürgerbeteiligung

Die Energiewende geht alle an: Das müssen manche örtliche Energiegenossenschaften immer wieder erleben, wenn sie Anlagen planen, sich parallel dazu aber Bürgerinitiativen bilden, die mit dem geplanten Bauvorhaben überhaupt nicht einverstanden sind. Widerstände dieser Art verzögern den Bau und bedeuten für zudem Mehrkosten für die Energiegenossenschaft. Die Energie-Kommune Leutkirch hat vorgemacht, wie es auch anders geht: Sie hat die Bürger in ihre Pläne miteinbezogen und beim Energieleitbild der Stadt ganz auf das Thema Bürgerbeteiligung gesetzt.

Und das ist wichtig: Denn nur, wer die Bürger frühzeitig mitsprechen lässt, wer sie unterstützt und dazu ermutigt, Energiegenossenschaften aus der Taufe zu heben, der sichert sich die langfristige Unterstützung für das Jahrhundertprojekt Energiewende.

Das reformierte EEG als Hemmschuh?

Der Rückgang an Neugründungen von Energiegenossenschaften betrifft leider nicht nur Baden-Württemberg. Ähnlich sieht es in ganz Deutschland aus. Während der Südwesten ein Minus von 50 Prozent zu verzeichnen hat, ging deutschlandweit die Zahl sogar um 60 Prozent zurück – von 2013 auf 2014. Im vergangenen Jahr gab es 54 Neugründungen, im Jahr zuvor hatte es noch 129 gegeben. Das beweist eine aktuelle Umfrage des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands (DGRV). Die Ursache für den Rückgang sieht Eckhard Ott, Vorstandschef des DGRV in den seiner Meinung nach „verringerten Geschäftsmöglichkeiten nach der letztjährigen Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG)“.

Dass Energiegenossenschaften einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten, hat die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) in einer Blitzumfrage unter Energie-Kommunen herausgefunden. 80 Prozent der Befragten gaben an: Energiegenossenschaften leisten einen großen bis sehr großen Beitrag für die Akzeptanz der Energiewende. 

Doch ohne diese Akzeptanz dürfte der Ausbau von Erneuerbaren Energien gefährdet sein. Wer an einer erfolgreichen Energiewende in Baden-Württemberg und ganz Deutschland interessiert ist, sollte also möglichst rasch bei einer Energiegenossenschaft mitmachen, oder – noch besser – selbst eine gründen.

Wie das funktioniert und welche rechtlichen Möglichkeiten einem dabei offen stehen, lesen Sie im Artikel "Gemeinsam investieren" mehr dazu.


Fußleiste