Storytelling, um für Smart Grids zu begeistern

INTERVIEW

Storytelling, um für Smart Grids zu begeistern

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Smart Grids werden als die Energienetze der Zukunft bezeichnet. Was genau dahinter steckt, wird in zahlreichen Publikationen umfassend erklärt. Eine besondere Form der Erklärung hat sich Dr. Albrecht Reuter ausgedacht. Reuter ist Gesamtprojektleiter von C/sells, einem länderübergreifenden Smart-Grids-Projekt, welches von der Smart Grids-Plattform Baden-Württemberg e.V. initiiert wurde. Wir haben mit ihm auf der Veranstaltung „Live-Storytelling für C/sells Partner & Friends“ in Stuttgart im April 2016 gesprochen. 

Herr Dr. Reuter, zunächst zum Verständnis: Warum ist es für Sie wichtig, über Smart Grids zu erzählen?

Das Energienetz der Zukunft lebt davon, dass viele Mitmachen. Nicht nur die Netzbetreiber und Energieversorgungsunternehmen, sondern auch die Prosumenten: Sie und ich. Jeder, der eine Photovoltaikanlage hat, jeder, der sich ein Elektroauto anschaffen wird, jeder, der bei der lokalen Bioenergiegenossenschaft beteiligt ist. Und so weiter. Eine große Zahl von Menschen ist am Energiesystem von morgen beteiligt, nicht nur als Verbraucher, sondern auch als Produzenten. Sogenannte Prosumenten. Das gibt es heute schon im kleinen Maßstab, aber soll in den nächsten vier Jahren zum großen Movement werden. Und beim Movement will man umso eher mitmachen, umso besser man versteht, worauf man sich da einlässt. Erzählerisch das Energiesystem der Zukunft auszugestalten ist sympathischer, als hunderte von PDF-Seiten durchzuarbeiten, oder?

Wie fängt die Erzählung in Ihrer Geschichte an? 

Damals, vor gut 25 Jahren, als die Energiewirtschaft noch in staatlicher Hand war, als Martin Bangemann von der FDP Wirtschaftsminister war, als Andris Piebalgs EU Kommissar war...: Damals was das Leben von Tobias E. (Name zufällig und fiktiv) als Netzbetreiber vergleichsweise einfach.:

Die zentralen Großkraftwerke produzierten mit einer satten Überkapazität elektrische Energie, die sie direkt in das Höchstspannungsnetz einspeisten. Und wenn meine Oma damals den Heizlüfter eingeschaltet hat,  dann produzierte das nächstliegende Kraftwerk einfach ein bisschen mehr Strom („Produktion folgt Verbrauch“). Oma‘s Stromrechnung wurde nach einem festen Tarif berechnet, mit (für die Netzbetreiber und Produzenten) komfortablen Aufschlägen versehen  und wurde von meiner Oma ohne zu Murren bezahlt.

Und wie ging es weiter?

Dann kam ab 1998 das Energiewirtschaftsgesetz, nach dem jeder Verbraucher frei wählen kann, wer den Strom liefern soll und die Netze für den diskriminierungsfreien Stromtransport unbundelt wurden. Erst im Jahre 2005 wurde der Liberalisierung des Strommarktes auch faktisch mehr „Wirkung“ verliehen, denn in diesem Jahr wurde die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde geschaffen. Eine der Hauptaufgaben dieser Regulierungsbehörde im Bereich des Strommarktes ist es dafür zu sorgen, dass jedem Stromanbieter  ein diskriminierungsfreier Zugang zu den Versorgungsnetzen möglich gemacht wird.

Dann geschah etwas Einmaliges: eine Pfarrerstochter und Physikerin wurde zur Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland gewählt: Angela Merkel. Am 30. Juni 2011 hat sie mit der überwältigenden Mehrheit des  Bundestags die Energiewendegesetze beschlossen. 

Dann ging es Schlag auf Schlag: die Einigung der G7 auf Schloss Elmau im Sommer 2015 und COP21 Beschlüssen von Paris (11/2015) bedeuten eine vollständige Decarbonisierung der Energieinfrastruktur noch in diesem Jahrhundert.  

Klingt ganz danach, dass es Lösungen für diese Vorhaben braucht.

Richtig. Und siehe da: Für die Pioniere der Energiewende im Süden hat sich ein Sonnenbogen über Bayern, Baden-Württemberg bis Hessen aufgetan. Ein Sonnenbogen mit Namen dem C/sells.

Und wie geht die Geschichte weiter? 

Wir springen in die nahe Zukunft. 2020. Es gab kaum noch Einspeiser auf der HV-Ebene, sondern vor allem auf der Niederspannungsebene durch PV. Inzwischen haben die Netzbetreiber aller  Spannungsebenen gelernt, sich mit der gleichen Sprache zu verständigen, haben Freude sich auszutauschen und im Laufe der Zeit erkannt, dass sie gar nicht so schnell miteinander sprechen können wie es die Stabilität des Netzes es erfordert. 

Also habe sie „Ingo“ (die IT) zu Hilfe gerufen und ein IIS entwickelt. Seitdem geht alles automatisch und Tobias E. ist wieder überglücklich. So wie früher ist sein Netz wieder stabil, Oma kann nach Belieben Energiedienste in Anspruch nehmen, und hat auch noch ein gutes (Mitmach-)Gefühl dabei. 

…Sicher wird Tobias E. Karriere machen.

So genau weiß man aber noch nicht, was Smart Grids nun sind und leisten?

Um das zu erklären, kann man technische Vorträge halten und seitenweise Unterlagen durchackern. Die Frage ist, ob die Oma dann schlauer ist als zuvor. Und es ist wichtig zu vermitteln: Smart Grids sind das Energiesystem von Morgen, was schon heute im Aufbau begriffen ist. Dabei geht es aber nicht um die ferne, sondern um die nahe Zukunft. Smart Grids werden im Sonnenbogen Süddeutschlands durch gemeinschaftliche Gestaltungsarbeit  in den nächsten vier Jahren zum komfortablen , akzeptierten und stabilen Energie- und Infrastruktursystem werden. Das ist unser Ziel. Dafür setzen wir uns ein und machen C/sells zum Movement.

Und die Moral der Geschicht’: C/sells als flächendeckende Smart Grids und unser aller Energiewende-Beschleuniger.

http://energiewende.baden-wuerttemberg.de/de/e-mit-engagement/gemeinsam-vorantreiben/storytelling-um-fuer-smart-grids-zu-begeistern/