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Elektrizitätswerke Schönau im Portrait

Elektrizitätswerke Schönau

Die Stromrebellen aus dem Schwarzwald

  • Ursula und Michael Sladek vom Elektrizitätswerk Schönau

Die Elektrizitätswerke Schönau sind aus der Anti-Atomkraft-Bewegung entstanden. Heute beliefern sie mehr als 135.000 Kunden bundesweit mit sauberem Strom – unter anderem als Partner der Stadtwerke Stuttgart.

Der Schock saß tief: Als am 26. April 1986 das Atomkraftwerk in Tschernobyl explodierte und eine radioaktive Wolke über Europa zog, schwankten auch die Menschen im Schwarzwaldstädtchen Schönau zwischen Fassungslosigkeit, Wut und Ohnmacht. Aber dabei blieb es nicht. Engagierte Bürger um den Arzt Michael Sladek und seine Frau Ursula gründeten die Initiative „Eltern für atomfreie Zukunft“. Sie wollten ihren lokalen Beitrag zu einer neuen Energiepolitik leisten. Also schrieben sie Stromsparwettbewerbe aus, organisierten Energiesparberatungen und warben öffentlich für ein Umdenken in der Stromwirtschaft.

Die Stromrebellen aus dem Schwarzwald nutzten die Gunst der Stunde und ließen eine Utopie Wirklichkeit werden: Sie gründeten ihr eigenes Elektrizitätswerk. Unterstützt von Experten aus ganz Deutschland wurden im Januar 1994 die „Elektrizitätswerke Schönau“ (EWS) ins Leben gerufen.

Doch der bisherige Stromanbieter, die Kraftübertragungswerke Rheinfelden (KWR), wollten sich nicht so einfach aus dem Feld drängen lassen. Die KWR forderten für das Schönauer Stromnetz einen völlig überhöhten Preis von 8,7 Millionen DM, der aufgrund offensichtlicher Fehler bald auf 6,5 Millionen DM herabgesetzt wurde. Die EWS selbst hatten den Wert des Stromnetzes auf 3,9 Millionen geschätzt. Die fehlenden zwei Millionen DM im Etat konnten die EWS jedoch durch eine beispiellose Werbekampagne einsammeln. Dem Slogan „Ich bin ein Störfall“ schlossen sich tausende Unterstützer in ganz Deutschland und darüber hinaus an. In nicht einmal einem Jahr hatte die EWS ihr Spendenziel erreicht. Damit stand der Übernahme des Netzes endgültig nichts mehr im Weg: Ab dem 1. Juli 1997 betrieb erstmals ein Elektrizitätswerk, das aus der Anti-Atomkraft-Bewegung entstanden war, die Stromversorgung einer Gemeinde.

Die EWS verwirklichen mittlerweile ihre Vision einer ökologischen Energieversorgung: Strom aus Sonne, Wind und Wasser oder aus Blockheizkraftwerken wird angemessen vergütet.  Durch einen in die Tarife eingebauten „Sonnencent“ fördert die EWS dezentrale und umweltfreundliche Stromproduktion, insbesondere Kraft-Wärme-Kopplungs- und Photovoltaikanlagen in Bürgerhand. Bundesweit unterstützte das Förderprogramm bislang den Bau von mehr als 2.000 neuen Minikraftwerken. Das ökologische und soziale Engagement der Schönauer ist vielfach ausgezeichnet worden, zuletzt erhielten die EWS-Mitbegründer Michael und Ursula Sladek den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg.

Mit der Liberalisierung des deutschen Strommarktes im April 1998 konnten die EWS ihre Aktivitäten auch über Schönau hinaus ausdehnen. Viele Menschen aus der Umweltbewegung wechselten umgehend zu den einstigen Stromrebellen aus dem Schwarzwald. Aus anfänglich 1.800 Stromabnehmern in Schönau sind bis Ende 2012 mehr als 135.000 Kunden bundesweit geworden – Privathaushalte, Gewerbebetriebe und Industrieunternehmen. Sie alle erhalten garantiert sauberen Strom.


  • Verleih des Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg an Ursula und Michael Sladek durch den Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Verdienstorden des Landes

Ministerpräsident Winfried Kretschmann verlieh Ursula und Michael Sladek den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg.


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