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Chancen der Photovoltaik

SolarClusterBW

Interview mit Dr. Carsten Tschamber

 

Das Interview wurde mit dem Geschäftsführer von SolarClusterBW Herrn Dr. Carsten Tschamber im September 2016 geführt.

 

 

Herr Tschamber, wird die Photovoltaik aus Ihrer Sicht im neuen EEG 2017 ausgebremst?

Tschamber:

Die Photovoltaik wurde schon mit den letzten Revisionen des EEG ausgebremst, das hat eigentlich schon 2009 angefangen. Was das EEG 2017 versäumt, ist Impulse zu setzen, damit die erneuerbaren Energien weiter zügig ausgebaut werden. Wir haben im vergangenen Jahr den Klimavertrag von Paris beschlossen und tun aber nichts, um die darin definierten Ziele zu erreichen. Energieeffizienz alleine wird nicht ausreichen, wir brauchen dringend einen Plan, wie wir aus der Kohleverstromung aussteigen können. Und wir müssen schleunigst die erneuerbaren Energien ausbauen. Aber nichts passiert. Im Gegenteil, mit dem EEG 2017 wird Wind Onshore auch noch ausgebremst. Und zur Photovoltaik findet sich nicht viel im EEG 2017, was geeignet wäre, den Zubau zu erhöhen.

Ein paar kleinere Lichtblicke gibt es aber tatsächlich: Da ist beispielsweise das Thema Mieterstrom. Dafür muss allerdings die im EEG 2017 vorgesehene Verordnung kommen und ich habe bis jetzt noch nichts darüber gehört, wann das geschehen soll. Davon hängt für den Mieterstrom einiges ab. Diese kleinen Verbesserungen werden aber nicht einmal ausreichen, das bescheidene Ausbauziel der Bundesregierung von 2,5 Gigawatt pro Jahr zu erreichen. Experten rechnen für 2016 mit nicht viel mehr als einem Gigawatt. Und warum sollte es auch mehr werden? Ich sehe das einfach nicht. Leider – eine verpasste Chance für den Klimaschutz.

Das klingt nach einem düsteren Bild, gibt es ein paar weitere positive Signale neben der genannten Rechtsverordnung, auf die man hoffen kann?

Tschamber:

Ja – aber nicht in Deutschland. Wir sind gerade dabei, unsere Vorreiterrolle aufzugeben. Die verbleibenden deutschen Solar-Unternehmen machen ihre Geschäfte mittlerweile im Ausland. Unternehmen überstehen diese Krise, wenn sie sich entweder international aufstellen oder aber diversifiziert sind, das heißt Produkte oder Dienstleistungen für andere Märkte als die Photovoltaik anbieten. Außerhalb Europas spielt die Musik. Unternehmen werden über kurz oder lang Arbeitsplätze ins Ausland verlagern müssen, da sie hierzulande einfach kein Geschäft mehr haben. Das wird Schritt für Schritt die gesamte Wertschöpfungskette betreffen. Beispiel Maschinenbau – Maschinenbauer haben kaum Kunden in Deutschland, warum sollten sie hier noch entwickeln oder produzieren?

Welche Rolle spielen denn die PV-Heimspeicher?

Tschamber:

Heimspeicher spielen eine große Rolle, weil das Thema Eigenverbrauch immer wichtiger wird. Im letzten Jahr wurde die Hälfte aller PV-Anlagen mit einem Batteriespeicher verkauft. Mehrere zehntausend Speicher sind damit in Deutschland in Betrieb. Eigenversorgung ergibt ja auch Sinn, weil die Stromgestehungskosten selbst aus kleinen Photovoltaikanlagen mit etwa 12 Cent pro Kilowattstunde mittlerweile viel niedriger sind als die Preise der Stromversorger mit vielleicht 25 Cent netto. Wenn ich also möglichst viel von dem Strom, den ich Zuhause erzeuge, auch selbst verbrauchen kann, spare ich eine Menge Geld. Da lohnt sich eine PV-Anlage mit Speicher dann auch finanziell. Denn Speicher alleine sind noch nicht ganz wirtschaftlich, aber zusammen ist das ein gutes Paket.

Oft kommt jetzt der Einwand, da optimiert sich jeder betriebswirtschaftlich selbst – wie ist es denn mit der Netzdienlichkeit? Sind kleine private Stromspeicher energiewirtschaftlich sinnvoll? Und es stimmt, aus volkswirtschaftlicher Sicht mag das nicht optimal sein, aber ganz ehrlich: Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es auch vollkommener Quatsch, dass jeder ein Auto hat. Wir sollten alle Zug fahren, das wäre volkswirtschaftlich viel sinnvoller. Wichtig ist in meinen Augen, dass man auch kleine Speicher netzdienlich betreiben kann. Da gibt es Modelle wie das von Caterva oder die sonnenCommunity, die viele kleine Speicher zu einem virtuellen großen Speicher zusammenschalten und dann Regelenergie oder andere Netzdienstleistungen aus diesen Speichern anbieten.

Wie sieht denn das Solar Cluster BW die Entwicklung der Photovoltaik für den Eigenbedarf in den nächsten zwölf bis 24 Monaten?

Tschamber:

Insbesondere im privaten Bereich hat der Eigenverbrauch jetzt schon eine große Bedeutung und wird das weiterhin haben. Auch bei Anlagen, deren EEG-Vergütung in fünf oder zehn Jahren endet, stellt sich die Frage: Was mache ich mit dem Strom? Ich kann ihn natürlich an der Börse für zwei oder drei Cent pro Kilowattstunde verkaufen, oder ich kann ihn selbst nutzen und viel Geld sparen. Das wird nochmal einen riesen Schub geben für private Speicher. Im gewerblichen Bereich liegt die Sache anders. In den meisten Fällen können Gewerbetreibende einen großen Teil des Stroms auch ohne Speicher selbst nutzen. Ich sehe die Speicher somit tatsächlich eher im privaten Bereich oder aber im größeren Maßstab als Quartiersspeicher. Was es aber in allen Fällen gibt, ist die Kombination mit der Photovoltaik. Denn die ist das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, lokal Strom zu produzieren – also auf dem Dach oder neben dem Gebäude. Wind ist für den Umstieg auf erneuerbare Energien ebenso wichtig, aber Photovoltaik kann man eben auch direkt vor Ort in der Stadt oder am Objekt nutzen. ...könnte, wenn man wollte!

Unsere Aktuelle Debatte stellt die Frage „Würden Sie sich einen Heimspeicher in den Keller stellen?“, wie ist denn Ihre Antwort dazu?

Auf jeden Fall! Ich würde das schon deshalb machen, weil es cool ist auf meinem Handy zu sehen, wieviel von meinem Strom ich schon verbraucht habe. Das ist ja durchaus sinnvoll – ich spare nicht nur Geld, sondern entlaste auch die Umwelt dabei – alles gut.

 Vielen Dank für das Interview Herr Tschamber!


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