Service-Navigation

Interview: Kilian Rebmann

Zukunftsberufe

Dank Energiewende zum Bundessieger

  • Kilian Rebmann, Jugend forscht Gewinner, Vollholzerntemaschiene

Um die Energiewende voranzutreiben, braucht es auch Erfinder, die erneuerbare Energien wirtschaftlich nutzbar machen. Erfinder wie den Mechatroniker Kilian Rebmann, der eine innovative Erntemaschine für schnellwachsende Energiehölzer baute. Mit Erfolg: Im Wettbewerb „Jugend forscht“ wurde der 22-Jährige aus Biederbach im Schwarzwald 2014 Bundessieger. Bald geht seine Maschine in Serie.

Wie trägt der Anbau von Energieholz als Brennstoff zur Energiewende bei?

Kilian Rebmann: Holz ist CO2 -neutral, ein nachwachsender Rohstoff und in der Natur reichlich vorhanden. Und Holz geht nicht aus, wie zum Beispiel Kohle. In vier Jahren wird ein Energieholz sechs bis zehn Zentimeter dick und acht bis zwölf Meter hoch. Ein weiterer Vorteil ist, dass Holz nur wenige Nährstoffe braucht und dem Boden wenig Energie entzieht. Es wächst schnell, vor allem in den ersten Jahren und ist durch die Stecklinge einfach zu pflanzen.

Denkst du, dass Holz als Brennstoff immer wichtiger wird?

Kilian Rebmann: Da bin ich fest davon überzeugt. Holz war schon immer sehr interessant; gerade im Schwarzwald gab es auch früher viele Holzheizungen. Mit Holz wurde gekocht und auch die Wohnung gewärmt. Da Öl und Gas immer teurer werden, lohnt sich Holz jetzt wieder mehr als Energieträger und Energielieferant. Wenn man wenig Waldfläche hat, eignet sich vor allem Energieholz, um selbst etwas zur Energiewende beizutragen. Um ein Einfamilienhaus zu heizen, braucht man circa einen Hektar Anbaufläche. Ein Viertel der Gesamtfläche kann man dann jedes Jahr abernten, wenn man das Energieholz immer vier Jahre lang wachsen lässt.

Wie bist du auf deine Erfindung gekommen – eine Erntemaschine für Energiehölzer?

Kilian Rebmann: Wir haben zu Hause Energiehölzer angepflanzt: Weide und Pappeln. Da kam die Frage auf, wie man die Hölzer lukrativ setzen und ernten kann, denn für kleine Flächen gibt es eigentlich keine Möglichkeit. Wir haben also zunächst einmal gepflanzt. Es war abzusehen, dass es für unseren Zweck in naher Zukunft keine Erntemaschine geben wird. Deswegen habe ich angefangen, selbst eine Maschine zu bauen, mit der man Hölzer auf kleinen Flächen lukrativ ernten kann.

Wie funktioniert deine Erntemaschine?

Kilian Rebmann: Meine KUP-Erntemaschine wird vorne an den Dreipunkt der Traktor-Fronthydraulik angeschlossen. Mit dem Traktor fährt man dann in die Baumreihen hinein. Die Bäume werden zunächst mit zwei Kreissägeblättern unten am Stamm abgeschnitten. Angetrieben werden die Sägeblätter mit fünf Keilriemen. Zwei Kettenpaare mit Führungsdreiecken, Förderhilfen aus Stahlblech und Förderschnecken transportieren die abgeschnittenen Bäume aufrecht nach hinten in einen Käfig. Dieser dient als Vorratsbehälter, bis die Stämme mit einer Abdrückvorrichtung seitlich abgelegt werden. Da sich die Bäume immer am Anfang des Käfigs stauten, konstruierte ich zudem den Boden als Drehteller, damit die Bäume im Käfig gleichmäßig verteilt werden. Sobald die Baumbündel einen Durchmesser zwischen 80 und 100 Zentimetern haben, öffnet man dann den Käfig und schiebt das Holzbündel seitlich ab. Die einzelnen Holzbündel, die alle 15 bis 20 Meter am Boden liegen, sammelt man später zusammen, lässt sie ein halbes Jahr am Waldrand vortrocknen und verarbeitet sie zu Hackschnitzeln weiter. Damit die Maschine ruhig läuft und die Sägeblätter auf einer konstanten Höhe gehalten werden, konstruierte ich zudem Tandem-Stützräder.
 
Was ist der Vorteil deiner Erfindung?

Kilian Rebmann: Meine Erfindung ist optimal, um Energiehölzer auf kleinen Flächen und auch in Hanglagen wirtschaftlich zu ernten. Die Maschine kann man an jeden handelsüblichen Traktor vorne anschließen und über diesen bedienen. Sie lässt sich einfach transportieren, weil sie nicht zu groß ist und nicht zu viel Gewicht hat. Die Maschine kann sowohl Einreihen als auch Doppelreihen ernten. Weil die Maschine kostengünstig ist, könnte man sie z.B. sehr flexibel für mehrere Tage mieten und somit wetterunabhängiger ernten. Auch das Holzmaterial muss nicht sofort abtransportiert werden, sondern hat Zeit zum Trocknen. Das verbessert die Qualität des späteren Hackguts, das nicht zu viel Feuchte aufweisen sollte. Meine Maschine geht schonend mit dem Boden um und hat ein cleveres, aber schlankes Funktionsdesign. Es ist sehr einfach, mit dieser Maschine zu ernten. Ich habe bereits Interessenten, die sie in Serie fertigen würden. Es wäre wirklich schön, wenn ich meine Maschine bald auf dem Markt sehen kann.

Wie lange hast du an der Erntemaschine gebaut?

Kilian Rebmann: Von der Idee bis zur Umsetzung hat es vier Jahre gedauert. Erst einmal musste die Grundidee stehen. Man stellt sich zum Beispiel solche Fragen: Wie kriegt man die Bäume, die geerntet im Käfig stehen, wieder aus diesem heraus? Und zwar so einfach und wartungsarm wie möglich, ohne großen mechanischen Aufwand. Circa zwei Jahre habe ich an einem Prototyp gebaut, schrittweise Vieles verbessert und optimiert. Die Feinabstimmung war sehr wichtig. Oft habe ich nur kleine Teile verändert, doch deshalb läuft die Maschine jetzt perfekt. Während meiner Meisterschule habe ich dann die zweite Generation konstruiert und innerhalb von zwei Monaten gebaut. Zwei Tage bevor der „Jugend forscht“-Wettbewerb startete, war die Maschine fertig. Erst habe ich sie beim Kreiswettbewerb in Freiburg vorgestellt, dann beim Landeswettbewerb in Stuttgart und schließlich in Künzelsau beim Bundeswettbewerb. Jetzt habe ich schon wieder Version drei der Maschine im Kopf. Bei eigenen Erfindungen kommen einem ständig neue Ideen. Es gibt gefühlt immer etwas, was man verbessern könnte.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit der Erntemaschine!

Ein Video über den jungen Tüftler finden Sie im SWR.


Fußleiste