SFZ mit Zayed-Preis ausgezeichnet

Interview

Nachwuchs-Förderung für die Energiewende

Mit viel Medienresonanz verbunden hat das Schülerforschungszentrum Südwürttemberg (SFZ) auf sich aufmerksam gemacht, als Anfang 2016 der internationale, mit 100.000 Dollar dotierte Zayed-Preis für Erneuerbare Energien an eine Gruppe von Schülern aus Südbaden verliehen wurde. Die Preisverleihung fand in Abu Dhabi statt. Ausgezeichnet wurde sie für die Idee, mehrere Schüler-Projekte des SFZ standortübergreifend miteinander zu vernetzen und ein dezentrales, intelligentes Energienetz aufzubauen. Wir sprachen mit Geschäftsführer Tobias Beck über das Vorhaben.

Herr Beck, Gratulation zur Auszeichnung. Was steckt eigentlich hinter diesem großen Engagement des Schülerforschungszentrums?

Das SFZ beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit erneuerbaren Energien. Es ist für unsere Schülerinnen und Schüler viel mehr als nur ein Forschungsthema. Es ist wenn man so will ihre Zukunft. Kinder und Jugendliche stellen sich die Frage, wo es hingeht mit unserem Planeten. Daher beschäftigen sie sich besonders gern mit solchen Themen wie erneuerbare Energien oder Energiewende. Das sind Dinge, die den jungen Menschen am Herzen liegen. Wir fördern dies am Schülerforschungszentrum mit unterschiedlichen Schüler-Projekten, welche mit vielen ehrenamtlichen Helfern begleitet werden.

Sehen Sie, kaum einer glaubt, dass man mit zwei Stunden Training in der Woche Fußballweltmeister werden kann. Aber für Bereiche, wo die Zukunft unserer Wirtschaft und auch Gesellschaft abhängen, ist man davon überzeugt, die Schule wird´s schon richten. Nein, das ist aber nicht so: Es braucht definitiv die außerschulische Arbeit, um den Nachwuchs zu fördern und schon frühzeitig Interessen für technologische Themen sinnvoll weiterentwickeln zu können. Mit dem Schülerforschungszentrum gelingt es uns in Südwürttemberg an mehreren Standorten, diesen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, ihre Talente zu fördern.

Wofür genau wurde das Schülerforschungszentrum ausgezeichnet?

Der Zayed-Preis ist darauf ausgerichtet, gute Ideen auszuzeichnen und mit dem Preisgeld von 100.000 Dollar die Umsetzung dieser Ideen ein Stückweit zu ermöglichen. Das unterscheidet den Preis von anderen Würdigungen wie den Nobelpreis oder Leibnizpreis, wo bereits erbrachte Leistungen ausgezeichnet werden. Unsere Idee war es, mehrere Schülerinitiativen des SFZ zu vernetzen und so ein intelligentes Energienetz, gewissermaßen ein eigenes „Smart Grid“ aus verschiedenen Erzeugern und einer Speichertechnologie  aufzubauen. Basis dafür sind unsere laufenden Forschungsprojekte mit einem Windkraftwerk, einem Wasserkraftwerk, einem Projekt zur Speichertechnologie sowie einem Solarkraftwerk. Damit erfinden wir zwar das Rad nicht neu, aber wir machen das rein mit Schülerprojekten mit 15-Jährigen, 16-Jährigen – und diese Leistung ist entsprechend zu würdigen. Zudem stellen intelligente Energienetze noch keinen Standard dar im internationalen Energiesystem – insofern betreten wir hier gewissermaßen Neuland und schaffen Pioniersarbeit mit den jungen Menschen.

Welche Vorteile sehen Sie darin, Jugendliche intensiv in die Entwicklung von Ideen zur Unterstützung der Energiewende einzubeziehen?

Die Themen Nachhaltigkeit und Energiewende sind Bereiche, womit sich Kinder und Jugendliche wie selbstverständlich beschäftigen. Sie sind jung, sie sind diejenigen, die die Zukunft unseres Landes und Planeten prägen werden und alles, was langfristig wichtig ist interessiert sie automatisch. Auf unseren Projektlisten stehen Themen rund um die Energiewende und Nachhaltigkeit ganz oben. Und die Motivation ist umso größer, wenn sie gemeinsam an solchen Forschungsprojekten rund um erneuerbare Energien arbeiten können und dann auch noch einen internationalen Preis bekommen – das ist dann natürlich ein enormer Ansporn. Unsere Schülerinnen und Schüler steigen übrigens meistens ab der weiterführenden Schule ein: Zuerst sind es eher spielerische Projekte, um sich an die Hot Topics der Technik heranzutasten, die Umsetzung dieser Themen erfolgt meist ab Klasse 9 oder 10. Wer da dann intensiv bei uns weitermacht, ist sicherlich einer derjenigen, die sich nicht nur für den MINT-Breitensport interessieren, sondern für den Spitzensport alle Voraussetzungen mitbringen (Anmerkung d. Redaktion: MINT = Fächer der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik).

Wie und wann werden die geplanten Projekte nun realisiert?

Auf jeden Fall außerhalb der Schule. Es gibt schon mehrere Gruppen an  unterschiedlichen Standorten zusammen derzeit vielleicht etwa 20 mit einigen Betreuern. Diese Zahl wird jetzt natürlich wachsen. Das Tempo bestimmen die Schüler dabei selbst. Grundidee des SFZ ist es, die Plattform zu bieten, um Jugendlichen das Angebot zu unterbreiten, sich mit solchen Projekten im Team mit Fachleuten und Gleichgesinnten auszutauschen und zu angehenden Experten zu werden. Die Vernetzung von SFZ-Projekten ist Neuland für uns: Gemeinsam über mehrere Standorte hinweg etwas Neues zu schaffen wird eine große Herausforderung. Aber so ist das ja auch bei der Energiewende: Es gilt über den Tellerrand zu blicken und gemeinsam dezentrale vernetzte Lösungen der Zukunft zu entwickeln. Unser Projekt haben wir nun Student Research Grid genannt: Es spiegelt die Struktur der Energiewende wieder und bezieht Talente heute mit ein, die die Energiewende von Morgen mitentwickeln.

Werden einige dieser Schülerinnen und Schüler später auch beruflich in diese Richtung gehen?

Ja, das können wir sogar messen: Viele Kinder und Jugendliche haben aus ihrer Karriere im SFZ direkt ins Natur- oder Ingenieurwissenschaftliches Studium gewechselt, einige sind heute Entwicklungsleiter oder Professoren. Die Ursprungsidee des SFZ geht auf eine Initiative aus dem Jahr 1977 zurück, das SFZ, wie es heute existiert, wurde 2003 ins Leben gerufen. Mit unseren acht Standorten erreichen wir eine große Menge an Schülerinnen und Schülern, könnten aber ein noch größeres Potenzial ausschöpfen, wenn wir noch mehr personelle und finanzielle Ressourcen hätten. Das SFZ ist schließlich ein gemeinnütziger Verein, bei dem das Land, einige Kommunen,  Landkreise und viele Stiftungen und Unternehmen beteiligt sind.

Inwiefern nehmen Sie mit diesem Projekt direkten Einfluss auf die Energiewende in Deutschland?

Darauf zu antworten käme einem Orakel gleich. Wir hoffen, dass wir das tun. Wir machen mit unserer Idee das, was die Energiewende im Großen auch leistet: Initiativen aufgreifen und zum großen Ganzen zusammenbringen. Wir hoffen, dass wir unseren Teil beitragen können. Jedenfalls ist das ein Thema, was international enorm an Geschwindigkeit zulegt, das war bei der Preisverleihung in Abu Dhabi zu spüren: Wir können uns nicht auf unseren Energiewende-Ideen ausruhen. Länder wie China, Indien und Afrika nehmen atemberaubende Geschwindigkeit auf in der Entwicklung neuer Lösungen. Das Schöne an dem Zayed Preis ist, dass man in Kontakt mit vielen anderen Menschen kommt, die sich mit der gleichen Sache beschäftigten. 

Wie erfolgt die Finanzierung für die weitere Projektumsetzung?

Weitere Investoren wären super. Das SFZ ist eine außerschulische Plattform, die auf Spenden angewiesen ist. Unsere geplanten Projekte lassen sich mit den 100.000 Dollar nicht durchfinanzieren, daher haben wir begonnen, weitere Unterstützer zu suchen. Für das Wasserkraftwerk und das Windrad ist das schon gelungen, derzeit suchen wir noch für die Speicherlösung und die PV-Anlage weitere Investoren. Was wir versichern können: Sich hier einzubringen ist für eine doppelt sinnvolle Sache: Für die Nachwuchsförderung und die Energiewende.

Herr Beck, herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg für die weitere Projektarbeiten im SFZ.

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