Kosten erneuerbare Energien vs. Atomkraft

Aktuelle Debatte

Kostet der Ausbau der Erneuerbaren Energien unterm Strich weniger als der langfristige Betrieb von Kernkraftwerken?

Die von Jahr zu Jahr steigende EEG-Umlage treibt vor allem die Verbraucher auf die Barrikaden. Die Umlage für den Ausbau erneuerbarer Energien wird als größter Preistreiber für steigende Strompreise gesehen. 2014 stieg sie von 5,28 Cent im Jahr 2013 auf nun 6,24 Cent pro Kilowattstunde. So mancher wünscht sich da, die Energiewende würde nicht auf der eigenen Stromrechnung landen. Viele bekommen dadurch den Eindruck, dass erneuerbare Energien ohne Förderungen im freien Wettbewerb mit z.B. Atomstrom oder Kohle nicht überlebensfähig wären.

Der Strompreis ist jedoch nur ein Teil der Wahrheit: Konventionelle Energien kosten laut einer Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) deutlich mehr, als den Stromkunden direkt in Rechnung gestellt wird. Atomkraft und Kohle wurden über Jahrzehnte hinweg subventioniert – mit deutlich höheren Beträgen als derzeit für die Förderung von erneuerbaren Energien ausgegeben wird. Die Subventionen durch Steuervergünstigungen und Finanzhilfen tauchen jedoch nicht auf der Stromrechnung auf, sondern verstecken sich hinter Steuern und Abgaben.

Es ist deshalb durchaus eine Premiere: Beim Ausbau erneuerbarer Energien werden die Kosten einer Stromerzeugungsart das erste Mal sehr offen kommuniziert. Atomstrom wurde laut FÖS seit 1970 mit circa 190 Milliarden Euro gefördert, Strom aus erneuerbaren Energien dagegen nur mit etwa 85 Milliarden Euro.

Ein Faktenvergleich lohnt sich auch bei der Anschubfinanzierung, also wenn neue Stromerzeugungsarten auf den Markt gebracht werden. Nicht nur erneuerbare Energien, auch Atomenergie erhielt anfangs eine massive Anschubfinanzierung, die laut FÖS wesentlich höher lag als die Anschubfinanzierung für Erneuerbare Energien.

Sinnvoll ist es zudem, die gesamtwirtschaftlichen Folgekosten für unsere Gesellschaft zu betrachten. Wer zahlt für Endlagerung von Atommüll, Klimaschäden, Umweltverschmutzung oder nukleare Risiken? Auch Jahre nach dem Abschalten von Atomkraftwerken kommen Kosten auf die Gesellschaft zu, z.B. für die sichere Entsorgung von radioaktivem Atommüll oder auch für die Suche nach einem geeigneten Endlager. Kernkraftwerksbetreiber sind verpflichtet, Rückstellungen für einen späteren Abriss der Anlagen und die Endlagerung von Atommüll zu bilden, doch keiner weiß, ob diese ausreichen. Ein erhebliches Risiko stellt beispielsweise die Insolvenz eines Betreibers dar: Das Geld steht dann womöglich nicht mehr zur Verfügung. Langfristig haftet deshalb der Staatshaushalt; die gesellschaftlichen Folgen und Belastungen tragen Menschen und Umwelt. Wenn Folgekosten, Strompreis und staatliche Förderungen wie Finanzhilfen und Steuervergünstigungen zusammengefasst werden, sind erneuerbare Energien deshalb günstiger als konventionelle.

So auch eine aktuelle Studie des Denk- und Politiklabors Agora Energiewende: Neu errichtete Windenergie- und Photovoltaikanlagen könnten Strom demnach um bis zu 50 Prozent günstiger erzeugen als neue Atomkraftwerke. Auch eine verlässliche Stromversorgung durch Wind- und Solarenergie kombiniert mit Gaskraftwerken könnte um 20 Prozent günstiger sein als eine Stromversorgung, die auf Atomkraft basiert.

Allerdings stellt sich z.B. auch bei erneuerbaren Energien künftig die Frage nach dem Recycling der Technik. Einige Solarmodule enthalten zum Beispiel Silizium oder Cadmium. Die erste Generation der Solarmodule erreicht in den nächsten Jahren das Ende ihres Lebenszyklus von 25-30 Jahren. Solarpanels müssen wie alle Abfälle umweltverträglich entsorgt und dabei soweit möglich verwertet werden – was Geld kostet. Verfahren zum Recycling von Solarzellen werden derzeit erst entwickelt.
Zu diskutieren ist außerdem, wie der für die Energiewende nötige Netzausbau finanziert wird.

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Denken Sie, der Ausbau der Erneuerbaren Energien kostet weniger als der langfristige Betrieb von Atomkraftwerken? Dann stimmen Sie mit „ja“. Oder glauben Sie, der langfristige Betrieb von Kernkraftwerken ist günstiger? Dann stimmen Sie mit „nein“.

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Kommentare zu „Kosten erneuerbare Energien vs. Atomkraft”

    • 198.
    • von Wo bleibt die Vernunft ?
    • 23.01.2017 18:17

    Wirtschaftsmagazin "Capital" v. 18. Jan. 2017: "Windräder können wir nicht recyceln"

    "Die Energiewende erzeugt problematischen Müll. Der Abfallentsorger Remondis warnt vor Higtech-Müllhalden etwa durch Windräder. Von Monika Dunkel und Jenny von Zepelin

     

    Der führende deutsche Recyclingkonzern Remondis warnt vor großen Mengen an Hightech-Schrott durch die deutsche Energiewende, die nicht entsorgt werden können.

    „Da kommt ein [...]

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    • 197.
    • von Wo bleibt die Vernunft ?
    • 10.01.2017 21:08

    DIE WELT: WIRTSCHAFT - ZU VIEL WIND Für absurde Ökostrom-Vernichtung zahlt der Verbraucher

    https://www.welt.de/wirtschaft/article160691292/Fuer-absurde-Oekostrom-Vernichtung-zahlt-der-Verbraucher.html. Von Daniel Wetzel | Veröffentlicht am 30.12.2016

     

    Schöne Bescherung: Über die Feiertage mussten Verbraucher 20 Millionen Euro für die Entsorgung von überschüssigem Ökostrom bezahlen. Und im kommenden Jahr wird die Stromrechnung weiter [...]

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    • 196.
    • von Wo bleibt die Vernunft ?
    • 20.11.2016 19:59

    Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena: "Große Windparks bremsen den Wind und senken die Energieeffizienz"

    IDW - Informationsdienst Wissenschaft vom 14.11.2016 21:36 https://idw-online.de/de/news663200

     

    "Eine neue Studie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena, gerade erschienen in den Proceedings of the National Academy of Sciences, USA, senkt diese Erwartung für die großflächige Energiegewinnung mit Windparks [...]

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    • 195.
    • von Wo bleibt die Vernunft ?
    • 11.10.2016 18:27

    DIE WELT: "520.000.000.000 Euro So teuer wird nach Berechnungen des Instituts für Wettbewerbsökonomik die Energiewende"

    Von Daniel Wetzel, 10.10.2016

    https://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article158675031/520-000-000-000-Euro.html Zitat komplett:

    "Selten wurde ein Umweltminister so mit Hohn und Spott übergossen wie weiland Peter Altmaier (CDU): Vor drei Jahren erklärte der heutige Kanzleramtsminister, die Kosten der Energiewende könnten sich, wenn nichts [...]

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    • 194.
    • von Wo bleibt die Vernunft ?
    • 30.09.2016 20:48

    Deutsche Wirtschafts Nachrichten: EU-Gericht: Subventionen für Atomkraftwerke sind zulässig

    Veröffentlicht: 30.09.16: deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/09/30/eu-gericht-subvention-fuer-atomkraftwerke-sind-zulaessig/ Vollständiges Zitat:

     

    „Das Gericht der Europäischen Union hat eine [Klage] gegen die Subventionen für das britische Atomkraftwerk Hinkley Point abgewiesen. Das Urteil könnte für einen neuen Boom bei der Kernenergie [...]

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    • 193.
    • von Wo bleibt die Vernunft ?
    • 22.09.2016 21:47

    Spiegel Online: Energiewende - Kein Anschluss unter dieser Merkel

    Wie kommt der von der Bundesregierung geförderte Ökostrom in die Steckdose? Von 6100 Kilometern Kabel sind gerade mal sechs verlegt. Den Erzeugern kann es egal sein: Sie kassieren selbst dann, wenn kein Strom fließt.

    Ein Kommentar von Alexander Neubacher, Mittwoch, 08.06.2016 ( vollständiges Zitat:)

     

    "Als die Schildbürger bemerkten, dass sie [...]

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    • 192.
    • von Wo bleibt die Vernunft ?
    • 08.08.2016 20:16

    DIE WELT v. 05.08.16: "DONG ENERGY - Windmüller schreibt weiter Verluste"

    DIE WELT - Wirtschaft Kompakt Seite 10 ( Zitat komplett ):

     

    "Trotz eines erfolgreichen Börsengangs im Juni schreibt der weltgrößte (!!!) Betreiber von Windparks auf See (!!!), Dong Energy aus Dänemark, weiter rote Zahlen. Im zweiten Quartal dieses Jahres lag das Minus bei 1,86 Mrd. Kronen ( 250 Millionen Euro ), wie das Unternehmen mitteilte. Ein [...]

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    • 191.
    • von Wo bleibt die Vernunft ?
    • 27.07.2016 22:08

    "China stoppt den Ausbau weiterer Windenergie, aus Furcht vor Blackouts". Erschienen auf The Daily Caller am 21.07.2016

    Chinas Regierung hat am Donnerstag (21.07.16) bekannt gegeben, dass es die Produktion von neuen Windenergieanlagen in fünf Provinzen stillgelegt hat, da diese schwere Schäden am Stromnetz verursachen. Von ANDREW FOLLETT

     

    China schließt speziell den Ausbau in den windigsten Regionen des Landes, weil rund 26 Prozent der Windenergie im Jahr 2016 [...]

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    • 190.
    • von Wo bleibt die Vernunft ?
    • 17.07.2016 20:27

    "Großbritannien will die globale Energiewende kippen" : Deutsche Wirtschafts Nachrichten v. 17.07.2016

    deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/07/17/grossbritannien-will-die-globale-energiewende-kippen/ Zitat auszugsweise:

     

    "Die neue Premierministerin Theresa May schafft das Ministerium für Klimawandel ab. Die Zusammenlegung mit dem Energie-Ressort dürfte eine Abkehr der Briten vom Klimaschutz bedeuten. Setzt sich diese Position global [...]

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    • 189.
    • von Wo bleibt die Vernunft ?
    • 25.06.2016 16:52

    DIE WELT v. 21.06.2016: Energiewende - Die absurden Auswüchse des Klimaschutzes. Greenpeace enthüllt in einer Studie, was das Weltklima-Abkommen von Paris für die Menschen bedeutet....

    ... Wird es umgesetzt, wird Deutschland schon in wenigen Jahren nicht mehr wiederzuerkennen sein. Von Daniel Wetzel (http://www.welt.de/156381085 ), Zitat auszugweise:

     

    "Als sich im Dezember vergangenen Jahres die Vertreter von 195 Staaten in Paris auf ein neues Weltklima-Abkommen einigten, war der Jubel groß. Viele Umweltpolitiker hatten Tränen [...]

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Weiteres zur Debatte

Netzintegration erneuerbarer Energien

Bundesumweltministerium


Recycling von Photovoltaik-Modulen

Ausführliche Informationen von BINE


Rückbau und Entsorgung von Atomkraft

Serie des Deutschlandfunk


Energie und Umweltbilanz der Solarenergie

Bericht der ETH Zürich


Forschung senkt Kosten der Energiewende

Stellungnahme des FVEE


Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS)

Vergleich zwischen konventionellen und regenerativen Energien


Studie von Agora Energiewende

Vergleich von Kosten CO2-freier Stromerzeugung in Europa

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