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Folge 2: Konventionelle Kraftwerke

Serie Versorgungssicherheit (Folge 2)

Neue Rolle für konventionelle Kraftwerke

  • Rheinhafen-Dampfkraftwerk Karlsruhe

    Rheinhafen-Dampfkraftwerk Karlsruhe
    Quelle: ENBW/ Bernd Franck

Heute erzeugen konventionelle Kraftwerke den Löwenanteil des deutschen Strombedarfs. In Zukunft springen sie nur noch ein, wenn die Erneuerbaren den Bedarf nicht decken können. Anders gesagt: Um die Versorgungssicherheit künftig zu gewährleisten, müssen konventionelle Kraftwerke einen Funktionswandel durchmachen. Wir erklären, warum.

Im ersten Teil unserer Serie zur Versorgungssicherheit haben wir die Aufgabe der erneuerbaren Energien beschrieben. Klar ist: Je höher ihr Anteil an der Stromversorgung, desto geringer ist der Bedarf an Strom aus konventionellen Kraftwerken an der Grundversorgung. Das heißt allerdings nicht, dass wir sie in Zukunft nicht mehr benötigen – im Gegenteil: Sie müssen in Zukunft flexibel zugeschaltet werden können, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht bläst.

Bedarf an effizienten und flexiblen Kraftwerken steigt

Konventionelle Kraftwerke sind aktuell zumeist noch Kohle-, Atom- und Ölkraftwerke. Diese haben allerdings gemeinsam, dass sie nicht flexibel genug sind, um kurzfristig zu- und abgeschaltet werden zu können. Gerade das ist aber notwendig, wenn die Versorgung durch die Erneuerbaren nicht ausreicht. Die Lösung: Aufwändige und unflexible Kraftwerke müssen hocheffizienten und flexiblen Technologien weichen.
Dazu bietet das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), also der gleichzeitigen Erzeugung von Wärme und Strom, die besten Möglichkeiten. Zu den ausgereiften Technologien gehören zuvorderst Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke, kurz GuD-Kraftwerke. Sie haben einen enorm hohen Wirkungsgrad von über 60 Prozent, da sie die Prinzipien eines Gasturbinenkraftwerks und die eines Dampfkraftwerks in einem mehrstufigen Kraftwerksprozess nutzen, sprich: Die Abgase des Dampfkraftwerks treiben die Gasturbine an.

Veränderungen am Markt

Doch damit sich die Investition in und der Betrieb von konventionellen Kraftwerken überhaupt lohnen, muss der Energiemarkt angepasst werden. Da Strom aus erneuerbaren Quellen durch den Einspeisevorrang den Vorzug vor Energie aus konventionellen Kraftwerken bekommt und darüber hinaus an der Börse deutlich kostengünstiger ist, reduziert sich die Dauer, in der konventionelle Kraftwerke Strom einspeisen, deutlich. Die Folge: Die Kraftwerke werden zusehends unrentabel. Nicht umsonst denken viele Energieerzeuger aus diesem Grund über die Abschaltung von Kraftwerken nach. Auch wenn dies ohne Zustimmung der politischen Entscheider nicht möglich ist: Der Energiemarkt benötigt eine grundlegende Änderung, wenn Investitionen in neue konventionelle Kraftwerke sich lohnen sollen.


Ein aktueller Vorschlag dazu ist, nicht nur den Strom selbst zu vergüten, sondern auch die Bereitstellung der Kapazitäten, mit denen der Strombedarf gedeckt werden kann. Ein Konstruktionsfehler des aktuellen Energiemarktdesigns („Energy-only-Markt“) ist nämlich, dass nur die reine Herstellung von Strom, aber nicht die Gewährleistung von Versorgungssicherheit vergütet wird. Dafür sollen Aufträge zu festen Konditionen für bestimmte Kapazitäten (Erzeugung, Speicher und steuerbarer Stromverbauch) in klar definierten Zeiträumen vergeben werden. Den Zuschlag bekommt dann, wer das günstigste Angebot macht. Dabei müssen die Anbieter bestimmte Anforderungen an Effizienz, Emissionen, Flexibilität und Verfügbarkeit erfüllen. Dadurch würde ein so genannter Kapazitätsmarkt entstehen, der den Wettbewerb stärkt, auch den Betrieb konventioneller Kraftwerke wieder rentabel macht und damit einen wichtigen Bestandteil zur Versorgungssicherheit von morgen leistet.


Wie wichtig dieser Bestandteil ist und in Zukunft bleiben wird, hängt auch davon ab, wie hoch der jeweilige Anteil erneuerbarer Energien am Strommix sein wird und welche Rolle künftig Netze, flexible Lasten (steuerbarer Stromverbrauch) und mittel-  bis langfristig vor allem kosteneffiziente Speichertechnologien spielen. Schließlich wirken im Energiesystem der Zukunft alle Bestandteile zusammen.

Mehr über moderne Speichertechnologien und ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit lesen Sie in Folge 3 unserer Serie.


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