Interview: Ein guter Anfang

Interview

Ein guter Anfang

  • Pressebild des Ministers für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Franz Untersteller

Die Energiewende ist das große Ziel. Der Weg dorthin wird im Integrierten Energie- und Klimakonzept beschrieben, das die Landesregierung nach einer frühzeitigen, weitreichenden und ergebnisoffenen Beteiligung der Öffentlichkeit im Juli 2014 beschlossen hat. Einer der Architekten ist Franz Untersteller. Der Umweltminister spricht im Interview über die Meilensteine, die Potenziale in Baden-Württemberg und darüber, warum jeder im Land die Energiewende mitgestaltet.

Herr Untersteller, brauchen wir eigentlich eine Energiewende? Reicht es nicht, Strom zu sparen? 
Strom sparen ist ein Aspekt. Aber wir müssen grundsätzlich umdenken. Der Atomausstieg ist aus guten Gründen beschlossene Sache. Für die dadurch in Baden-Württemberg wegfallenden knapp 40 Prozent an Energieerzeugung brauchen wir Alternativen. Nur so können wir die Versorgungssicherheit gewährleisten. Außerdem spielt auch der Klimaschutz eine wichtige Rolle. 

Worum geht es bei der Energiewende denn genau? 
In der Hauptsache geht es darum, konventionelle Ressourcen wie Atomkraft und Kohle durch erneuerbare Energiequellen zu ersetzen. Damit es dabei nicht zu Engpässen kommt, brauchen wir neue Hochspannungsleitungen und Speicher, die leistungsfähiger sind als die, die wir derzeit haben. Und wir brauchen Netze, die intelligent auf Angebot und Nachfrage von Strom reagieren.  

Betrifft die Energiewende am Ende also doch nur den Strom? 
Nein, auch der Wärmebereich ist betroffen. Noch immer gibt es zu viele Gebäude, die kaum isoliert sind. Hier geht viel Energie verloren. Zudem müssen wir lernen, unsere Energie effizienter zu nutzen.  

Und das bezahlt am Ende alles der Bürger? 
Die Energiewende ist nicht umsonst zu haben, das stimmt. Intelligente Netze und bessere Speicher kosten viel Geld. Tatsache ist aber auch: Bereits 2030 wird erneuerbare Energie für jeden Bürger günstiger zu haben sein als konventionelle. Der Grund ist denkbar einfach: Sonne, Wind und Wasser stehen uns unendlich und kostenlos zur Verfügung. 

Ökologie und Ökonomie sind also kein Widerspruch?
Im Gegenteil: Wirtschaften zu Lasten der Umwelt ist ein Auslaufmodell. Die Zukunft gehört Unternehmen, die ihren Erfolg nicht auf Kosten, sondern zu Gunsten der Umwelt begründen. Das haben wir verstanden und entsprechend gehandelt. Die Energiewende wird ganz sicher ein Gewinn für uns alle, zumal hier auch neue Arbeitsplätze entstehen werden. 

Also wird die Wende ein Selbstläufer? 
Selbstverständlich nicht. Unternehmen, Kommunen, Bürgerinnen und Bürger – einfach alle sind dazu aufgerufen, ihren Teil zur Energiewende beizutragen. Nur so ist das zu schaffen, wenn alle mitmachen. Bis 2050 haben wir uns drei Ziele gesteckt: 50 Prozent weniger Energieverbrauch als im Jahr 2010, 80 Prozent erneuerbare Energien und 90 Prozent weniger Treibhausgasemissionen. 

http://energiewende.baden-wuerttemberg.de/de/wissen/energiewende-ziele-50-80-90/interview-umweltminister/