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F.A.Q.

FAQ

Elf Fragen zur Energiewende

Baden-Württemberg ist mit voller Kraft auf dem Weg zur Energiewende. Damit diese ein Erfolg wird, muss die Politik in engen Dialog mit der Bevölkerung treten – schließlich werfen große Infrastrukturprojekte vor Ort eine Menge Fragen auf. Die wichtigsten davon werden Ihnen im Folgenden beantwortet.

1. Warum brauchen wir die Energiewende?

  • Im Juli 2011 wurde der beschleunigte Atomausstieg in Deutschland beschlossen. In Baden-Württemberg werden derzeit noch knapp 33 Prozent des Stroms aus Kernenergie gewonnen, weshalb unser Land davon besonders betroffen ist. Die Landesregierung unterstützt den Ausstieg aus der Kernenergie und trägt durch das Schaffen der entsprechenden Rahmenbedingungen dazu bei, dass das Abschalten aller Atomkraftwerke die Versorgungssicherheit im Land nicht gefährdet.

    Durch den Ausbau erneuerbarer Energien sinken zudem die Rohstoffimporte des Landes. Baden-Württemberg wird so unabhängiger von steigenden Preisen auf dem Weltmarkt.

    Der Klimawandel stellt eine massive Bedrohung unserer Lebensgrundlagen dar - die Folgen für Mensch und Natur sind dabei nicht in vollem Maße absehbar. Als eines der wirtschaftlich stärksten Bundesländer trägt Baden-Württemberg zum Ausstoß von Treibhausgasen in die Erdatmosphäre bei, zum Beispiel durch seine Industrie. Um den Klimawandel zu bremsen, muss der Ausstoß von Treibhausgasen weltweit deutlich gesenkt werden – also auch in Baden-Württemberg.

2. Was sind die Meilensteine?

  • Baden-Württemberg soll im Jahr 2020 rund 38 Prozent der Bruttostromerzeugung aus erneuerbaren Energien gewinnen.

    Langfristig wird die Energieversorgung in Baden-Württemberg von Grund auf umstrukturiert werden. Ziel ist es, den Ausstoß von CO2 drastisch reduzieren und gleichzeitig eine zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung zu gewährleisten.

    Bis 2050 soll der Energieverbrauch um 50 Prozent gesenkt (bezogen auf das Basisjahr 2010), der Anteil erneuerbarer Energien auf 80 Prozent erhöht und der Ausstoß von CO2 im Vergleich zu 1990 um 90 Prozent gesenkt werden.

3. Was sind die Maßnahmen?

  • Das Klimaschutzgesetz des Landes dient als umfassende gesetzliche Planungsgrundlage. Dort ist festgelegt, wie stark die CO2-Emissionen in Baden-Württemberg bis wann reduziert werden sollen. Mit den folgenden Maßnahmen will die Landesregierung diese Ziele erreichen:

    Ausbau der erneuerbaren Energien
    Bei der Umstellung der Stromerzeugung auf erneuerbare Energien bietet in Baden-Württemberg insbesondere die Windkraft großes Potential. Durch die Veröffentlichung von Planungskarten für Windenergieanlagen wird ein Überblick über potentiell geeignete Windkraftstandorte gegeben. Weitere Voraussetzungen für den Ausbau wurden mit dem neuen Landesplanungsgesetz und dem Windenergieerlass geschaffen. Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil des Stroms aus Windenergie weiter ausgebaut werden. Das Land ist hier auf einem guten Weg! So drehten sich im Land am Jahresende 2016 Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt mehr als 1 Gigawatt.Insgesamt sind weitere 209 Windkraftanlagen mit einer Leistung von fast 650 Megawatt bereits genehmigt, die aktuell noch nicht in Betrieb sind. Weitere 173 Anlagen mit über 500 Megawatt befinden sich zum Zeitpunkt Anfang 2017 im laufenden Verfahren.

    Ressourceneffizienz und Umwelttechnik vorantreiben
    
Ein effizienter Umgang mit den Ressourcen ist nicht allein unter ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll. Er kann zudem einen Beitrag leisten, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu sichern. Zugleich ist die Umwelttechnologie eine Wachstumsbranche und wird daher in den kommenden Jahren ein wichtiger Wirtschaftsfaktor werden.

Um innovative Unternehmen zu fördern und den Standort Baden-Württemberg zu stärken, unterstützt die Landesregierung im Rahmen des Wettbewerbs "ReTech-BW" Investitionen in neue, ressourcenschonende Produktionstechniken.

    Bürgerbeteiligung
    Die Landesregierung baut auf die Ideen, Maßnahmen und Projekte, aber auch das Engagement der Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg. Um diese bei Fragen zu Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und Fördermöglichkeiten zu beraten, wurden die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) sowie die regionalen Energieagenturen gegründet.

4. Wie kann ich mitmachen?

  • Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien ist die Reduzierung der Gesamtmenge an verbrauchter Energie ein zentrales Ziel der Energiewende: Jede und jeder einzelne kann daher durch bewussten und sparsamen Umgang mit Energie einen Beitrag leisten.

    Beispiel Strom: Bereits beim Kauf von Elektrogeräten sollte man auf den Stromverbrauch achten und möglichst Geräte der Energiesparklasse A+++ nutzen. Für die tägliche Verwendung empfiehlt sich eine abschaltbare Steckerleiste, um überflüssigen Stromverbrauch von Geräten im Stand-by-Modus zu verhindern.

    Beispiel Heizkosten: Eigenheimbesitzer können durch Investitionen in Wärmedämmung oder eine neue Heizungsanlage hohe Einsparungen erzielen. Auch eine Solaranlage zur Warmwassererzeugung kann sich lohnen.

    Darüber hinaus gibt es über Bürgerenergieanlagen und Energiegenossenschaften die Möglichkeit, selbst zum Stromproduzenten zu werden – und so gleichzeitig von der staatlichen Einspeisevergütung für erneuerbare Energien zu profitieren.

    Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Energiewende mitzugestalten. Ein großes Vorhaben wie die Energiewende gelingt nicht allein durch Großvorhaben: Ebenso wichtig sind viele kleine Schritte.

5. Wie vorbildlich sind die Landesgebäude beim Klimaschutz?

  • Die Landesregierung treibt unter anderem die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude voran. Seit dem Jahr 2011 wurden bereits über 500 energetische Sanierungsmaßnahmen an Landesgebäuden in Baden-Württemberg durchgeführt. Durch diese Maßnahmen werden rund 45.000 Tonnen CO2-Emissionen eingespart. 

    Entscheidend für die erfolgreiche energetische Sanierung der über 8.000 Landesgebäude ist ein systematisches und strukturiertes Vorgehen. Hierzu hat der Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg ein umfassendes Energie- und Klimaschutzkonzept für landeseigene Liegenschaften entwickelt. Die Umsetzung dieses Konzepts wurde von der Landesregierung am 11. Dezember 2012 beschlossen. Mit den darin enthaltenen Maßnahmen sollen die durch Landesgebäude verursachten CO2-Emissionen gegenüber dem Ausgangswert im Jahr 1990 bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent und bis zum Jahr 2030 um 60 Prozent reduziert werden. Dies entspricht nur noch einer CO2-Emission von rund 266.000 Tonnen CO2 im Jahr 2030. Das Spektrum der Maßnahmen reicht von der Errichtung von energieeffizienten Neubauten, der Verstärkung der energetischen Sanierung, über die Nutzung erneuerbarer Energien und die Beschaffung von Ökostrom bis hin zur Optimierung des Gebäudebetriebs.

6. Wer entscheidet über große Bauprojekte?

  • Damit die Energieversorgung auch in Zukunft gewährleistet bleibt, muss unsere Infrastruktur angepasst werden. Darum engagiert sich die Landesregierung neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien auch für den Ausbau und die Ertüchtigung der Versorgungsnetze. Dabei werden Bürgerinnen und Bürger über Beteiligungsverfahren und Konsultationen sowie im Rahmen lokaler Dialogveranstaltungen in den Entscheidungsprozess miteinbezogen.

7. Ist die Energieversorgung sicher?

  • Die Versorgungssicherheit weiter zu garantieren hat für die Landesregierung bei der Umsetzung aller Maßnahmen Priorität. Weil die Stromerzeugung mit Windenergie- und Solaranlagen stets vom Wetter abhängt, sind auch intelligente Stromnetze und -speicher ein wichtiger Faktor für die Versorgungssicherheit. Pumpspeicherkraftwerke oder Erdgasspeicher können Energie zwischenspeichern, um die Stromversorgung in Phasen niedriger Produktion weiter zu gewährleisten.

    Erforschung und Ausbau neuer Netz- und Speichertechnologien tragen langfristig dazu bei, Stromerzeugung und -bedarf besser zur Deckung zu bringen.

8. Ist die Energiewende ein großes Wagnis?

  • In der Tat stellt die Energiewende eine große Herausforderung dar: Wind-und Solarkraftwerke müssen gebaut, das Stromnetz erweitert und neue Technologien erforscht werden.

    Doch gerade weil es viel zu tun gibt, bietet die Energiewende großes wirtschaftliches Potential. Die Umstellung der Energieversorgung und die Entwicklung effizienter Technologien ist eine einzigartige Chance für unser Land, um zum Beispiel durch neue Technologien und neue Arbeitsplätze auch wirtschaftlich von der Energiewende zu profitieren und im globalen Wettbewerb zu bestehen.

9. Was ist mit Deutschland und der EU?

  • Zum einen ist die Energiewende auch ein Thema des Klimaschutzes, der eine globale Herausforderung darstellt. Deshalb ist es wichtig, auch auf europäischer Ebene zusammenzuarbeiten. Wegweisend in diesem Zusammenhang sind die europäischen Klima- und Energieziele, die den politischen Rahmen in allen EU-Mitgliedstaaten setzen. Beim Europäischen Rat in Brüssel im Oktober 2014 haben sich die Mitgliedsstaaten nach mehrmonatigen Verhandlungen auf einen EU-Klima- und Energierahmen bis 2030 verständigt. Hauptelemente der Beschlüsse sind ein verbindliches Ziel für EU-interne Minderungen von Treibhausgasemissionen von mindestens 40 % gegenüber 1990, ein verbindliches EU-Ziel für einen Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch von mindestens 27 % und ein indikatives Energieeffizienzziel in Höhe von mindestens 27 % Energieeinsparungen. Das Energieeffizienzziel soll zudem bis 2020 überprüft werden, mit der Option, es auf 30 % anzuheben. Bei ihrem Treffen im November 2015 nahmen die EU-Energieminister schließlich wichtige Schlussfolgerungen zur so genannten Governance der Energieunion an. Damit wird die Umsetzung der EU-Klima- und Energieziele für das Jahr 203 sichergestellt. 

    Zum anderen ist es wichtig, dass sich die Bundesländer untereinander, darüber hinaus aber auch mit der Bundesregierung über verschiedene Fragen der Energiewende verständigen. Wichtige gesetzliche Vorschriften werden auf der Bundesebene erlassen, wie z.B. das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder Regelungen zum bundesweiten Netzausbau. Hier besteht für die Bundesländer in verschiedenen Fachgremien und Arbeitsgruppen die Möglichkeit, sich für das Voranbringen der Energiewende einzusetzen.

10. Ist die Energiewende unumgänglich?

  • Die weltweit immer weiter steigende Nachfrage nach Energie, die gleichzeitig immer knapperen Reserven an fossilen Energieträgern wie Öl und Gas und der damit verbundene Anstieg der Energiepreise sowie der bundesdeutsche Ausstieg aus der Atomenergie machen die Energiewende und den Umstieg auf erneuerbare Energien zur einzig sinnvollen Alternative. Darüber hinaus lässt sich nur so der Klimawandel auf ein halbwegs erträgliches Maß begrenzen.

11. Wo bekomme ich mehr Informationen?

  • Die Informationskampagne „Zukunft Altbau“ des Umweltministeriums sowie die regionalen Energieagenturen beraten Mieter, Hausbesitzer und Unternehmen in Sachen Energieeffizienz. Sie helfen außerdem beim Planen und Realisieren von Energieanlagen wie Biogas- oder Solarthermieanlagen und sind für die Energiewende kompetenter Ansprechpartner vor Ort. Eine Übersicht aller Energieagenturen in Baden-Württemberg finden Sie hier.

    Interviews, Studien, Energiespartipps und weitere Informationen zu Umwelt, Energie, Klima und Energiewirtschaft in Baden-Württemberg erhalten Sie auf den Internetseiten des Umweltministeriums Baden-Württemberg unter www.um.baden-wuerttemberg.de.


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