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Stichwort zur Energiewende: Hochspannungsnetze

Aktuelles Stichwort

Was sind eigentlich … Hochspannungsnetze?

  • Quelle: TransnetBW und TenneT TSO

An Deutschlands Küsten steht inzwischen eine Vielzahl von On- und Offshore-Windkraftanlagen. Sie produzieren weit mehr Strom als der Norden braucht. Über Stromautobahnen soll dieser in wenigen Jahren auch nach Baden-Württemberg fließen. Welche Varianten es dazu gibt, welche Herausforderungen es zu meistern gilt und warum der Netzausbau nötig ist, lesen Sie hier.

In Deutschland und damit auch in Baden-Württemberg wird immer mehr grüner Strom produziert. 2017 wird bereits über ein Drittel des Verbrauchs aus regenerativen Quellen stammen. 2050 sollen sie 80 Prozent unserer Stromversorgung abdecken. Doch: Sonnen- und Windkraft schwanken stark und stellen damit unser Energiesystem und seine Stabilität auf eine harte Probe. Wenn es etwa an der Küste stürmt, setzt der erzeugte Windstrom die heutigen Leitungssysteme unter Druck. Weil in solchen Fällen zu viel Windstrom produziert wird, müssen dort die Windenergieanlagen heruntergefahren werden. Denn die überschüssige Energie kann bislang nicht gespeichert werden, sondern fließt direkt ins Netz, diesem würde eine Überlastung drohen. Außerdem sind bei Stürmen technische Schäden möglich, so könnten etwa die Rotoren der Windkraftanlagen Schaden nehmen, die flexiblen Flügel mit den Masten kollidieren. Eine Abschaltung der Windkraftanlagen verursacht jedoch Kosten. Nicht zuletzt, weil die EEG-Umlage auch für den dann nicht produzierten Strom weitergezahlt wird.

Zusätzlich kommen im Süden Deutschlands derzeit Reservekraftwerke zum Einsatz, um ihrerseits das Netz zu stabilisieren und Engpässe zu vermeiden. Das bringt weitere Ausgaben mit sich: Rund eine Milliarde Euro dieser sogenannten Redispatch Kosten sind es bereits Jahr für Jahr. Und diese Beträge könnten sich vervielfachen, wenn 2022 die letzten Atomkraftwerke wie beschlossen vom Netz gegangen sind. Durch deren Wegfall müssen Baden-Württemberg oder Bayern mindestens ein Drittel des Jahresverbrauchs an Strom auf anderem Wege decken. Der Ausweg: Stromtrassen, die die Energie vom Norden direkt in den Süden transportieren – ein wichtiger und notwendiger Schritt zur Absicherung gegen Blackouts und für die Versorgungssicherheit auch in Baden-Württemberg. 

Planung nimmt Fahrt auf

Drei nationale Nord-Süd-Verbindungen sollen bis zum Jahr 2025 entstehen. Nach langen Debatten über das Für, Wider und Wie nimmt das Mammutprojekt nun Fahrt auf. Bereits seit Längerem betreiben die Netzbetreiber Amprion und TransnetBW einen öffentlichen Dialog für den Korridor A. Diese westlichste der drei Trassen – das im südlichen Abschnitt sogenannte Ultranet – soll als Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ) vom nordrhein-westfälischen Osterath ins baden-württembergische Philippsburg auf bereits bestehenden Freileitungsmasten führen. Auch für die anderen beiden Trassen, „SuedLink“ und „SuedOstLink“ liegen bereits Vorschläge zum Leitungsverlauf vor.

SuedLink besteht aus zwei Verbindungen, von Wilster in Schleswig-Holstein in den Raum Grafenrheinfeld in Bayern und von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Großgartach (Leingarten) in Baden-Württemberg. Die beiden Übertragungsnetzbetreiber TenneT und TransnetBW planen und bauen die Trasse gemeinsam. Im Auftrag dieser beiden Betreiber hat die Arbeitsgemeinschaft SuedLink, in der sich mehrere namhafte Planungsbüros zusammengeschlossen haben, erste Vorschläge für Trassenkorridore entwickelt. Weitere Infos dazu gibt es auf der Seite von TransnetBW.

Der transparente Dialog mit den Menschen vor Ort ist der nächste wichtige Schritt, damit es mit der Netzplanung vorangehen und der Bau zeitnah beginnen kann. In Baden-Württemberg, wo SuedLink zu etwa 100 Kilometern durch vier Landkreise verläuft, gab es dazu im Oktober 2016 schon Bürgerveranstaltungen in Leingarten, Möckmühl, Grünsfeld und Bad Mergentheim. Netzbetreiber TransnetBW stellte interessierten Bürgerinnen und Bürgern seine Vorstellungen über den Trassenverlauf vor. Beim Auftakt in Leingarten lud Umweltminister Franz Untersteller die Anwesenden ein, sich engagiert und sachorientiert in die Diskussion um den Trassenverlauf einzubringen. Ergänzend fand zu allen vier Terminen eine Fachveranstaltung zu den Themen Bodenschutz und Landwirtschaft statt. Darüber hinaus besteht für Interessierte die Möglichkeit, in dieser ersten Beteiligungsphase bis 29. November 2016 online Hinweise zur Optimierung der Korridore zu geben.

Im anschließenden Bundesfachplanungsverfahren und im Planfeststellungsverfahren, wo schließlich der genaue Trassenverlauf verbindlich festgelegt wird, bestehen für Bürgerinnen und Bürger ebenfalls Beteiligungs- und Mitsprachemöglichkeiten.

Zeitgleich entsteht der rund 580 Kilometer lange SuedOstLink. Er ist als Gleichstrom-Leitung zwischen den Netzverknüpfungspunkten Wolmirstedt bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt und dem Endpunkt Isar bei Landshut in Bayern geplant. Hier ist neben TenneT der Netzbetreiber 50Hertz verantwortlich.

Erdkabel erhält Vorzug

Eine der wichtigsten Fragen neben dem endgültigen Verlauf war lange Zeit, ob man Freileitungen mit entsprechenden Hochspannungsmasten oder einer unterirdischen Erdkabeltrasse den Vorzug geben soll. Nachdem die Kritiker von Überlandleitungen unter anderem angeführt haben, dass deren Anblick das Landschaftsbild zu sehr verändert, wurde inzwischen der Vorrang für Erdkabel im sogenannten Erdkabelgesetz festgeschrieben. Es gibt unterirdischen Verbindungen bei HGÜ-Projekten den Vorrang vor Freileitungen. Dies bedeutet, dass die in ca. 1,5 Meter Tiefe verlaufenden, unterirdisch verlegten SuedLink-Kabel nach Abschluss der Arbeiten weitgehend unsichtbar sein werden. So sind sogar die Schneisen, die in Wäldern entstehen, nicht so breit, wie sie für die hohen Freileitungsmasten notwendig wären: Während die Erdkabelschneise etwa 25 Meter ausmacht, wären für Überlandleitungen 75 Meter erforderlich. Das Gesetz will damit der Forderung vieler Anwohner und Initiativen Rechnung tragen, die sich gegen Hochmasten ausgesprochen hatten. Allerdings sind Freileitungen je nach Gegebenheiten vor Ort, etwa bei der Querung felsigen oder moorigen Geländes oder bei entsprechender kommunaler Entscheidung, nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Umwelt- und Naturschutzverbände haben die Entscheidung für den Vorrang des Erdkabels in einer gemeinsamen Stellungnahme begrüßt. Denn trotz drei- bis vierfach höherer Kosten – das Verlegen der Leitung ist technisch deutlich aufwendiger und zudem sind schwierige Unterquerungen, zum Beispiel unter der Elbe, notwendig – ist mit der Entscheidung der Grundstein gelegt, um das deutsche Energienetz zügig ausbauen und erneuerbare Energien dabei verstärkt integrieren zu können. Die höheren Kosten relativieren sich übrigens, angesichts der zuvor genannten jährlichen Milliardenkosten für den Redispatch -Einsatz der Reservekraftwerke, die im ungünstigsten Fall sogar weiter steigen könnten. Denn die gesetzlich geregelte Abschaltung der letzten Atomkraftwerke bis zum Jahresende 2022 bringt weitere Herausforderungen für einen sicheren Netzbetrieb mit sich – und Ausgaben. Umso wichtiger ist es, dass die Pläne für den Netzausbau und die nötige Infrastruktur möglichst zügig umgesetzt werden. Nach aktuellen Plänen soll SuedLink ab 2025 Baden-Württemberg mit Strom versorgen.


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