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Voraussetzungen der Energiewende

Standort

Was Baden-Württemberg braucht

Bevölkerung, Landschaft, Wirtschaft – jedes Bundesland hat seine Besonderheiten. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse müssen auch im Zusammenhang mit der Energiewende Berücksichtigung finden. Wir werfen einen Blick auf die speziellen Anforderungen an die Energiewende in Baden-Württemberg. 

Die Energiewende ist ein großes Generationenprojekt. Sie ist gewünscht und der Atomausstieg seit mehreren Jahren beschlossen. Es gilt, den Umbau des Energiesystems sowohl im Kleinen vor jeder Haustür als auch mit Blick auf das große Ganze umzusetzen. Schließlich soll der Umstieg auf Strom- und Wärmeerzeugung aus Erneuerbaren in ganz Deutschland funktionieren – in enger Verzahnung mit den europäischen Nachbarn. Doch die Energiewende kann nur gelingen, wenn Besonderheiten der einzelnen Regionen und Bundesländer bekannt sind und wenn auf sie im Sinne aller bei der Umsetzung Rücksicht genommen wird. 

Der Sonne sei Dank, volle Windkraft voraus

Mit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) begann bereits im Jahr 2000 die Erschließung regenerativer Quellen. Innerhalb von 15 Jahren vervielfachte sich ihr Anteil an der deutschen Bruttostromerzeugung auf mittlerweile 32,6 Prozent (in Baden-Württemberg lag der Anteil im Jahr 2015 bei 23,3 %). Baden-Württemberg hat in dieser Zeit in erster Linie auf die Kraft des Wassers (6,8 Prozent der Bruttostromerzeugung) und der Sonne (8,2 Prozent) gesetzt. 

Im Bereich Windenergie jedoch gibt es zwischen Odenwald, Alb und Schwarzwald großen Nachholbedarf. Zwar herrschen an küstennahen Standorten im Hinblick auf die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten zweifellos günstigere Verhältnisse für die Windenergienutzung als in weiten Teilen von Baden-Württemberg. Gleichwohl besteht auch hier im Land Potenzial an Flächen und Standorten für Windenergieanlagen, welche im Energieatlas Baden-Württemberg eingetragen sind. Die Ausbauzahlen des Jahres 2015 zeigen, dass Baden-Württemberg auf einem guten Weg ist, dieses Potenzial in den nächsten Jahren auszuschöpfen.

Zur Wirtschaftlichkeit der Windenergie in Baden-Württemberg trägt auch das im EEG 2014 verankerte Referenzertragsmodell bei. Dieses sieht für Binnenlandstandorte höhere Korrekturfaktoren zur Berechnung der Marktprämie vor, um eine regional ausgewogene Verteilung zu ermöglichen. 

Energiemarkt der Zukunft

Ob Energie zentral im Norden Deutschlands oder dezentral dort erzeugt wird, wo sie verbraucht wird - Solar- und Windenergie sind und bleiben volatil. Deshalb benötigt gerade auch Baden-Württemberg hocheffiziente und schnell reaktionsfähige Gaskraftwerke, die Versorgungssicherheit auch dann gewährleisten, wenn der Wind ausbleibt oder der Himmel wolkenverhangen ist.
Da sich im Moment weder der Bau noch der Betrieb solcher Kraftwerke wirtschaftlich lohnen, greift die Energiewirtschaft nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland mehr und mehr auf den fossilen Energieträger Kohle und auf veraltete Kraftwerke zurück – mit der Folge, dass der CO2-Ausstoß steigt, anstatt im Sinne der Klimaziele zu sinken.
Deshalb muss es nicht nur für die Erneuerbaren, sondern auch für effiziente und flexible Gaskraftwerke und Kraft-Wärme-Kopplung finanzielle Anreize geben – einfach, weil wir sie brauchen. Die Bundesregierung setzt hier auf Preisspitzen, die auftreten sollen, wenn das Angebot an Strom knapp (wenig Wind und Sonne)  und die Nachfrage hoch ist – ähnlich wie bei Hotelpreisen bspw. zu Messezeiten. Ob das für den Strommarkt genau so funktionieren kann wie bei Hotel- oder Flugpreisen ist äußerst umstritten.  

Verbindliche Ziele festschreiben

Baden-Württemberg hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2050 den Ausstoß von Treibhausgasen um 90 Prozent zu reduzieren. Dieses verbindliche Ziel ist im Klimaschutzgesetz des Landes ebenso festgeschrieben, wie das Etappenziel, die Emissionen bis zum Jahr 2020 um 25 Prozent zu senken. 

Auch das am 1. Juli 2015 novellierte Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) leistet dazu einen Beitrag, in dem es im Wärmebereich für bestehende Gebäude einen Pflichtanteil von 15 % erneuerbaren Energien vorschreibt. Die Pflicht entsteht, wenn eine Heizungsanlage ohnehin erneuert wird. Neben dem Einsatz erneuerbarer Energien gibt es auch eine breite Auswahl an sog. Ersatzmaßnahmen, die beispielsweise Energie einsparen oder die Energie effizienter nutzen. Mit der Novelle wurde der Geltungsbereich des Gesetzes auf private und öffentliche Nichtwohngebäude ausgedehnt. Neu hinzugekommen ist auch der sog. gebäudeindividuelle Sanierungsfahrplan, der ebenfalls zur Erfüllung angerechnet werden kann.

 

Baden-Württemberg hat insbesondere mit dem EWärmeG eine Vorreiterrolle eingenommen. Damit ist das Land auf einem guten Weg, um seine Energieziele zu erreichen: 50 Prozent weniger Stromverbrauch als im Jahr 2010, 80 Prozent erneuerbare Energien und 90 Prozent weniger Treibhausgasemissionen.


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