Voraussetzungen der Energiewende

Standort

Was Baden-Württemberg braucht

Bevölkerung, Landschaft, Wirtschaft – jedes Bundesland hat seine Besonderheiten. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse müssen auch im Zusammenhang mit der Energiewende Berücksichtigung finden. Wir werfen einen Blick auf die speziellen Anforderungen an die Energiewende in Baden-Württemberg. 

Die Energiewende ist ein großes Generationenprojekt. Sie ist gewünscht und der Atomausstieg seit mehreren Jahren beschlossen. Es gilt, den Umbau des Energiesystems sowohl im Kleinen vor jeder Haustür als auch mit Blick auf das große Ganze umzusetzen. Schließlich soll der Umstieg auf Strom- und Wärmeerzeugung aus Erneuerbaren in ganz Deutschland funktionieren – in enger Verzahnung mit den europäischen Nachbarn. Doch die Energiewende kann nur gelingen, wenn Besonderheiten der einzelnen Regionen und Bundesländer bekannt sind und wenn auf sie im Sinne aller bei der Umsetzung Rücksicht genommen wird. 

Der Sonne sei Dank, volle Windkraft voraus

Mit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) begann bereits im Jahr 2000 die Erschließung regenerativer Quellen. Innerhalb von 15 Jahren vervielfachte sich ihr Anteil an der deutschen Bruttostromerzeugung auf mittlerweile 31,7 Prozent (in Baden-Württemberg lag der Anteil im Jahr 2015 bei 23,3 %). Baden-Württemberg hat bisher in erster Linie auf die Kraft des Wassers (6,8 Prozent der Bruttostromerzeugung) und der Sonne (8,2 Prozent) gesetzt. 

Im Bereich Windenergie jedoch gibt es zwischen Odenwald, Alb und Schwarzwald großen Nachholbedarf. Zwar herrschen an küstennahen Standorten im Hinblick auf die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten zweifellos günstigere Verhältnisse für die Windenergienutzung als in weiten Teilen von Baden-Württemberg. Gleichwohl besteht auch hier im Land Potenzial an Flächen und Standorten für Windenergieanlagen, welche im Energieatlas Baden-Württemberg eingetragen sind. Seit 2015 nimmt die Dynamik beim Windkraftausbau in Baden-Württemberg deutlich zu. 2016 war ein Rekordjahr: Insgesamt 120 Windenergieanlangen sind neu ans Netz gegangen. Die im Land installierte Leistung aus Windenergie ist damit zum Ende des Jahres 2016 auf über ein Gigawatt angestiegen, was immerhin der Leistung eines konventionellen Großkraftwerks entspricht. 

Zur Wirtschaftlichkeit der Windenergie in Baden-Württemberg trägt auch das im EEG verankerte Referenzertragsmodell bei. Dieses sieht für Binnenlandstandorte höhere Korrekturfaktoren zur Berechnung der Marktprämie vor, um eine regional ausgewogene Verteilung zu ermöglichen. Seit 2017 müssen sich auch die Erzeuger in Baden-Württemberg bei der Errichtung von Neuanlagen im bundesweiten Ausschreibungswettbewerb durchsetzen. 

Energiemarkt der Zukunft

Ob Energie zentral im Norden Deutschlands oder dezentral dort erzeugt wird, wo sie verbraucht wird - Solar- und Windenergie sind und bleiben volatil. Deshalb benötigt gerade auch Baden-Württemberg hocheffiziente und schnell reaktionsfähige Gaskraftwerke, die Versorgungssicherheit auch dann gewährleisten, wenn der Wind ausbleibt oder der Himmel wolkenverhangen ist. 

Da sich im Moment aufgrund der gesunkenen Börsenstrompreise und der extrem niedrigen Zertifikatspreise im europäischen Emissionshandel weder der Bau noch der Betrieb solcher Kraftwerke wirtschaftlich lohnen, greift die Energiewirtschaft nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland mehr und mehr auf den fossilen Energieträger Kohle und auf veraltete Kraftwerke zurück – mit der Folge, dass der CO2-Ausstoß steigt, anstatt im Sinne der Klimaziele zu sinken. 

Flexible Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen werden, ähnlich wie die Erneuerbaren, über das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz gefördert. Zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit werden wir langfristig jedoch auch sicherstellen müssen, dass für effiziente und flexible Gaskraftwerke ebenfalls ein stabiles und auskömmliches Marktumfeld geschaffen wird. Die Bundesregierung setzt hier auf Preisspitzen, die auftreten sollen, wenn das Angebot an Strom knapp (wenig Wind und Sonne) und die Nachfrage hoch ist – ähnlich wie bei Hotelpreisen bspw. zu Messezeiten. Ob das für den Strommarkt genau so funktionieren kann wie bei Hotel- oder Flugpreisen ist äußerst umstritten.  

Verbindliche Ziele festschreiben

Baden-Württemberg hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2050 den Ausstoß von Treibhausgasen um 90 Prozent zu reduzieren. Dieses verbindliche Ziel ist im Klimaschutzgesetz des Landes ebenso festgeschrieben, wie das Etappenziel, die Emissionen bis zum Jahr 2020 um 25 Prozent zu senken. Darüber hinaus sind im Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept weitere Zielsetzungen festgelegt: bis 2050 soll der Energieverbrauch gegen-über 2010 um die Hälfte reduziert werden und der verbleibende Verbrauch zu 80% aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. 

Auch das am 1. Juli 2015 novellierte Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) leistet dazu einen Beitrag, in dem es im Wärmebereich für bestehende Gebäude einen Pflichtanteil von 15 % erneuerbaren Energien vorschreibt. Die Pflicht entsteht, wenn eine Heizungsanlage ohnehin erneuert wird. Neben dem Einsatz erneuerbarer Energien gibt es auch eine breite Auswahl an sog. Ersatzmaßnahmen, die beispielsweise Energie einsparen oder die Energie effizienter nutzen. Mit der Novelle wurde der Geltungsbereich des Gesetzes auf private und öffentliche Nichtwohnge-bäude ausgedehnt. Neu hinzugekommen ist auch der sog. gebäudeindividuelle Sanierungsfahrplan, der ebenfalls zur Erfüllung angerechnet werden kann.

Baden-Württemberg hat insbesondere mit dem EWärmeG eine Vorreiterrolle eingenommen. Auf Bundesebene besteht eine Verpflichtung zur Nutzung von erneuerbaren Energien zur Wärmebereitstellung nur im Neubau. 

http://energiewende.baden-wuerttemberg.de/de/wissen/rahmenbedingungen/voraussetzungen-der-energiewende/