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Folge 2: Konventionelle Kraftwerke

Serie Versorgungssicherheit (Folge 2)

Neue Rolle für konventionelle Kraftwerke

  • Rheinhafen-Dampfkraftwerk Karlsruhe

    Rheinhafen-Dampfkraftwerk Karlsruhe
    Quelle: ENBW/ Bernd Franck

Heute erzeugen konventionelle Kraftwerke den Löwenanteil des deutschen Strombedarfs. In Zukunft werden sie benötigt, wenn die Erneuerbaren den Bedarf nicht decken können. Anders gesagt: Um die Versorgungssicherheit künftig zu gewährleisten, müssen konventionelle Kraftwerke einen Funktionswandel vollziehen. Wir erklären, warum.

Bedarf an effizienten und flexiblen Kraftwerken steigt

Ein Großteil der heute in Deutschland betriebenen konventionellen Kraftwerke, vor allem Kohle- und Atomkraftwerke, bieten hinsichtlich ihrer Verwendbarkeit keine ausreichend hohe Flexibilität, um ihrer Rolle im zukünftig von erneuerbaren Energien dominierten Strommix gerecht werden zu können. Sie müssen daher mittel- und langfristig durch neue flexible Erzeugungsanlagen, Speicher und Lastmanagement ersetzt werden.

Dazu bieten sich bspw. Gasturbinen an – sie sind in der Anschaffung am kostengünstigsten und können deutlich leichter hoch- und runtergefahren werden. Daher müssen sie im Gegensatz zu großen Kohleblöcken oder gar AKW nicht konstant Strom ins Netz einspeisen, um sich zu refinanzieren. 

Veränderungen am Markt

Doch damit sich die Investition in und der Betrieb von konventionellen Kraftwerken überhaupt lohnen, muss der Energiemarkt angepasst werden. Da Strom aus erneuerbaren Quellen durch den Einspeisevorrang den Vorzug vor Energie aus konventionellen Kraftwerken bekommt und darüber hinaus an der Börse deutlich kostengünstiger ist, reduziert sich die Dauer, in der konventionelle Kraftwerke Strom einspeisen, deutlich. Darüber hinaus sinkt das Preisniveau seit Jahren – dies beschreiben Energieexperten mit dem Begriff Merit-Order-Effekt. Die Folge: Die Kraftwerke werden zusehends unrentabel. Aus diesem Grund denken viele Energieerzeuger über die Abschaltung von Kraftwerken nach. Auch wenn dies ohne Zustimmung der Regulierungsbehörde, also der Bundesnetzagentur, nicht möglich ist: Der Energiemarkt benötigt eine grundlegende Änderung, wenn Investitionen in neue Anlagen und der Betrieb von Bestandskraftwerken sich lohnen sollen.

Eine Überlegung dazu ist, nicht nur den Strom selbst zu vergüten, sondern auch die Bereitstellung der Kapazitäten, mit denen der Strombedarf gedeckt werden kann. Ein Merkmal des aktuellen Energiemarktdesigns („Energy-only-Markt“) ist nämlich, dass nur die reine Herstellung von Strom, aber nicht die Gewährleistung von Versorgungssicherheit vergütet wird. Dafür sollten Aufträge zu festen Konditionen für bestimmte Kapazitäten (Erzeugung, Speicher und steuerbarer Stromverbauch) in klar definierten Zeiträumen vergeben werden. Dabei sollten die Anbieter bestimmte Anforderungen an Effizienz, Emissionen, Flexibilität und Verfügbarkeit erfüllen. Den Zuschlag sollte bekommen, wer das günstigste Angebot macht. Dadurch würde ein so genannter Kapazitätsmarkt entstehen, der den Wettbewerb stärkt, und auch den Betrieb konventioneller Kraftwerke wieder rentabel macht und damit einen wichtigen Bestandteil zur Versorgungssicherheit von morgen leistet. Im Juli 2015 hatte sich das Bundeswirtschaftsministerium gegen einen solchen Kapazitätsmarkt entschieden und den sog. Energy-only-Markt weiterentwickelt. Das Thema wird aber nach Einschätzung vieler Experten erneut auf die Tagesordnung kommen.

 

Mehr über moderne Speichertechnologien und ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit lesen Sie in Folge 3 unserer Serie.


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