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Teil 1: Stromkosten unter der Lupe

Serie: Die Vorteile der Energiewende (Teil 1)

Wie Stromkosten wirklich entstehen

  • Strompreis, Energiepreis

Wenn es in der öffentlichen Berichterstattung um die Energiewende geht, sorgt meist die Diskussion über steigende Energiekosten für aufgeheizte Stimmung. Dabei können bereits wenige Zahlen und Fakten helfen, die Gemüter abzukühlen. Nüchtern betrachtet besteht zwischen den realen Kosten der Energiewende und dem Strompreisanstieg lediglich ein vager Zusammenhang.

Richtig ist: Die Strompreiserhöhungen liegen über der allgemeinen Teuerungsrate. Wer diesen Anstieg aber einzig der Energiewende zuschreibt, übersieht die wahren Ursachen der Preisentwicklung. Tatsache ist: Die reinen Förderkosten erneuerbarer Energien betrugen im Jahr 2013 3,84 Cent pro Kilowattstunde. Dabei sind die Zuwächse im gesamten Fördervolumen eher begrenzt durch den weiteren und auch gewollten Ausbau begründet. Da die zunehmende Einspeisung aus erneuerbaren Energien die Großhandelspreise senkt, kommt es aufgrund des Designs des EEG-Umlagemechanismus zu steigenden Kosten. Darüber hinaus geht ein Großteil des Stromkostenanstiegs auf Industrieprivilegien zurück. Wurden energieintensive Unternehmen im Jahr 2012 noch mit durchschnittlich 0,96 Cent pro Kilowattstunde begünstigt, so schlägt die Förderung von Großbetrieben 2013 bereits mit 1,34 Cent pro Kilowattstunde zu Buche. Das 2003 eingeführte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) befreit seit einer Novelle im Jahr 2012 besonders viele energieintensive Unternehmen von der EEG-Umlage - und damit von Energiekosten, die als Folge größtenteils von Privathaushalten und Kleinunternehmen getragen werden. An dieser Situation hat auch die am 1. August 2014 in Kraft getretene weitere Novelle des EEG nichts verändert. Näheres dazu lesen Sie auf den Seiten des BMWi.

Warum die Rechnung an die Falschen geht

Die Entwicklung der Stromkosten hat sich auch auf den Geldbeutel der Verbraucher ausgewirkt: Die monatlichen Stromausgaben eines durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalts in Deutschland sind von 63 Euro im Jahr 2008 auf 84 Euro in 2013 gestiegen. Von den 21 Euro Mehrkosten entfielen 12 Euro auf die so genannte EEG-Umlage, die seit Einführung im Jahr 2003 im Jahresrhythmus angestiegen ist. Im Jahr 2014 beträgt der Umlagebetrag 6,24 Cent pro Kilowattstunde – obwohl die ermittelten Strombezugskosten für energieintensive Unternehmen seit 2011 kontinuierlich gesunken sind. Zum Vergleich: In Italien stiegen die Stromkosten für Großunternehmen im gleichen Zeitraum um 16,7 Prozent, in Großbritannien um 15,8 Prozent und in Spanien um 6 Prozent. Sinn der ursprünglichen Privilegierung einzelner Unternehmen war es, internationale Wettbewerbsnachteile für energieintensive Unternehmen zu verhindern. Die Zahlen zeigen aber, dass von einer Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit trotz Energiewende keineswegs die Rede sein kann. Im Gegenteil: Ein sinkender Strompreis an der Börse entlastet die Wirtschaft sogar. Dennoch trägt die Industrie mit 6,1 Milliarden Euro lediglich 30 Prozent der für 2013 insgesamt prognostizierten EEG-Kosten – obwohl sie fast die Hälfte des in Deutschland insgesamt bezogenen Stroms verbraucht. Private Haushalte dagegen werden 2013 voraussichtlich mit insgesamt 7,2 Milliarden Euro zur Kasse gebeten. Die finanzielle Entlastung der energieintensiven Wirtschaft durch die EEG-Umlage wird damit laut Prognose der Deutschen Umwelthilfe von 2,7 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf 7,2 Milliarden im Jahr 2014 ansteigen.

Die Kosten vor der Energiewende

Dass die Strompreise auch ohne Energiewende steigen würden, zeigt ein Blick auf die Entwicklung bis 2010: Im Jahr 2000 lag der Strompreis bei knapp 14 Cent pro Kilowattstunde und stieg dann kontinuierlich auf 24 Cent im Jahr 2010. Die Ursachen des rasanten Anstiegs sind vielfältig und vor allem in steigenden Brennstoffkosten für Erdgas und Importsteinkohle zu finden. Außerdem preisten Energieunternehmen im fraglichen Zeitraum bereits vorsorglich die durchaus erheblichen Kosten für künftige CO2-Zertifikate ein. Derzeit setzt sich also eine Entwicklung fort, die lange vor der Energiewende eingesetzt hat.

Kosten sparen durch Anbieterwechsel

Wer nicht warten möchte, bis sich die Energiewende für alle rechnet, der sollte sich über einen Wechsel des Stromanbieters Gedanken machen. Zur privaten Strompreisbremse bietet die Verbraucherzentrale eigens einen Energie-Check an. Hier können Endkunden telefonisch unter 0800 - 809 802 400 oder per Vor-Ort-Beratung ihren eigenen Energieverbrauch ermitteln und Einsparpotenziale offenlegen. Weitere Informationen finden Verbraucher auf www.verbraucherzentrale-energieberatung.de oder auf kommerziellen Vergleichsportalen wie www.verivox.dewww.toptarif.de oder www.preisvergleich.de. Bei Ökotarifen ist auf Preisgarantien und Kündigungsfristen zu achten. Darüber hinaus winken Neukunden häufig Gutschriften und Boni.

Der Anbieterwechsel ist nur ein Weg, um die eigenen Ausgaben für Energie zu senken. Weitere Möglichkeiten erfahren Sie im zweiten Teil unserer Serie Geld sparen mit der Energiewende.


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