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Teil 1: Wärme – der Schlüssel zur Energiewende?

Serie: Die Wärmewende (Teil 1)

Wärme – der Schlüssel zur Energiewende?

  • Quelle: RomoloTavani

 

Atomkraft, Windräder und Stromtrassen: Wenn es in der Öffentlichkeit um die Energiewende geht, kreisen die Diskussionen eher um diese Themen. Wärmeerzeugung und -verbrauch fanden bislang nur wenig Aufmerksamkeit in der öffentlichen Diskussion. Doch inzwischen schlagen Experten Alarm: Baden-Württemberg verbraucht fast so viel Energie für Wärme wie für Kraftstoff und Strom zusammen – der Wärmesektor nimmt am gesamten Endenergieverbrauch im Land einen Anteil von 47 Prozent ein. Fachleute aus dem Immobilienbereich, der Bauwirtschaft und des Handwerks sind sich daher sicher, dass es ohne Wärmewende keine Energiewende gibt.

Bislang entstand leicht der Eindruck, Wärme sei in der Energiedebatte nur ein Thema zweiter Klasse. Zudem verwirrten irreführende Berichte über Kosten bei der energetischen Haussanierung die Eigentümer von Immobilien. Fest steht aber: Wenn wir bis zum Jahr 2050 die Treibhausgasemissionen um 90 Prozent senken wollen, muss dies auch und vor allem beim Heizen und bei der Warmwasserbereitung geschehen. In Baden-Württemberg verursachen diese beiden Bereiche heute rund 30 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes. Und damit kommt unseren Häusern, ihrer Effizienz und ihrer sinnvollen Sanierung eine Schlüsselrolle in der Diskussion um die Energiewende zu.

Wärmegesetze auf Bundes- und Landesebene

Die Politik hat bereits Handlungsbedarf ausgemacht. Sowohl die Bundesregierung als auch die Regierung des Landes Baden-Württemberg haben Wärmegesetze erlassen. Auf Bundesebene ist seit 1. Januar 2009 das „Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich“, auch „Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz“ (EEWärmeG), in Kraft. Es gilt für Neubauten aller Art sowie für öffentliche Bestandsgebäude und enthält unter anderem die energetischen Auflagen für private Neubau-Projekte. Bereits ein Jahr zuvor war das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) für Baden-Württemberg in Kraft getreten, das zunächst ebenfalls die Pflichten für Neubauten regelte. Seit 1. Januar 2010 jedoch liegt das Augenmerk ausschließlich auf den Eigentümern von Bestandsgebäuden, die ihre Heizungsanlage austauschen. Der Hintergrund: 90 Prozent des CO2-Ausstoßes entfallen auf bestehende Gebäude – hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Novelle des EWärmeG für Baden-Württemberg

Das EWärmeG des Landes wurde zum 1.7.2015 novelliert, um das Gesetz an die sich ändernden Herausforderungen des Klimawandels und der Energiewende anzupassen. Zu den wichtigsten Neuerungen zählt neben der Erhöhung des Pflichtanteils an erneuerbarer Energie von 10 auf 15 Prozent auch die Ausdehnung des Gesetzes auf Nichtwohngebäude. Stand für die Umsetzung dieses Zieles früher die Solarthermie im Vordergrund, stehen jetzt ganz verschiedene Erfüllungsoptionen zur Wahl, z.B. durch die Kombination von erneuerbaren Technologien und Energieeffizienzmaßnahmen. Mehr Infos dazu finden Sie hier. Vor allem aber möchte die Gesetzesnovelle den Anstoß geben, Gebäude und ihre energetische Sanierung ganzheitlich zu betrachten. Das drückt sich auch in der Integration sogenannter energetischer Sanierungsfahrpläne in der Gesetzesvorlage aus.

Mitspracherecht für alle

Parallel zur förmlichen Anhörung des Gesetzentwurfs hatte die Landesregierung den Text im Beteiligungsportal des Landes zur Kommentierung eingestellt. Bereits 2013 hatten die Bürgerinnen und Bürger im Land Gelegenheit, die Eckpunkte der Novelle mitzudiskutieren. Dabei stimmten rund 70 Prozent den übergeordneten Zielen wie etwa dem Klima- und Ressourcenschutz zu. Doch hat sich zunächst auch eine Mehrheit von 57 Prozent gegen die Erhöhung des Pflichtanteils erneuerbarer Energien von 10 auf 15 Prozent ausgesprochen. Dies wurde geprüft. Da das Land aktuell aber für Wärme fast so viel Energie verbraucht wie für Strom und Kraftstoff zusammen, ist eine Anhebung unausweichlich.

Klarheit statt Vorurteile

Maximale Transparenz ist auch beim Thema Gebäudesanierung wünschenswert. Denn noch immer scheuen viele Wohneigentümer energetische Sanierungsmaßnahmen. Dabei können sich diese insbesondere bei Altbauten lohnen. Selbst ehrgeizige Sanierungsprojekte zahlen sich langfristig aus. Und auch wenn sich die Kosten nicht sofort amortisieren, ist der Nutzen für die Umwelt schon heute unbestritten. Denn wie die Deutsche Energie-Agentur (dena) ermittelte, benötigen ältere Bestandsbauten bis zu drei Mal mehr Energie zur Beheizung als Neubauten. Selbst Denkmalschutz muss einer energetischen Sanierung nicht grundsätzlich im Weg stehen. Durch Dachdämmung, eine Erneuerung der Heizungsanlage oder neue Fenster lassen sich bereits energetische Verbesserungen von bis zu 60 Prozent erzielen. Eine umfassende energetische Sanierung verringert den Energieverbrauch in alten Wohngebäuden gar um bis zu 80 Prozent.  

Mehr zu den Potenzialen des Wärmesektors und den Einsparmöglichkeiten im Energiebereich erfahren Sie in Teil 2 unserer Serie.


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