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Teil 2: Das große Potenzial der Wärmewende

Serie: Die Wärmewende (Teil 2)

Das große Potenzial der Wärmewende

  • Quelle: denphumi

Der Wärmewende kommt eine zentrale Bedeutung zu, will Baden-Württemberg die erklärten Ziele 50-80-90 erreichen. Insbesondere in Gebäuden lassen sich durch energetische Sanierungen, bis zu 80 Prozent des Energieverbrauchs sparen. Auch der CO2-Ausstoß lässt sich durch den Einsatz erneuerbarer Energien bei Heizung und Warmwasserbereitung senken. Wie die folgenden Zahlen belegen, ist es aber noch ein weiter Weg bis dorthin.

Nur jeder vierte Deutsche erwartet im eigenen Haushalt die höchsten Einsparpotenziale im Bereich der Wärme. Das ergab eine Umfrage von infratest dimap im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft im Frühjahr 2014. Fakt ist: 83 Prozent des realen Energieverbrauchs entfallen laut Statistischem Bundesamt auf die Bereiche Raumheizung und Warmwasser. Beides zusammen verursacht auch in Baden-Württemberg knapp 30 Prozent des CO2-Ausstoßes. Das Potenzial, welches in der richtigen Wärmegewinnung und -versorgung auch für die Energiewende steckt, wird demnach von den meisten Menschen hierzulande unterschätzt.  

Alte Heizungen, alte Energieträger

Bis 2050 soll der Anteil erneuerbarer Energien bei der Gebäudewärme auf 80 Prozent steigen. Doch die regenerativen Anteile blieben in den vergangenen Jahren nahezu unverändert. Warum? Die Gründe dafür sind vielfältig. Über 85 Prozent aller Heizungen in Baden-Württemberg werden mit Öl oder Gas betrieben. Und gerade einmal circa 3 Prozent beträgt die Sanierungsrate beim Heizungstausch. Außerdem sind 75 Prozent der Heizungen in Bestandsbauten nicht auf dem neuesten Stand der Technik. Wenn wir unser Ziel, uns von fossilen Energieträgern zu lösen und damit den CO2-Ausstoß erheblich zu reduzieren, ernst nehmen, müssen wir die Wärmewende jetzt anpacken. Und noch eines: mit erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung machen wir uns unabhängiger von teuren und mitunter unsicheren Importen an fossilen Energieträgern.

Schlüsselrolle für die Wärmedämmung

Die klimafreundlichste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird. Im Rahmen der Wärmewende kommt damit vor allem dem baulichen Wärmeschutz von Altbauten eine zentrale Bedeutung zu. Tatsächlich lassen sich durch die Dämmung von Dach, Wänden, der Kellerdecke sowie durch das Einsetzen neuer Fenster die Wärmeverluste um 75 bis 80 Prozent reduzieren, wenn man von heutigen Mindeststandards bei der Dämmung ausgeht. Das unterstreicht auch das Modellprojekt Effizienzhäuser des Bundesbauministeriums in Kooperation mit der Deutschen Energie-Agentur (dena). Hier sank der mittlere Energieverbrauch von 223 kWh/( m2a) auf 54 kWh/( m2a) – eine Verringerung um 76 Prozent.  

Energetische Sanierung ist Teil der Energiewende

Doch der Weg dorthin ist auch in Baden-Württemberg noch weit. Von den rund 2,3 Millionen Bestandsbauten sind rund 70 Prozent sanierungsbedürftig. Die Rate energetischer Sanierungen liegt hier wie bundesweit bei etwa einem Prozent – viel zu niedrig. Noch scheuen viele Hauseigentümer eine Sanierung, weil nicht klar ist, ob sich die Investitionen gegenüber den Einsparungen wirklich lohnen. Da Gebäude jedoch 47 Prozent der Energie in Baden-Württemberg verbrauchen und sich durch eine energetische Sanierung bis zu 80 Prozent der vorher benötigten Energie einsparen lässt, gilt, neben dem Kostenargument für „gesparte Energie“, dass dies zudem mehr Komfort und Behaglichkeit schafft und darüber hinaus den Grundstein für die Wertsteigerung der Immobilie legt. Mehr zu diesem Thema finden Sie im Leitfaden zur energetischen Sanierung

Neue Aufgaben für Wirtschaft und Kommunen

Auch Unternehmen verbrauchen Wärmeenergie. Auf Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen entfallen über 50 Prozent des gesamten Wärmeenergieverbrauchs. Hier gibt es ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten, Wärme besser zu nutzen: Durch eine Wärmerückgewinnung bei Lüftungsanlagen zum Beispiel können über drei Viertel der eingesetzten Wärme wieder genutzt werden, Abwärme-Nutzung kann sogar einen Heizwärme-Überschuss produzieren. Prozesswärme lässt sich auch z. B. durch die Einspeisung in ein Fernwärmenetz nutzen. Über sogenannte Wärmetauscher gewinnen bereits etliche Kommunen in Baden-Württemberg Energie aus Abwasser, mit der sie öffentliche Gebäude beheizen. Wie die Technik funktioniert, lesen Sie in einem Best-Practice-Artikel. Zudem lässt sich die Dämmung der rund 440.000 Nichtwohngebäude in Baden-Württemberg oft noch verbessern. Auch die Optimierung des Anlagenbetriebs birgt häufig große Einsparpotenziale. Insgesamt sollte ein ganzheitlicher Ansatz im Vordergrund stehen. Er umfasst Gebäudehülle, Anlagentechnik und die Einbindung erneuerbarer Energiequellen sowie die Zweitnutzung von Energien.  

Welche erneuerbaren Energien Sie im Wärmebereich einsetzen können, um die Anforderungen des EWärmeG in Baden-Württemberg zu erfüllen, erfahren Sie in Teil 3 unserer Serie.


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