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Energieversorgung Studie

Energiewende Studie

Bürgerbefragung zur Energieversorgung

  • Abb.1: Das Interesse der Bevölkerung in Baden-Württemberg ist groß, wenn es um das Thema Energieversorgung geht. Vor allem im Regierungsbezirk Tübingen interessieren sich viele Menschen dafür, während sich in den Regierungsbezirken Stuttgart und Freiburg knapp ein Drittel weniger oder überhaupt nicht für die Thematik interessiert. (Telefonische Bevölkerungsumfrage unter 1.225 repräsentativ ausgewählten Bürgern aus Baden-Württemberg; n=1.222)

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  • Abb.2: Aus Sicht der baden-württembergischen Bevölkerung stehen vor allem Politik und Verwaltung in der Pflicht, wenn es darum geht, zu Energieprojekten zu informieren. Mehr als die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger fordern aber auch Unternehmen und ihre Verbände zu Information und Kommunikation auf. (Telefonische Bevölkerungsumfrage unter 1.225 repräsentativ ausgewählten Bürgern aus Baden-Württemberg; n=1.023)

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  • Abb.3: Die Bürgerinnen und Bürger im Land halten die Mehrheit der Akteure für durchaus kompetent in Sachen Energieversorgung. Nur wenigen Gruppen und Organisationen glauben die Menschen jedoch, dass sie die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vertreten. (Telefonische Bevölkerungsumfrage unter 1.225 repräsentativ ausgewählten Bürgern aus Baden-Württemberg; n=1.225)

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  • Abb.4: Die Menschen in Baden-Württemberg haben unterschiedliche Erwartungen, wenn es um die Information und Kommunikation zu Energieprojekten geht. Vier Typen fordern die Verantwortlichen heraus. Eine Kommunikation für alle geht an den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger vorbei. (Telefonische Bevölkerungsumfrage unter 1.225 repräsentativ ausgewählten Bürgern aus Baden-Württemberg; n=1.202)

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Prof. Dr. Claudia Mast und Dr. Helena Stehle haben in einer Studie der Universität Hohenheim festgestellt: Die Bürgerinnen und Bürger haben großes Interesse an der Energieversorgung, sie sind jedoch auch skeptisch gegenüber den Verantwortlichen.

Die Studie ist Teil des Programms Bürgerbeteiligung und Zivilgesellschaft der Baden-Württemberg Stiftung und im Springer-Verlag erhältlich.

Großes Interesse an Energieversorgung

Die Diskussion über die Energiewende und die dafür notwendige Infrastruktur ist in vollem Gange. Das Interesse der Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg am Thema Energieversorgung ist groß. Repräsentativ befragt, geben fast drei Viertel der Menschen im Land an, sich stark für das Thema zu interessieren (72 %). Besonders ausgeprägt ist das Interesse dabei im Regierungsbezirk Tübingen (76 %), während in den Regierungsbezirken Stuttgart und Freiburg knapp 70 Prozent der Bevölkerung angeben, sich sehr stark oder stark zu interessieren (vgl. Abb. 1). Rund ein Drittel der Baden-Württemberger sagt hier entsprechend, dass das Thema für sie weniger oder überhaupt nicht interessant ist (31 bzw. 30 %).

Politik und Wirtschaft in der Pflicht

Doch von wem erwarten die Menschen angesichts des starken Interesses am Thema Informationen? Wer soll sie informieren, wenn es um Energieprojekte vor Ort geht? Drei Viertel der baden-württembergischen Bürgerinnen und Bürger sehen – wenn sie ohne Antwortvorgaben gefragt werden – vor allem Politik und Verwaltung in der Pflicht zu informieren (vgl. Abb. 2). Insbesondere in den Regierungsbezirken Tübingen und Stuttgart erwarten die Menschen Informationen von ihnen (79 bzw. 78 %).

An zweiter Stelle folgt die Wirtschaft. 53 Prozent der Menschen fordern von Unternehmen und Verbänden Informationen ein, wenn es um Energieprojekte geht. Besonders nachdrücklich wird diese Forderung dabei in den Regierungsbezirken Tübingen und Karlsruhe vorgetragen (55 bzw. 54 %). Nur knapp ein Fünftel der Bevölkerung sieht hingegen die Medien sowie gesellschaftliche Organisationen und Gruppen in der Pflicht zu informieren (jeweils 17 %; im Regierungsbezirk Karlsruhe mit jeweils 21 % am stärksten vertreten). Sieben Prozent der Menschen in Baden-Württemberg erwarten schließlich, dass sich die Wissenschaft zu Energieprojekten äußert (mit jeweils 8 % in den Regierungsbezirken Karlsruhe und Tübingen am stärksten vertreten).

Kompetent – ja, Bürgerinteressen verpflichtet – nein

Zwar sehen die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg vor allem politische und wirtschaftliche Akteure in der Pflicht zu informieren. Ihre Kompetenz, d. h. ihr Fachwissen zum Thema Energieversorgung, und ihre Interessen schätzen sie aber zurückhaltend und skeptisch ein (vgl. Abb. 3). Während die Bevölkerung mehrheitlich Vertreter der Wirtschaft wie Stadtwerke, große Energieunternehmen sowie ihre Verbände als kompetent ansieht, werden die politischen Akteure kritischer betrachtet. Nur rund die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger spricht der Landesregierung und den Verantwortlichen vor Ort, d. h. Bürgermeistern und Gemeinderäten, Kompetenz zu. Die weiteren politischen Akteure werden von weniger als 50 Prozent der Menschen als kompetent wahrgenommen. Dies gilt insbesondere für Parteien: Nur knapp ein Fünftel der Menschen spricht ihnen Kompetenz zu, wenn es um das Thema Energieversorgung geht. Besonders kritisch sind dabei Bürgerinnen und Bürger aus dem Regierungsbezirk Stuttgart: Lediglich 16 Prozent sehen Parteien als kompetent an.

Kritisch fällt auch das Urteil aus, wenn es um die Interessen der Bürgerinnen und Bürger geht. Weniger als die Hälfte der Menschen glaubt, dass Politik und Verwaltung sowie Wirtschaft ihre Interessen vertreten. Eine Ausnahme bilden die Regierungsbezirke Stuttgart und Tübingen, wenn es um Bürgermeister und Gemeinderäte geht. Mehr als die Hälfte der Befragten aus diesen Bezirken glaubt, dass sie die Interessen der Bürger vertreten (53 bzw. 52 %). In Baden-Württemberg insgesamt schenkt die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger jedoch nur gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen wie Verbraucher- und Umweltschützern oder Bürgervereinigungen Vertrauen, wenn es darum geht, ihre Interessen in der Energiedebatte zu vertreten.

Für die Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft im Land ist diese Einschätzung der Bürgerinnen und Bürger eine Herausforderung, die es zu beachten und vor allem anzugehen gilt. In der öffentlichen Diskussion dürfen angesichts energiepolitischer Differenzen oder ökonomischer Auseinandersetzungen die Ängste, Sorgen und Erwartungen der Menschen nicht außer Acht geraten.

Klare Erwartungen an Kommunikation

Denn die Bürgerinnen und Bürger haben klare und detaillierte Erwartungen an die Kommunikation rund um Energieprojekte im Land. Neben Themenwünschen ist ihnen vor allem das „Wie“ der Kommunikation wichtig. Eine transparente, neutrale sowie ansprechende und verständliche Kommunikation ist ihr Anliegen. Neben diesem übergreifenden Wunsch zeigen sich jedoch auch große Unterschiede in den Erwartungen. Vier Typen werden dabei in Baden-Württemberg sichtbar: Typ 1 will anspruchsvoll informiert werden und interessiert sich vor allem für Aspekte, die seinen Wohnort betreffen. Zum Austausch ist er nur begrenzt bereit. Demgegenüber fordert Typ 2 den Dialog mit Verantwortlichen ein. Er nutzt zahlreiche verschiedene Kanäle und informiert sich aktiv über Energiethemen. Typ 3 ist demgegenüber passiver, lässt sich jedoch bevorzugt auf persönliche Kommunikation, gerne vor Ort, ein. Er interessiert sich insbesondere für den Nutzen und die Folgen eines Projekts. Während Typ 3 der Bezug zum Wohnort weniger wichtig ist, ist Typ 4 heimatverbunden und erwartet entsprechende Informationen. Er legt dabei Wert auf Details, scheut aber den persönlichen Kontakt und Austausch.

Diese Erwartungstypen sind in Baden-Württemberg und seinen Regierungsbezirken unterschiedlich verteilt (vgl. Abb. 4). In Baden-Württemberg insgesamt dominieren Typ 1 und 4, die jeweils knapp 30 Prozent der Bürgerinnen und Bürger umfassen. Typ 3 und 2 sind mit jeweils rund einem Fünftel in der Bevölkerung vertreten (22 bzw. 20 %). Im Regierungsbezirk Stuttgart zeigt sich beispielsweise mit knapp 30 Prozent ein hoher Anteil des Typs 4. In den Bezirken Karlsruhe, Tübingen und Freiburg ist Typ 1 am stärksten vertreten (33, 32 bzw. 30 %).

Die unterschiedliche Verteilung der Erwartungstypen im Land zeigt, dass eine einheitliche Kommunikation ins Leere zu laufen droht. So vielstimmig die Energiediskussion ist, so unterschiedlich sind auch die Erwartungen und Einschätzungen der Bürger. Sie sind der „Dreh- und Angelpunkt“ bei Energieprojekten. Wenn Verständigung möglich werden soll, genügt es nicht, die Denkweise der Verantwortlichen und Entscheidungsträger in den Mittelpunkt zu stellen. Sie ist nur die eine Seite der Medaille. Die Einschätzungen und Erwartungen der Bürger sind die zweite, ebenso wichtige Seite.

Informationen zur Studie

Die Studie „Infrastrukturprojekte im öffentlichen Diskurs“ untersucht mittels Leitfadeninterviews, Q-Sort-Befragung und repräsentativer Bevölkerungsumfrage, welche Erwartungen Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg an Akteure und deren Kommunikation in der Energiedebatte haben. Ihre Ergebnisse erlauben Rückschlüsse für Baden-Württemberg, seine vier Regierungsbezirke sowie zwölf IHK-Regionen.
Eine Zusammenfassung der Studie erhalten Sie unter https://media.uni-hohenheim.de/infrastrukturkommunikation. Die ausführlichen Ergebnisse werden im Buch „Energieprojekte im öffentlichen Diskurs. Erwartungen und Themeninteressen der Bevölkerung“ (Claudia Mast/Helena Stehle, Springer VS, Erscheinungsdatum: Frühjahr 2016) veröffentlicht.

Die Studie ist Teil des Programms Bürgerbeteiligung und Zivilgesellschaft der Baden-Württemberg Stiftung.

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Kontakt: Prof. Dr. Claudia Mast/Dr. Helena Stehle, Fachgebiet Kommunikationswissenschaft und Journalistik, Universität Hohenheim, Tel. 0711-459-22639,
E-Mail: sekrkowi@uni-hohenheim.de,
Web: https://media.uni-hohenheim.de/infrastrukturkommunikation

 

 

 

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