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Faktencheck Arbeitsmarkt

Faktencheck Arbeitsmarkt

Arbeitsplätze in Gefahr?

  • Handwerker verlegen Solarmodule auf einem Dach

Im Zuge der Umstellung auf ressourcenschonende Energien warnen Medien vor Streichungen von Arbeitsplätzen im fünf- oder gar sechsstelligen Bereich. Vor allem der verteuerte Strom koste viele Jobs, heißt es immer wieder. Doch diese Sichtweise ist zu einseitig. 

Kostet die Energiewende zu viele Arbeitsplätze? 

Es werde Streichungen im fünf- oder gar sechsstelligen Bereich geben. So wurde in der Vergangenheit im Zuge der Umstellung auf ressourcenschonende Energien immer wieder gewarnt. Vor allem der teurere Strom koste die Industrie viele Arbeitsplätze, heißt es in einschlägigen Artikeln. Wichtige Tatsachen werden dabei jedoch übersehen, wie der Faktencheck belegt. 

Die Behauptung:

Die Umstellung auf erneuerbare Energien kostet Deutschland zu viele Arbeitsplätze. 

Die Zahlen und Fakten:

Von den Wirtschaftsverbänden werden häufig die hohen Kosten der Energiewende und die damit verbundenen Risiken für den Industriestandort Deutschlands ins Feld geführt.

Nicht erwähnt werden dagegen die Chancen für die deutsche Industrie, die sich aus der nachhaltigen Transformation des Energiesystems (weg von Kernenergie und fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energieträgern) ergeben. So gehen von der Energiewende wesentliche Impulse für Wachstum und Beschäftigung aus. Für den Umbau der Energieversorgung werden in Deutschland jedes Jahr Investitionen in Milliardenhöhe getätigt. Im Bereich der energetischen Sanierung von Wohn- und Nichtwohngebäuden wurden 2015 mehr als 50 Mrd. €, im Bereich der erneuerbaren Energien rund 15 Mrd. € investiert. Über Vorleistungsverflechtungen tragen diese Investitionen zur Wertschöpfung in vielen Bereichen der deutschen Industrie bei. 

Zudem entfalten die Energiewende-Investitionen signifikante Beschäftigungswirkungen. Ende 2016 hat das Umweltministerium Baden-Württemberg gemeinsam mit dem DGB die Studie „Energiewende in Baden-Württemberg – Auswirkungen auf die Beschäftigung“ veröffentlicht. Darin werden speziell die Beschäftigungswirkungen der Energiewende auf Baden-Württemberg betrachtet. 2014 konnten 56.500 Menschen in Baden-Württemberg ihre Beschäftigung direkt auf die Energiewende zurückführen. Somit hängt gut jeder 100. Arbeitsplatz im Land mit der Energiewende zusammen. Eine besonders starke Beschäftigungswirkung geht dabei vom Ausbau der erneuerbaren Energien aus (37.000 Arbeitsplätze im Jahr 2014), gefolgt vom Bereich der Energieeffizienz von Gebäuden und in der Industrie (19.000) und dem Netzausbau (600). Auch die Nettoeffekte, also die Frage, ob die Beschäftigung in Deutschland insgesamt durch die Energiewende steigt oder zurückgeht, wird in der Studie insgesamt positiv bewertet (mehr dazu hier). In Deutschland insgesamt waren laut dem 5. Monitoring-Berichts zur Energiewende 2015 ca. 330.000 Personen allein in der Erneuerbaren-Energien-Branche beschäftigt. 

Darüber hinaus müssen in einem exportorientierten Land wie Deutschland die Exportwirkungen der Energiewende hervorgehoben werden. Nach den Beschlüssen des Klimaabkommens von Paris Ende 2015 ist mit verstärkten weltweiten Klimaschutzanstrengungen und anhaltenden Exportchancen für deutsches Know-How und Technologien im Energiebereich zu rechnen.

Wer also über die Folgen der Energiewende für den Arbeitsmarkt diskutieren will, sollte die Zahlen auf beiden Seiten der Medaille kennen. Zusätzlich spielen nicht quantifizierbare Faktoren eine große Rolle. Dazu zählen neben der regionalen Wertschöpfung auch der Technologietransfer. Fest steht: Dank guter Ideen und wegweisender technischer Lösungen stärkt die Energiewende den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland.


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