18.12.2018

Stichwort: Hochspannungsleitungen

"Um die Redispatch-Kosten zu senken, gibt es nur eines: Vollgas beim Netzausbau."
- Franz Untersteller (Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg) -

Der Norden Deutschlands produziert mehr Strom als er braucht – allein vor den Küsten drehen sich mittlerweile mehr als 1.000 Windkraftanlagen. In wenigen Jahren soll dieser Strom über Hochspannungsleitungen auch nach Baden-Württemberg fließen. 

Ökostrom muss verteilt werden

Mal weht der Wind, mal scheint die Sonne: Die Einspeisung aus Sonnen- und Windkraft schwankt daher. Das kann unser Energiesystem an seine Grenzen bringen. Wenn es etwa an der Küste stürmt, muss der dort erzeugte Windstrom entweder gespeichert oder abtransportiert werden. Dafür wurden die heutigen Leitungen aber nicht gebaut. Um sie nicht zu überlasten, müssen in der Folge die Windenergieanlagen in Norddeutschland vom Netz genommen werden – und das verursacht Kosten. 

Umplanen kostet Geld

Im Süden springen dann Reservekraftwerke ein. Sie können das Netz stabilisieren und Engpässe vermeiden, bringen aber auch Kosten mit sich. Zuletzt beliefen sich die sogenannten Redispatch-Kosten deutschlandweit auf 1,4 Mrd. €. Stromtrassen, die Energie vom Norden in den Süden transportieren, die sogenannten Stromautobahnen, sind daher ein Ausweg – und ein wichtiger wie notwendiger Schritt für die Versorgungssicherheit im Südwesten. Schließlich muss Baden-Württemberg ein Drittel seines Jahresverbrauchs aus anderen Quellen decken, wenn 2022 die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

Planung nimmt Fahrt auf 

Bis 2025 sollen drei neue nationale Nord-Süd-Verbindungen entstehen. Zwei davon – nämlich Ultranet und SuedLink –  betreffen uns in Baden-Württemberg direkt. Sie sind als Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) geplant, die oft auch als „Stromautobahnen“ bezeichnet werden.

  • Der südliche Abschnitt von Ultranet soll auf bestehenden Freileitungsmasten von Osterath bis nach Philippsburg führen. Verantwortlich für diese westlichste Trasse sind die Übertragungsnetzbetreiber Amprion und TransnetBW. 
  • SuedLink besteht aus zwei Verbindungen: Eine führt von Wilster in Schleswig-Holstein in den Raum Grafenrheinfeld in Bayern, die andere von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Großgartach (Leingarten). Diese Trasse planen und bauen die Übertragungsnetzbetreiber TenneT und TransnetBW gemeinsam. In Baden-Württemberg soll SuedLink über rd. 100 km durch vier Landkreise verlaufen.
  • Nach einigen Bürger- und Fachveranstaltungen im Rahmen eines informellen Dialogverfahrens des Umweltministeriums sowie einem Online-Beteiligungsverfahren 2016 läuft jetzt die Bundesfachplanung für SuedLink. Anfang 2019 wollen Tennet und TransnetBW ihre Unterlagen zu den möglichen Trassenverläufen einreichen. Es folgt das Planfeststellungsverfahren, bei dem der genaue Verlauf verbindlich festgelegt wird. Bürgerinnen und Bürger können sich weiter beteiligen und auch bei den nächsten Prozessschritten mitreden. 

 

Quelle Zitat:
Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

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