18.02.2022

Stichwort: Landesflächenziel

„Selbstverständlich kann um ein Windrad herum weiterhin Ackerbau oder Weidewirtschaft betrieben werden wie zuvor.“
- Horst Kluttig und Rüdiger Haude, Solarenergie Förderverein Deutschland e.V. -

Beim Klimaschutz kommt es wesentlich auf den Ausbau und die Nutzung der erneuerbaren Energien an. Mit dem Landesflächenziel – verankert im Klimaschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg – sollen die räumlichen Voraussetzungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien geschaffen werden. Danach sollen in den Regionalplänen Gebiete in einer Größenordnung von mindestens 2 Prozent der jeweiligen Regionsfläche für die Nutzung von Windenergie und Photovoltaik auf Freiflächen rechtzeitig festgelegt werden. Damit wird das Flächenausmaß erfasst, das als räumliche Voraussetzung mindestens erforderlich ist, um das Ziel der Netto-Treibhausgasneutralität („Klimaneutralität“) bis 2040 zu erreichen.

Häufiges Missverständnis: Das 2-Prozent-Ziel

Das sogenannte 2-Prozent-Ziel sorgt häufig für Missverständnisse und Falschannahmen, da der Flächenverbrauch immer wieder fehlinterpretiert wird. So weckt beispielsweise die Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten, 2 Prozent des Landes Bayern entsprächen 200.000 Fußballfeldern, bei vielen die Vorstellung, diese Fläche werde folglich vollständig und alleinig für Anlagen erneuerbarer Energien genutzt. Dabei ist es jedoch so, dass 195.000 dieser „Fußballfelder“ weiterhin Wald, Wiese oder Ackerland blieben. Diese Art der Darlegung widerspricht den genauen Fakten und sorgt für Missverständnisse bei Bürgerinnen und Bürgern. 
Denn eine Windenergieanlage allein benötigt lediglich die Fläche für das Fundament sowie einen Platz neben der Anlage auf dem zum Beispiel für Wartungs- oder Reparaturarbeiten ein Kran platziert werden kann. Diese Fläche ist nicht betoniert oder asphaltiert, sondern mit einer "wassergebundenen Decke" (Splitt, Kies) versehen. Außerdem werden entsprechende Zuwege für die Fahrzeuge benötigt, wobei hierfür oft bestehende Wege und Straßen genutzt werden können. Der 2-Prozent-Größe nähern wir uns erst dann, wenn wir nicht einzelne Windenergieanlagen betrachten, sondern Windparks, bei denen die Abstandsflächen zwischen den Windrädern ebenfalls in die Rechnung mit eingehen. Davon kann aber der größte Teil in seiner ursprünglichen Nutzung verbleiben. Mehr zum tatsächlichen Flächenverbrauch, lesen Sie hier

Bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen sind im Gegensatz zur Windenergie die benötigten Flächen zu großen Teilen mit Modulen belegt. Eine tatsächliche Versiegelung betrifft jedoch lediglich die Bereiche der Aufständerung und entspricht rund 1 Prozent der mit Modulen bestückten Fläche. Unterhalb der Module können daher (Trittstein-)Biotope etabliert werden, welche eine positive Wirkung auf die Artenvielfalt haben, wie hier am Beispiel Solarpark Mooshof dargestellt. Mehr Informationen zur ökologischen Gestaltung von Freiflächensolaranlagen finden Sie in dieser Studie des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft e. V. und im Handlungsleitfaden für Freiflächensolaranlagen des Umweltministeriums. 

Im Vergleich verfügt die Windenergie unter den erneuerbaren Energien insgesamt über einen moderaten Flächenbedarf. Selbst wenn die Abstandsflächen einbezogen werden, liegt beispielsweise die Bioenergie um das zehn- bis hundertfache über ihr. Vorteilhaft bei der Windenergienutzung ist ferner, dass im Gegensatz zur Photovoltaik-Freiflächenanlagen oder zum Biomasseanbau die Abstandsflächen ohne Einschränkungen für andere Zwecke genutzt werden können. Mehr über den Flächenbedarf von Windenergieanlagen lesen Sie hier