19.07.2015

Stichwort: Strommarktdesign

"In einem fokussierten Kapazitätsmarkt wird die Bereitstellung von Kraftwerksleistung und die Zuverlässigkeit der Stromversorgung honoriert – und zwar auf marktwirtschaftliche Weise."
- Franz Untersteller (Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg) -

Eines ist klar: Mehr erneuerbare Energien bedeuten höhere Anforderungen an die Flexibilität des Strommarktes. Wir brauchen also sicher verfügbare und flexible Kraftwerkskapazitäten sowie flexible Nachfrage und Speicher, welche die schwankende Erzeugung aus Wind und Sonne ausgleichen können.

Zurzeit werden die Kraftwerksbetreiber nur für die tatsächlich erzeugten Strommengen am Strommarkt entlohnt, nicht aber für die Vorhaltung von gesicherter Kraftwerkskapazität. Eine zusätzlich dazu geschaffene Kapazitätsreserve ist strikt vom Strommarkt getrennt. Doch es gibt weitere Optionen, wie ein Strommarktdesign in Zukunft ausgestaltet sein kann. 

Wie ein künftiger Strommarkt aussehen könnte, beschreiben diese vier Optionen.

  1. Energy-only-Markt (EOM): Der Strommarkt, wie wir ihn heute vor Augen haben ist die Basis für alle diskutierten Modelle und kann alleine oder in Kombination mit zusätzlichen Instrumenten implementiert werden. Kraftwerke erhalten im freien Wettbewerb nur Geld, wenn sie tatsächlich laufen und produzierte Kilowattstunden an einen Kunden liefern.
  2. Strategische Reserve: In einer strategischen Reserve werden Kraftwerke vorgehalten, die nur in Notsituationen eingesetzt werden. Dieses Instrument wurde in Deutschland unter der Bezeichnung „Kapazitätsreserve“ eingeführt. Dabei schreiben die Übertragungsnetzbetreiber zunächst den Bedarf an Reservekapazitäten öffentlich aus. Alle Kraftwerke, die sich in der Strategischen Reserve befinden, dürfen ihren Strom daher am regulären Strommarkt anbieten.
  3. Dezentraler Leistungsmarkt: Stromkunden oder die Versorgungsunternehmen legen fest, wie viel Strom für einen ganz konkreten Zeitpunkt in der Zukunft in einem ganz konkreten Kraftwerk reserviert sein soll. Dementsprechend müssen sie sich mit Zertifikaten (Reservierungen) eindecken. Kraftwerksbetreiber können Zertifikate verkaufen und damit zusätzliche Einnahmen (zum EOM) erzielen.
  4. Kapazitätsmarkt in verschiedenen Gestaltungsformen: Der Staat schreibt die benötigte gesicherte Kraftwerkskapazität aus. Darum bewerben können sich bereits existierende oder in der Planung befindliche Kraftwerke, Betreiber von Speichern sowie Anbieter, die mit ihren Kunden (Industrie und Gewerbe) vereinbart haben, dass diese Ihre Stromabnahme über kurze Zeiten den zur Verfügung stehenden Strommengen anpassen können (Lastmanagement).

 

Quelle Zitat:
Zeit Online

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