Faktencheck Versorgungssicherheit

Faktencheck

Geht wegen der Energiewende bald das Licht aus?

  • Umspannwerk und Stromleitungen

 

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und ihren schwankenden Stromerträgen wird von so manchem ein Zusammenbruch der Stromversorgung in Deutschland prognostiziert. Besonders für eine funktionierende Wirtschaft muss die lückenlose Stromversorgung jedoch sichergestellt werden. Und das wird sie – wenn wir das Energiesystem entsprechend modernisieren.

Die Behauptung:

Weil der Strom aus Sonne und Wind Schwankungen unterliegt, wird die Stromversorgung irgendwann zusammenbrechen. Dann gehen in Deutschland die Lichter aus.

Der Faktencheck:

1. Die Bundesnetzagentur bestätigt: Das Niveau der Versorgungssicherheit der Stromerzeugung in Deutschland liegt im europäischen Vergleich weiter auf einem sehr hohen Niveau. Der SAIDI-Index, der die Versorgungsunterbrechung je angeschlossenem Letztverbraucher innerhalb eines Kalenderjahres misst, betrug 2016 12,8 Minuten (im Vergleich zu Werten von 2013 in den Niederlanden von 23 Minuten, in Großbritannien knapp 55 Minuten und in Frankreich etwa 68 Minuten). Eine Verschlechterung der Werte in Deutschland infolge des Erneuerbaren-Ausbaus oder des Kernenergieausstiegs ist nicht zu beobachten. Zudem hat Deutschland in den letzten Jahren vergleichsweise große Mengen an Strom ins Ausland exportiert.

2. Mit dem Strommarktgesetz hat die Bundesregierung mehrere Reservemechanismen zur Absicherung der Stromversorgung implementiert. Diese Bestandskraftwerke sind nicht mehr am Markt tätig und kommen nur dann zum Einsatz, wenn Versorgungsengpässe auftreten.

3. Allerdings kam es in der jüngeren Vergangenheit vermehrt zu Engpässen im Stromnetz, die durch die Netzbetreiber ausgeglichen werden mussten. Das steigert die Kosten für das sogenannte Engpassmanagement, eine sichere Versorgung konnte in Deutschland aber zu jedem Zeitpunkt gewährleistet werden.

4. Damit der Strom da ankommt, wo er benötigt wird, müssen wir in neue Stromnetze investieren. Denn durch die Umstellung auf die erneuerbaren Energien verändern sich auch die Anforderungen an den Transport zum Beispiel von Strom aus Windkraft im Norden an die Wirtschaftsstandorte im Süden.

5. Die Stromnetze müssen intelligent werden: „Smart Grids“, so der gängige Fachausdruck, sollen Lastschwankungen im Netz erkennen und mit steuernden Maßnahmen schnell und zielgerichtet ausgleichen. Und auch steuerbare Verbraucher, beispielsweise in der Industrie, können dazu beitragen, dass zu jedem Zeitpunkt ein sicherer Netzbetrieb gewährleistet wird.

6. Beim weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien werden langfristig auch Speicher eine wichtige Rolle spielen. Dazu werden unterschiedliche Speichertechnologien, wie Pumpspeicherkraftwerke, Batteriespeicher oder Power-to-Gas-Anlagen zum Einsatz kommen, die Strom sowohl kurzfristig (um Tagesschwankungen auszugleichen) als auch über mehrere Wochen und Monate (um saisonale Schwankungen auszugleichen) speichern können.

7. Neben den erneuerbaren Energien werden wir auch hocheffiziente und schnell reaktionsfähige Gaskraftwerke benötigen, die die Versorgungssicherheit auch bei ausbleibendem Wind und gleichzeitig wolkenverhangenem Himmel gewährleisten. Kohlekraftwerke emittieren viel CO2 und können nur mit zeitlichem Aufwand zu- und abgeschaltet werden, so dass sie nicht flexibel genug auf die Schwankungen in der erneuerbaren Erzeugung reagieren und bei Versorgungslücken nicht schnell genug zur Verfügung stehen können.

8. Richtig ist: All dies kostet Kraft. Aber es gefährdet nicht die Stromversorgung im Land. Es kommt jetzt darauf an, die richtigen Weichen zu stellen und schnell die dazu gehörenden Investitionen zu tätigen.

 


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