„Wir sind die Wegbereiter der Energiewende“

Die Energiewende zum Beruf machen: In Baden-Württemberg gibt es zahlreiche Möglichkeiten für eine Ausbildung, ein Studium oder einen Berufseinstieg im Feld Energiewende. Die Berufsbilder sind nicht nur für Ingenieurinnen und Ingenieure spannend: Auch Betriebswirtinnen und Betriebswirte, Kommunikationsfachleute, Kreative, Meteorologinnen und Meteorologen sind gefragt – sowie Expertinnen und Experten aus zahlreichen weiteren Kompetenzbereichen. Wir stellen sechs junge Menschen vor, die die Energiewende als Karriereweg gewählt haben.

Große Potenziale nutzen

Sebastian arbeitet bei einer Energiegenossenschaft im Kreis Göppingen, die sich im kirchlichen Umfeld engagiert. Der 28-Jährige hat Regenerative Energiesysteme an der TU Dresden studiert, der Studiengang ist eine Kombination aus Maschinenbau und Elektrotechnik. Seit knapp einem Jahr besetzt er die einzige feste Stelle in der Genossenschaft, die sich für den Bau von Photovoltaikanlagen in der Region einsetzt. Sein Arbeitstag ist vielfältig: Er ist Ansprechpartner für technische Fragen, besonders im Bereich Photovoltaik. Er kümmert sich um die Projektsteuerung und die Koordination der Handwerker, die die Anlagen installieren. Und er nimmt regelmäßig Ortstermine wahr, um Standorte gut einschätzen zu können und den Fortschritt laufender Bauprojekte zu kontrollieren. Sebastians Motivation liegt darin, seinen persönlichen Beitrag zur Zukunft der Energieversorgung leisten zu wollen. Die Energiegenossenschaft ist dafür genau der richtige Ort für ihn: Er schätzt es, dass die Mitglieder einer Genossenschaft gemeinsam selbstständig agieren können. Energiegenossenschaften sind nicht primär auf Profit ausgerichtet, sondern auf die gemeinsame Umsetzung von Projekten, die die erneuerbaren Energien vorantreiben.

 

„Wir müssen mehr Mut haben! Die Energiewende kann nur funktionieren, wenn wir mutige Lösungen anbieten und dann auch umsetzen.“

Sebastian, 28

Persönlich wünscht Sebastian sich, dass die Energiewende noch mehr Fahrt aufnimmt: „Ich sehe bei meiner Arbeit jeden Tag große Potenziale. Es sind noch viele Dachflächen frei, die es zu nutzen gilt!“ Einen Beruf im Bereich der Energiewende zu ergreifen, ist eine gute Möglichkeit, sich in diesem zukunftsweisenden Feld einzubringen. Dabei, fordert Sebastian auf, solle man mit Mut voranschreiten und nicht nur nach alten Regeln agieren.

Das große Ganze im Auge behalten

Ortswechsel nach Geislingen: Hier studieren Maximilian, 26, und Stephanie, 25, Energie- und Ressourcenmanagement. In diesem Bachelorstudiengang an der HfWU (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt) setzen sich die Studierenden zunächst grundlegend mit Energie und Ressourcen auseinander. Anschließend beschäftigen sie sich mit spezifischeren Themen und können dabei individuelle Schwerpunkte wie Energiewirtschaft, Energiepolitik und Energiemärkte wählen. Diese Kombination gefällt Stephanie besonders gut: „Mir ist es wichtig, bei der Energiewende das große Ganze zu sehen, alle Facetten anzusehen und immer mehrere Lösungen in Betracht zu ziehen.“
Das Studium mit seinem starken BWL-Fokus hilft ihr dabei, diese Zusammenhänge zu erkennen.

 

 

Damit ist sie nicht allein: Maximilian ist ebenfalls von den Schwerpunkten des Studiums überzeugt. Ihm gefällt besonders, dass es ihm aufzeigt, wie Schnittstellen zwischen den Disziplinen der Energiewende optimal genutzt werden können. Seine wichtigste Erkenntnis: Nur wenn Ingenieurswesen, Betriebswirtschaft, Kommunikation und weitere Gewerke Hand in Hand arbeiten, kann die Energiewende funktionieren.
Als freier Autor betreibt Maximilian außerdem eine eigene Website zur Energiewende. Seiner Ansicht nach ist es essentiell, an die Energiewende – beruflich wie privat – engagiert und lösungsorientiert heranzugehen: „Das Thema geht uns alle etwas an. Wenn wir die nächsten entscheidenden Jahre nutzen, können wir es schaffen, als funktionierendes Modell ein Vorbild für andere Länder zu sein.“ 
Junge Menschen mit ihren unverbrauchten Ideen sind jetzt gefragt, um bestehende Strukturen infrage zu stellen und um so neue Lösungen für die komplexen Probleme der Energiewende zu finden.

 

„Dass sich junge Menschen mit ihrem starken Veränderungswillen aktiv einbringen, ist essentiell für das Gelingen der Energiewende.“

Maximilian, 26

Für die Energiewende zählt jede und jeder Einzelne

Die Energiewende als spannenden Themenbereich für Studium und Berufseinstieg empfiehlt auch Simon. Der 25-Jährige hat den Bachelorstudiengang Gebäude-, Energie- und Umwelttechnik an der Fachhochschule Esslingen belegt. In seiner Vertiefungsrichtung, Energietechnik, ging es hauptsächlich darum, wo Energie herkommt, wie sie genutzt wird und was die Konsequenzen dieser Nutzung sind.

 

„Man ist einfach stolz darauf, ein Teil der Energiewende zu sein.“

Simon, 25

An seinen Bachelor anschließend hat Simon kürzlich den Masterstudiengang Energiesysteme und Energiemanagement – ebenfalls in Esslingen – begonnen. Dieser ermöglicht ihm eine globalere Sicht auf Energie und die Energiewende.
Simon ist es sehr wichtig, dass junge Menschen wissen, wie ausschlaggebend ihr Engagement für die Energiewende ist: „Wir dürfen uns nicht auf Erreichtem ausruhen. Wir müssen genau jetzt voranschreiten, und jede und jeder Einzelne zählt!“ Sein Know-how kann er nun auch als Praktikant an einem großen Flughafen in Baden-Württemberg einbringen. Hier arbeitet er an einer Simulation, die Energiebedarf, -nutzung und -erzeugung des Airports gegenüberstellt, um mit den gewonnenen Erkenntnissen seine Energieeffizienz langfristig zu optimieren. 
Ein Studium und Berufseinstieg im Bereich der Energiewende hat laut Simon nicht nur positive Auswirkungen auf die Gesamtgesellschaft, sondern auch für die Einzelperson. Er kann es nur empfehlen, sich beruflich für die Energiewende einzusetzen: „Man ist einfach stolz darauf, ein Teil davon zu sein.“

Die Wegbereiter der Energiewende

Nach seinem Bachelor- und Masterstudium hat auch Patrick, 26, die Energiewende zu seinem Beruf gemacht. Anschließend an sein Bachelorstudium Energie- und Ressourcenmanagement an der HfWU in Geislingen absolvierte er sein Masterstudium der Energiewirtschaft an der Hochschule Biberach. Seitdem arbeitet er in Esslingen bei einem großen Verteilnetzbetreiber an einem zukunftsweisenden Projekt: Die alten Stromzähler in deutschen Unternehmen und Haushalten müssen laut Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende flächendeckend durch moderne Messtechnik ersetzt werden. Diese Technik ermöglicht eine optimale Steuerung und Verteilung erneuerbarer Energien. Sie soll außerdem für einen bewussteren Stromverbrauch sorgen. 

 

 

Patrick kümmert sich darum, dass dafür alles bereit ist – er koordiniert Stadtwerkskunden sowie den Ausbau von Infrastruktur, IT etc.
Seine Generation spielt in seinen Augen eine entscheidende Rolle bei der Energiewende: „Wir jungen Leute sind die Wegbereiter der Energiewende. Sie ist eine Generationenaufgabe, die es gemeinsam anzupacken gilt“. Was er einer jungen Person sagen würde, die vor der Wahl eines Studiums oder einer Ausbildung steht? „Wer sich in der Energiewende beruflich verwirklichen will, muss nicht zwingend Ingenieur oder Ingenieurin sein!“ Die Energiewende ist ein vielfältiges Feld: Gesucht werde z. B. auch in den Bereichen Betriebswirtschaft, Meteorologie, Technik, Kommunikation und Kreativität.

 

„Ich möchte in 50 Jahren noch in einer schönen Welt leben – und sie auch so meinen Kindern hinterlassen.“

Patrick, 26

Seine Empfehlung: Wer im Bereich Energiewende arbeiten will, sollte ein Teamplayer sein. Die Aufgaben in seinem Unternehmen werden v. a. in Projektstrukturen bearbeitet. Außerdem hilft eine große Neugierde für das Thema, denn die Zusammenhänge sind komplex – und ein tiefgehendes Verständnis des Themas sorgt für eine ganzheitliche Betrachtung von Wirtschaft, Industrie, Endverbrauchern und weiteren für die Energiewende relevanten Faktoren.

Dranbleiben – die Geduld zahlt sich aus

Charlotte studiert im Master Elektromobilität an der Universität Stuttgart, nachdem sie dort auch ihr Bachelorstudium Erneuerbare Energien absolviert hat. Nachdem sie sich gegen Ende des Bachelors verstärkt mit Mobilitätslösungen beschäftigt hatte, war der Schritt zum Studium der Elektromobilität naheliegend. Dieser Master beschäftigt sich eingängig mit den nötigen Parametern für funktionierende Elektromobilität, wie z. B. einer intelligenten Lade- und Verteilnetzinfrastruktur.
Die 23-Jährige findet es interessant, wie wenig Menschen sich mit dem Thema Energiewende beschäftigen – obwohl es aktuell doch stark im Fokus steht und stehen muss. Deshalb will sie junge Leute dazu motivieren, sich mit der Energiewende auseinanderzusetzen: „Jede und jeder kann einen Beitrag leisten. Ich möchte besonders auch junge Frauen wie mich ermutigen, sich bei diesem wichtigen Thema einzubringen.“

 

„Beim Studieren im Bereich Energiewende lohnt es sich, durchzuhalten. Sind die etwas trockenen technischen Grundlagen einmal gelernt, wird es erst richtig spannend!“

Charlotte, 23

 

Das Studium, erzählt Charlotte, könne am Anfang zwar etwas Durchhaltevermögen erfordern, da erst einmal sämtliche technische Grundlagen vermittelt werden. Sobald man sich dann jedoch auf einen Themenbereich spezialisiert, beginne jedoch der spannende Teil. Dann fange das Studium erst richtig an, sich auch persönlich zu lohnen.

Weiterführende Links zu Energiewende-Studiengängen in Baden-Württemberg: 

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