Unerschöpflich umweltfreundlich: Wärme aus der Erde

In ihrem Innern brodelt es: Im Erdkern herrschen bis zu 6.000 °C. Aber auch knapp unter der Oberfläche ist genügend Wärme vorhanden, um uns mit Energie zu versorgen. Für viele Experten ist die oberflächennahe Erdwärme – auch „oberflächennahe Geothermie“ genannt – deshalb eine interessante Variante der Energiegewinnung, die nach menschlichen Maßstäben unerschöpflich ist. Welche Nutzungsmöglichkeiten gibt es? Und ist Ihr Heim, Ihr Unternehmen oder Ihre Kommune bereit für die Wärme aus der Erde? Verschaffen Sie sich einen Überblick!

  • Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Wärme aus der Erde zu nutzen: Wärmekollektoren, Brunnen und Erdwärmesonden. 
  • Förderprogramme helfen bei der Finanzierung.
  • Die Investitionen in oberflächennahe Erdwärme lohnen sich dank der deutlich geringeren Heizkosten – oft haben sie sich nach zehn Jahren refinanziert.
Schematische Darstellung der Geothermie

So kommt Erdwärme in die Heizung 

  • Wärmekollektoren: Eine Möglichkeit, die Wärme aus der Erde zu nutzen, sind Wärmekollektoren. Dabei handelt es sich um Wärmetauscher, die rund 1,5 bis 2 m tief in hori-zontalen Schleifen auf dem Grundstück verlegt werden. Dabei gilt die Faustregel: 1,5 m2 Kollektorfläche pro zu beheizenden m2 Wohnfläche.
  • Brunnen: Eine andere Variante ist es, die Wärme des Grundwassers zu nutzen. Hierfür werden Brunnen zum direkten Wärmeentzug aus dem Grundwasser installiert.
  • Erdwärmesonden: Eine weitere Möglichkeit ist es, durch eine vertikale Bohrung Sonden in etwa 100 m Tiefe einzuführen. Mit Hilfe dieser Sonden wird die Wärme ebenfalls über einen Wärmetauscher ins Haus geleitet. 

Bevor der Bohrer anrückt, muss jedoch sichergestellt sein, dass sich das Grundstück überhaupt für eine Bohrung und die Nutzung von Erdwärme eignet.

Eignet sich Ihr Grundstück für Geothermie?

Bei Erdwärmesonden und Erdwärmekollektoren hilft das Informationssystem Oberflächennahe Geothermie für Baden-Württemberg (ISONG) des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau. Es ermöglicht eine erste Analyse jedes Grundstücks in Baden-Württemberg und der Nutzbarkeit von Geothermie in einer Tiefe von bis zu 400 m. Es empfiehlt sich, auch bei der zuständigen unteren Wasserbehörde nachzufragen, ob eine oberflächennahe Nutzung der Erdwärme möglich und genehmigungsfähig ist. 

Was bei der Bohrung für Erdwärmesonden zu beachten ist, erfahren Sie außerdem in den Leitlinien Qualitätssicherung Erdwärmesonden. Die Leitlinien wurden im Jahr 2011 in Baden-Württemberg eingeführt, um das Risiko für Schadensfälle im Zusammenhang mit Erdwärmesonden-Bohrungen für Bauherren und Dritte zu minimieren. Seitdem ist es zu keinem neuen Schadensfall gekommen. Das Risiko einer Erdwärmebohrung ist mittlerweile so gering, dass es durch die verschuldungsunabhängige Versicherung abgedeckt wird.

Wärmen und kühlen: eine Frage der Technik

Egal, ob Wärmekollektoren, Brunnen oder Erdwärmesonden zum Einsatz kommen: Bei allen Varianten wird die Wärme mit Hilfe einer elektrischen Wärmepumpe auf etwa 30 bis 40 °C verdichtet und für Heizung und Warmwasser genutzt – oder gespeichert. 1kWh (Kilowattstunde) Strom, die für die Verdichtung eingesetzt wird, liefert 3 bis 5 kWh Wärme. Für ein gut gedämmtes Gebäude mit großen Heizflächen (z. B. einer Fußbodenheizung) ist das völlig ausreichend. Ein Extra-Plus: Mit der richtigen Technik können Sie die Erdwärme im Sommer sogar zum Kühlen einsetzen.

Klug investieren – und fördern lassen

Wenn Sie Geothermie als Energiequelle nutzen möchten, müssen Sie zunächst höhere Investitionen in Kauf nehmen. Durch die deutlich geringeren Heizkosten sind diese im Schnitt jedoch nach rund zehn Jahren refinanziert. In den meisten Fällen können Sie sich den Heizungstausch zudem finanziell fördern lassen, beispielsweise mit dem L-Bankprogramm „Wohnen mit Zukunft: Erneuerbare Energien“.

Ihr Beitrag zur Energiewende

Daumen hoch

In der öffentlichen Diskussion über die Energiewende spielt Strom die Hauptrolle. Aber: Rund 90 % des Energieverbrauchs in deutschen Haushalten entfallen auf Heizung und Warmwasser. Wärmeenergie ist also ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, die Energieeffizienz im Land zu steigern. 

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