Eigene Energie erzeugen – Bürgerenergieanlagen auf dem Vormarsch

Die Energiewende bringt große Veränderungen mit sich. Diese können nicht von oben herab verordnet werden, wir müssen sie gemeinsam gestalten. Zusammen lässt sich viel erreichen: Schließen Sie sich doch mit anderen zusammen, um eine Bürgerenergieanlage zu betreiben – so können Sie sich schon mit einer kleinen Investition an der Energiewende beteiligen.

Landschaft mit Windrädern
Mit Bürgerenergieanlagen kann jeder an der Energiewende teilhaben. // Copyright: Shutterstock/PRILL

Nicht jeder hat die Möglichkeit oder die finanziellen Mittel, Solarmodule oder Sonnenkollektoren zu installieren. Doch auch mit geringem Einsatz können Sie einen Beitrag leisten. Viele erfolgreiche Bürgerenergieanlagen zeigen, wie es geht: Durch den Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern können Kapital und Wissen gebündelt und auch große Projekte realisiert werden. So können Sie gemeinsam mit anderen in einen Windpark investieren oder Dächer pachten, um eine Photovoltaikanlage zu installieren. Auch die Investition in moderne Anlagen zur Steigerung der Energieeffizienz kann sich lohnen, viele Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich schon heute an solchen Anlagen. Beispiele und Investitionsmöglichkeiten im Bereich Energieeffizienz sind in der Broschüre "Energiesparen in Bürgerhand" zu finden.

Bürgerenergieanlagen – Erfolgsmodell mit vielen Gesichtern

Sie haben die Möglichkeit, sich rein finanziell zu beteiligen. So können Sie schon durch einen geringen finanziellen Beitrag von der Einspeisevergütung profitieren. Eine weitere Möglichkeit ist es, mit anderen Bürgerinnen und Bürger eine Betreibergesellschaft zu gründen. Diese so genannten Bürgerenergieanlagen im engeren Sinne lassen zu, dass Sie Miteigentümer der Gesellschaft werden und dadurch Mitbestimmungs- und Kontrollrechte erhalten. 
Während in der Anfangsphase v. a. Bürgersolaranlagen gebaut wurden, sind die Projekte mittlerweile bunter und vielfältiger geworden. So gibt es heute auch genossenschaftlich betriebene Windkraftanlagen und KWK-Anlagen, aber auch Nahwärmenetze und zahlreiche Effizienzprojekte. Viele Genossenschaften erschließen neue Geschäftsfelder oder schließen sich für Kooperationsprojekte zusammen. Anfang 2018 zählte der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband rund 150 Energiegenossenschaften zu seinen Mitgliedern. Sie erwirtschaften gemeinsam einen Umsatz von rund 270 Mio. €. 
Bürgerenergieanlagen können in unterschiedlichen Formen betrieben werden. Die folgenden drei sind am beliebtesten:

  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) 
    Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ist am schnellsten und einfachsten zu gründen. Sie kann theoretisch von zwei Personen ohne schriftlichen Gesellschaftervertrag ins Leben gerufen werden. Die Einspeisevergütung des erzeugten Stroms kann nach dem Abzug der laufenden Kosten anteilig an die GbR-Gesellschafter verteilt werden. Diese haften allerdings auch in vollem Umfang mit ihrem Privatvermögen.
  • GmbH & Co. KG
    Für größere Projekte bietet es sich an, sich zu einer GmbH & Co. KG zusammenzuschließen. Diese beschränkt die Haftung der Beteiligten und erleichtert zudem die Einbindung vieler Kapitalgeber. Der Gründungs- und Verwaltungsaufwand ist allerdings groß.
  • Eingetragene Genossenschaft (eG)
    Die eingetragene Genossenschaft (eG) ist eine eigene Rechtsform und unterliegt dem Genossenschaftsgesetz (GenG). Jedes Mitglied hat unabhängig von der Höhe der Kapitalanlage eine Stimme in der Generalversammlung. Auch hier ist die Haftung beschränkt. Seit 2006 wurden deutschlandweit über 1.000 Energiegenossenschaften gegründet (Quelle: Leuphana Universität Lüneburg).

Mehr Informationen und zahlreiche Beispiele aus der Praxis finden Sie auch in den Broschüren „Bürger machen Energie“ und „Energiegenossenschaften – Erfolgsbeispiele aus Baden-Württemberg“ des Umweltministeriums Baden-Württemberg.  

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