Strompreise – wohin geht die Reise für Unternehmen in Baden-Württemberg?

Was zahlen Unternehmen in Baden-Württemberg für ihren Strom? Welche Unterschiede bestehen zwischen verschiedenen Branchen? Und wie könnten sich die Strompreise künftig entwickeln? Aktuelle Zahlen aus dem Energiepreisbericht für Baden-Württemberg 2020 des Leipziger Instituts für Energie finden Sie in unserer Bildergalerie. Die vollständige Studie können Sie auf der Seite des Umweltministeriums Baden-Württemberg herunterladen.

Industriestrompreise im Mittelstand im internationalen Vergleich

Die Industriestrompreise für mittelständische Unternehmen sind 2020 im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Im Vergleich zu 2019 sanken die Preise nominal um 3,6 Prozent. Für Mittelspannungskundinnen und -kunden stieg der Preis seit 2015 um 16,6 Prozent auf 17,76 Cent pro Kilowattstunde. Die Strompreise für Gewerbebetriebe und mittelständische Unternehmen in Deutschland sind weiter deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Einen hohen Teil der Kosten machen dabei staatlich induzierte Preisbestandteile aus.

Industriestrompreise für energieintensive Unternehmen im internationalen Vergleich

Unternehmen mit hohen Stromverbräuchen (Verbrauchergruppe IF) zahlen deutlich niedrigere Strompreise als kleine und mittelständische Unternehmen. Denn: Für sie gelten oft Ausnahmeregelungen bei Umlagen, Steuern und Entgelten. Der Strompreis für diese Verbrauchsgruppe senkte sich im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent und lag 2020 zwischen 6,09 und 20,5 Cent pro Kilowattstunde. Im Vergleich zu 2011 kann diese Verbrauchsgruppe aber immer noch einen Rückgang um nominal 14,1 Prozent verzeichnen.

Industriestrompreise nominal im europäischen Vergleich für die Verbrauchergruppen IF
Industriestrompreise inflationsbereinigt
Industriestrompreise nominal (oben) und inflationsbereinigt (unten) im europäischen Vergleich für die Verbrauchergruppen IF

Branchenvergleich der Strompreise in der Industrie

Zwischen verschiedenen Industriebranchen bestehen erhebliche Preisunterschiede. Dazu wurden im Energiepreisbericht 2020 die Preise für durchschnittliche Verbraucherinnen und Verbraucher aus verschiedenen Industriezweigen (Metallerzeugung, Papier, Maschinenbau und Kraftwagenbau) verglichen. Aufgrund unterschiedlicher Unternehmens- und Industriestrukturen, beispielsweise der Strom- und Handelsintensitäten, profitieren Branchen unterschiedlich stark von Ausnahmeregelungen, zum Beispiel bei der EEG-Umlage oder den Netzentgelten. 

Diagramm: Nettostrompreis für durchschnittliche Verbraucher BW
Nettostrompreis für durchschnittliche Verbraucher in Baden-Württemberg 2018

Bundesländervergleich der Gewerbestrompreise

Die Strompreise der Industrie bilden sich vor allem überregional. Durch Unterschiede in der Wettbewerbsintensität im Vertrieb und den Netzentgelten ergeben sich aber auch auf Landesebene Unterschiede. Der Bundesländervergleich zeigt, dass die Gewerbestrompreise (unter Berücksichtigung der günstigsten Angebote der örtlichen Grundversorger und der überregionalen Versorger) 2020 in Baden-Württemberg über dem Bundesdurchschnitt lagen. 

Marktübersicht über angebotene Gewerbestrompreise nach Bundesländern
Marktübersicht über angebotene Gewerbestrompreise nach Bundesländern

Prognose der Industriestrompreise  

Ausgangspunkt der Prognose der Strompreise ist der an der Strombörse „European Energy Exchange“ gehandelte durchschnittliche Terminmarktpreis für eine Grundlastlieferung im Folgejahr, der sogenannte „Phelix Base Year Future“ („Phelix“ steht dabei für „Physical Electricity Index“). Die Expertinnen und Experten erwarten, dass dieser nach dem Tief im Jahr 2020 noch einmal ansteigen. Es wird prognostiziert, dass der Preis bis 2027 nominal eine Höhe von 49,8 Euro pro Megawattstunde (real 41,6 Euro pro Megawattstunde) erreicht. Der durchschnittliche Börsenstrompreis könnte somit nominal 32,1 Prozent (real 17,8 Prozent) höher als der des Jahres 2019 liegen.

Die nominalen Strompreise für private Haushalte liegen 2026 bei 33,82 Cent pro Kilowattstunde (real bei 28,51 Cent pro Kilowattstunde) und somit unter dem realen Ausgangsniveau vom Jahr 2019. Hier fallen insbesondere der erwartete Anstieg der Vertriebs- und Marge-Kosten, Nutzungsentgelte, sowie die wieder steigenden Spotmarktpreise ins Gewicht. Die EEG-Umlage wiederum nimmt bis zum Jahr 2026 nominal um 37,3 Prozent (real um 43,1 Prozent) ab. 
Ebenso wie die nominalen Strompreise für private Haushalte, sinken die nominalen Preise für die mittelständische Industrie. Diese sinken um 1,6 Prozent (real um 10,9 Prozent) bis 2026. Während die nominalen Strompreise für private Haushalte und mittelständische Industrie sinken, steigen die realen Strompreise bis 2026 um 10,9 Prozent für die energieintensive Industrie. Dieser Anstieg ist eine direkte Folge der steigenden Börsenstrompreise. 

Nominale Strompreise für die mittelständische Industrie in Deutschland bis 2026
Nominale Strompreise für die mittelständische Industrie in Deutschland bis 2026

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