Strompreise – wohin geht die Reise für Unternehmen in Baden-Württemberg?

Was zahlen Unternehmen in Baden-Württemberg für ihren Strom? Welche Unterschiede bestehen zwischen verschiedenen Branchen? Und wie könnten sich die Strompreise künftig entwickeln? Aktuelle Zahlen aus dem Energiepreisbericht für Baden-Württemberg 2019 des Leipziger Instituts für Energie finden Sie in unserer Bildergalerie. Die vollständige Studie können Sie auf der Seite des Umweltministeriums Baden-Württemberg herunterladen.

Industriestrompreise im Mittelstand im internationalen Vergleich

Die Industriestrompreise für mittelständische Unternehmen sind 2019 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das Leizpiziger Institut für Energie errechnete für einen Referenzfall einen Anstieg um nominal 2,6 % im Vergleich zu 2018 auf 18,42 ct/kWh. Im Vergleich zu 2015 stiegen die Preise nominal um 21 %. Die Strompreise für Gewerbebetriebe und mittelständische Unternehmen in Deutschland sind weiter deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Einen hohen Teil der Kosten machen dabei staatlich induzierte Presibestandteile aus. 

Industriestrompreise für energieintensive Unternehmen im internationalen Vergleich

Unternehmen mit hohen Stromverbräuchen (Verbrauchergruppe IF) zahlen deutlich niedrigere Strompreise als kleine und mittelständische Unternehmen. Denn: Für sie gelten oft Ausnahmeregelungen bei Umlagen, Steuern und Entgelten. Der Strompreis für diese Verbrauchergruppe stieg zuletzt nur leicht um 1,1 % und lag 2019 zwischen 6,4 und 22,4 ct/kWh. Damit vergrößerte sich die Spannbreite im Vergleich zu 2018 weiter. Im Vergleich zu 2011 kann diese Verbrauchsgruppe aber immer noch einen Rückgang um nominal 9,6 % verzeichnen.  

Industriestrompreise nominal im europäischen Vergleich für die Verbrauchergruppen IF
Industriestrompreise inflationsbereinigt
Industriestrompreise nominal (oben) und inflationsbereinigt (unten) im europäischen Vergleich für die Verbrauchergruppen IF

Branchenvergleich der Strompreise in der Industrie

Zwischen verschiedenen Industriebranchen bestehen erhebliche Preisunterschiede. Dazu wurden im Energiepreisbericht 2019 die Preise für durchschnittliche Verbraucher  aus  verschiedenen Industriezweigen (Metallerzeugung, Papier, Maschinenbau und Kraftwagenbau) verglichen. Aufgrund unterschiedlicher Unternehmens- und Industriestrukturen, bspw.  der Strom- und Handelsintensitäten, profitieren Branchen unterschiedlich stark von Ausnahmeregelungen, z. B. bei der EEG-Umlage oder den Netzentgelten. 
 

Diagramm: Nettostrompreis für durchschnittliche Verbraucher BW
Nettostrompreis für durchschnittliche Verbraucher in Baden-Württemberg 2018

Bundesländervergleich der Gewerbestrompreise

Die Strompreise der Industrie bilden sich vor allem überregional. Durch Unterschiede in der Wettbewerbsintensität im Vertrieb und den Netzentgelten ergeben sich aber auch auf Landesebene Unterschiede. Der Bundesländervergleich zeigt, dass die Gewerbestrompreise (unter Berücksichtigung der günstigsten Angebote der örtlichen Grundversorger und der überregionalen Versorger) 2019 in Baden-Württemberg 4,7 % über dem Bundesdurchschnitt lagen. Damit kommt Baden-Württemberg auf den vorletzten Platz und ist das zweitteuerste der 16 Bundesländer. 

Marktübersicht über angebotene Gewerbestrompreise nach Bundesländern
Marktübersicht über angebotene Gewerbestrompreise nach Bundesländern

Prognose der Industriestrompreise  

Ausgangspunkt der Prognose der Strompreise ist der an der Strombörse „European Energy Exchange“ (EEX) gehandelte durchschnittliche Terminmarktpreis für eine Grundlastlieferung im Folgejahr, der sogenannte „Phelix Base Year Future“ („Phelix“ steht dabei für „Physical Electricity Index“). Die Experten erwarten, dass das Tief von 2016 im Jahr 2020 aufgrund der Corona-Krise noch einmal unterschritten wird. Nach diesem Tief im Jahr 2020 soll der Preis bis 2026 nominal eine Höhe von 49,1 €/MWh (real 41,9 €/MWh) erreichen. Der durchschnittliche Börsenstrompreis könnte somit nominal 30,2 % (real 17,9 %) höher als der des Jahres 2019 liegen.

Die nominalen Preise für die mittelständische Industrie sinken um 1,6 % (real um 10,9 %) bis 2026. Die Preissenkung ist vor allem auf die Entlastungen der EEG-Umlage ab 2021 zurückzuführen, während Spotmarktpreises, Netznutzungsentgelte, Vertriebskosten und Margen steigen.

Für die energieintensive Industrie steigen die realen Strompreise bis 2026 um 10,9 %. Bei der Berechnung für ein Beispielunternehmen gehen die Experten davon aus, dass das Unternehmen eine KWK-Umlage in Höhe von 15 % der regulären Abgabe ab 2019 zahlen muss und nicht von der Entlastung der EEG-Umlage in Folge der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung profitieren kann. Die Zahlung der EEG-Umlage der energieintensiven Industrie sind für den betrachteten Fall bereits reduziert

Nominale Strompreise für die mittelständische Industrie in Deutschland bis 2026
Nominale Strompreise für die mittelständische Industrie in Deutschland bis 2026

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