Strompreise – wohin geht die Reise für Unternehmen in Baden-Württemberg?

Was zahlen Unternehmen in Baden-Württemberg für ihren Strom? Welche Unterschiede bestehen zwischen verschiedenen Branchen? Und wie könnten sich die Strompreise künftig entwickeln? Aktuelle Zahlen aus dem Energiepreisbericht für Baden-Württemberg 2017 des Leipziger Instituts für Energie finden Sie in unserer Bildergalerie. Die vollständige Studie können Sie auf der Seite des Umweltministeriums Baden-Württemberg herunterladen.

Diagramm: Industriestrompreise im Mittelstand im internationalen Vergleich

Industriestrompreise im Mittelstand im internationalen Vergleich

Nach dem deutlichen Anstieg der Industriestrompreise für mittelständische Unternehmen (Verbrauchergruppe IC) bis 2014 war das Preisniveau in den letzten Jahren weitgehend stabil. Die Kostenbestandteile Energie und Versorgung sind dabei etwas gesunken. Die Netzkosten sowie Steuern und Abgaben hingegen leicht angestiegen. Die Strompreise für Gewerbebetriebe und mittelständische Unternehmen liegen in Deutschland allerdings deutlich über dem europäischen Durchschnitt, vor allem aufgrund der staatlich induzierten Preisbestandteile. 

Diagramm: Industriestrompreise für energieintensive Unternehmen im internationalen Vergleich

Industriestrompreise für energieintensive Unternehmen im internationalen Vergleich

Unternehmen mit hohen Stromverbräuchen (Verbrauchergruppe IF) zahlen deutlich niedrigere Strompreise als kleine und mittelständische Unternehmen. Denn: Für sie gelten oft Ausnahmeregelungen bei Umlagen, Steuern und Entgelten. Von 2014 bis 2016 sind die Strompreise in dieser Verbrauchsgruppe aufgrund des Rückgangs der Großhandelsstrompreise gefallen. Auffällig ist ein starker Anstieg des Strompreises in Deutschland 2017 im Vergleich zum Rest der EU. Der Preis stieg von 2016 auf 2017 um 20,5 %. Mit 10,6 ct/kWh lag Deutschland damit 34,2 % über dem Durchschnittspreis der EU-Staaten, der 7,9 ct/kWh betrug. Einerseits sind Steuern und Abgaben weiter gestiegen sowie andererseits die Kosten für Energie und Versorgung in dieser Verbrauchergruppe. 

Diagramm: Branchenvergleich der Strompreise in der Industrie

Branchenvergleich der Strompreise in der Industrie

Zwischen verschiedenen Industriebranchen bestehen erhebliche Preisunterschiede. Dazu wurden im Energiepreisbericht 2017 die Preise für durchschnittliche Verbraucher  aus  verschiedenen Industriezweigen (Metallerzeugung, Papier, Maschinenbau und Kraftwagenbau) verglichen. Aufgrund unterschiedlicher Unternehmens- und Industriestrukturen, bspw.  der Strom- und Handelsintensitäten, profitieren Branchen unterschiedlich stark von Ausnahmeregelungen, z. B. bei der EEG-Umlage oder den Netzentgelten. 
 

Bundesländervergleich der Gewerbestrompreise

Bundesländervergleich der Gewerbestrompreise

Die Strompreise der Industrie bilden sich vor allem überregional. Durch Unterschiede in der Wettbewerbsintensität im Vertrieb und den Netzentgelten ergeben sich aber auch auf Landesebene Unterschiede. Der Bundesländervergleich zeigt, dass die Gewerbestrompreise (unter Berücksichtigung der günstigsten Angebote der örtlichen Grundversorger und der überregionalen Versorger) 2017 in Baden-Württemberg um 5,8 % niedriger als der Bundesdurchschnitt und um 0,6 % niedriger als im Vorjahr lagen. 

Diagramm: Prognose der Industriestrompreise

Prognose der Industriestrompreise (nicht-energieintensive Unternehmen)

Die Abschätzung der Strompreisentwicklung in den nächsten Jahren basiert auf den Preisen der am Terminmarkt gehandelten Jahresterminkontrakte. Zudem wird davon ausgegangen, dass die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen beibehalten werden. Aufgrund steigender Spotmarktpreise, höherer Netznutzungsentgelte, höherer Vertriebs- und Margekosten sowie einer bis 2021 steigenden EEG-Umlage wird bis 2024 eine erneute Steigerung der nominalen Strompreise für nicht-energieintensive Unternehmen erwartet. Auch für energieintensive Großunternehmen ist ein Anstieg der Nominalpreise infolge steigender Börsenstrompreise zu erwarten. Zusätzlich erhöht sich mit den neuen Regelungen des KWKG der Anteil an der KWK-Umlage und eine Befreiungsmöglichkeit von der AbLa-Umlage ist nicht mehr möglich.  Bei solchen Preisprognosen über mehrere Jahre ist allerdings zu beachten, dass sie mit vielen Unsicherheiten behaftet sind. Bei Annahme einer jährlichen Inflationsrate von 1,7 % bleiben die realen Strompreise hingegen im Betrachtungszeitraum bis 2024 nahezu konstant.

 

Quelle: 
Leipziger Institut für Energie

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