Hochschule für Polizei Biberach: Ausgleich des öffentlichen Stromnetzes

Die Stadtwerke-Kooperation SüdWestStrom hat in Biberach gemeinsam mit der Liegenschaftsverwaltung des Landes Baden-Württemberg ein Vorzeigeprojekt umgesetzt. Das Projekt verbindet die beiden Sektoren regenerative Stromerzeugung und lokaler Wärmebedarf: Der Polizei-Nachwuchs in Biberach wird auf einem Gelände ausgebildet, das klimafreundlich mit Strom und Wärme versorgt wird. Ein hybrides Heizkraftwerk erzeugt die benötigte Wärme entweder mit regenerativem Strom aus dem öffentlichen Netz oder – bei gleichzeitiger Strom-Rückspeisung – aus den mit Erdgas betriebenen Blockheizkraftwerk-Aggregaten.

Dieses Projekt wurde vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg für seinen besonderen Beitrag zur Energiewende ausgezeichnet. Eine Übersicht aller geehrten Projekte finden Sie hier.

Minister Franz Untersteller verleiht den Verantwortlichen des Projekts die Ehrung „Hier wird die Energiewende gelebt“. V. l. n. r.: Dr. Friedrich Weng (Projektleiter und ehemaliger SüdWestStrom-Geschäftsführer), Wilmuth Lindenthal (Amtsleiter Vermögen und Bau BW), Franz Untersteller, Christoph Kappeler (Leiter Zentrale Aufgaben-Dienstleistungen, Hochschule für Polizei BW).
Minister Franz Untersteller verleiht den Verantwortlichen des Projekts die Ehrung „Hier wird die Energiewende gelebt“. V. l. n. r.: Dr. Friedrich Weng (Projektleiter und ehemaliger SüdWestStrom-Geschäftsführer), Wilmuth Lindenthal (Amtsleiter Vermögen und Bau BW), Franz Untersteller, Christoph Kappeler (Leiter Zentrale Aufgaben-Dienstleistungen, Hochschule für Polizei BW).

Initiative ergreifen für die Energiewende

Mit einem zukunftsweisenden Konzept und großem Engagement setzt die Südwestdeutsche Stromhandels GmbH 2014 das Projekt „Hybrides Heizkraftwerk“ in Biberach um. Das Ziel: Mit einem innovativen Anlagen-Design soll die ortsansässige Polizeihochschule mit Energie versorgt werden. Darüber hinaus kann das hybride Heizkraftwerk im Bedarfsfall Defizite im öffentlichen Stromnetz ausgleichen. Der Einsatz zahlt sich aus: 2015 wird das Pilotprojekt erfolgreich fertiggestellt und an die Polizeihochschule übergeben. 

Vier Männer im Gespräch
Der Minister betont in seiner Ansprache, wie wichtig innovative Ideen für die Energiewende sind. Rechts neben ihm: Projektleiter Dr. Friedrich Weng.

Kosten- und energieeffiziente Strom- und Wärmeerzeugung 

Das hybride Heizkraftwerk besteht aus einer elektrisch betriebenen Wärmepumpe, einem Elektrokessel sowie zwei mit Erdgas betriebenen Blockheizkraftwerken (BHKW). Die in der Liegenschaft nachgefragte Wärme kann also entweder mit regenerativem Überschussstrom aus dem Netz erzeugt werden oder, bei gleichzeitiger Stromrückspeisung, durch die gasbetriebenen BHKW. Zwei Wärmespeicher bieten zusätzliche Flexibilität und reduzieren den Leistungsbedarf der Wärmeerzeuger, indem sie Bedarfsspitzen decken. Der Betrieb der Wärmepumpen wird durch Brennwertwärmetauscher der BHKW, Solarabsorber und Niedertemperaturspeicher sichergestellt. Ein zusätzlicher Erdgas-Kessel dient als Ausfallreserve.

Die Kosten für den Betrieb des hybriden Heizkraftwerks orientieren sich an den Preisen der Leipziger Strombörse. Die mit Strom angetriebene Wärmepumpe und der Elektrokessel werden vorrangig in Zeiten betrieben, in denen der Strom-Börsenpreis niedrig ist. Außerdem berechnet eine Steuerungssoftware die wirtschaftlich optimale Fahrweise des hybriden Heizkraftwerks. Sie berücksichtigt dabei zum Beispiel die prognostizierten Strom-Börsenpreise sowie Bedarfs- und Wetterprognosen.

Die Wärmepumpe und der Elektrokessel werden mit regenerativ erzeugtem, überschüssigem Strom aus dem öffentlichen Netz betrieben. Bei Bedarf kann das hybride Heizkraftwerk den erzeugten Strom in das öffentliche Netz einspeisen. Das ist besonders dann relevant, wenn nicht genug Strom für die Nachfrage im öffentlichen Netz erzeugt wird. Dieser Fall kann beispielsweise eintreten, wenn die regenerative Stromerzeugung aufgrund von Wetter- und Windverhältnissen schwankt.

Stromspeicher für das öffentliche Netz

Das hybride Heizkraftwerk wirkt darüber hinaus wie ein saisonaler Stromspeicher für das öffentliche Netz: Es entnimmt ihm im Sommer überschüssigen regenerativen Strom für den Betrieb der Wärmepumpe. Im Winter und in Zeiten geringer regenerativer Stromerzeugung speist es dann effizient erzeugten Kraft-Wärme-Kopplung-Strom (KWK) ins Netz zurück.
Da im Sommer und in der Übergangszeit weniger geheizt wird, wird in dieser Zeit außerdem Erdgas eingespart. Dieses wird in einer speziell dafür konstruierten Infrastruktur gespeichert und dann im Winter zur Stromerzeugung in den BHKW genutzt.
Auf eine längere Sicht kann auf diese Weise die Nutzung fossiler Ressourcen gesenkt werden. Hochrechnungen für die nächsten 30 Jahre ergeben, dass sich die Betriebsstunden der BHKW und damit der Einsatz fossilen Erdgases in den elektrischen Wärmeerzeugern von derzeit 3.000 Stunden pro Jahr auf ca. 1.000 Stunden reduzieren lassen. Das hybride Heizkraftwerk verbrauchte bereits bei Inbetriebnahme rund 40 % weniger Erdgas als die frühere Kesselanlage.

Das hybride Heizkraftwerk in Biberach
Das hybride Heizkraftwerk in Biberach
Minister Franz Untersteller steht neben dem Heizkraftwerk
Auch der Minister ist zufrieden: Das Projekt zeigt nach drei Jahren Betrieb schon gute Ergebnisse.
Projektleiter Dr. Friedrich Weng gibt Einblick in die Funktionsweise.
Projektleiter Dr. Friedrich Weng gibt Einblick in die Funktionsweise.
Das Gebäude von Außen
Gut versorgt: Das hybride Heizkraftwerk in Biberach erzeugt Strom und Wärme für die Polizeihochschule und gleicht den Bedarf im öffentlichen Netz aus.

Auf das Ergebnis kommt es an

Der Einsatz des hybriden Heizkraftwerks führt schon nach kurzer Zeit zu sichtbaren Ergebnissen. Nach drei Jahren Betrieb zeigt sich: Der Primärenergieeinsatz ist um 38 % geringer als vor dem Bau. Hochrechnungen zufolge reduziert das Heizkraftwerk den Bedarf der Hochschule an fossilen Energielieferanten bis 2050 um 80 %. 

Freund und Helfer der Energiewende

Die Polizeianwärterinnen und -anwärter können in Biberach ganz unbesorgt studieren. Für Strom und Wärme ist gesorgt! Die Hochschule ist dank des Pilotprojekts von SüdWestStrom ein „Ort voller Energie“. Und die Studierenden können sich ganz darauf konzentrieren, im Verkehr, auf Streife und in der Kriminalitätsbekämpfung jederzeit einsatzbereit zu sein – so wie das hybride Heizkraftwerk.

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