Die Energiewende in Aktion

Die Energiewende ist noch lange nicht vollendet. Doch vielerorts im Lande kann man sie schon sehen. Sehen Sie hier, wo in Baden-Württemberg das Energiesystem von morgen schon heute mitgestaltet wird.

Draufsicht mehrerer Häuser mit Solaranlagen auf den Dächern
Die Niedrigenergiesiedlung im Freiburger Stadtteil Vauban. // Copyright: Andrewglaser, CC-BY-SA
Drei Staßenlaternen mit LED-Birnen
Sparsam: LED-Straßenlaternen reduzieren sowohl den CO₂ Ausstoß als auch Kosten. // Copyright: CREE

Armee geht, Energiewende kommt

In Freiburg im Breisgau liegt diese ehemalige Kaserne. Der Stadtteil Vauban gilt heute als Vorzeigeprojekt für klimafreundliches Wohnen. Das ist das Ergebnis jahrzehntelangen Engagements der Bürgerinnen und Bürger. Nachdem Anfang der 1990er Jahre die französische Armee abgezogen war, entstanden auf dem Gelände Häuser und Wohnblocks nach dem Niedrigenergiestandard. Manche Gebäude produzieren übers Jahr gerechnet inzwischen mehr Energie als sie verbrauchen.

Mehr Licht, weniger Energieverbrauch

Bei Nacht kann man sie sehen: die Energiewende in der Gemeinde Sandhausen. Mehr als 1.000 von insgesamt 1.300 Straßenlaternen strahlen dann mit LED-Lampen. Verglichen mit herkömmlicher Beleuchtung werden dadurch 271 t CO₂ jährlich eingespart. 190 km südlich ist man noch sparsamer: Die LED-Laternen in der Gemeinde Ballrechten-Dottingen sind mit Bewegungsmeldern ausgestattet und leuchten nur, wenn jemand kommt.

Fluss mit Wasserkraftwerk
Umweltschonend: Das 2011 ausgezeichnete Wasserkraftwerk in Mittelbaden. // Copyright: E-Werk Mittelbaden
Kleines Dorf im Grünen mit Windrad im Hintergrund
Die Bürger der Gemeinde Freiamt nehmen die Energiewende selbst in die Hand.

Immer mit dem Strom

In Gengenbach und Offenburg stehen zwei bislang einzigartige Wasserkraftwerke. Durch drehbare Turbinen können sie das Energiepotenzial des Wassers doppelt so effektiv nutzen wie gewöhnliche Wasserkraftwerke und arbeiten schon bei Höhenunterschieden von weniger als 5 m effizient. Das ist gut fürs Landschaftsbild, die Wassertiere und die Menschen – die Turbinen sind nämlich kaum zu hören. 2011 zeichnete die Europäische Union die Flexi-Kraftwerke als bestes Umweltprojekt aus.

Energiewende Marke Eigenbau

Es begann 1997 mit einem 29 m hohen Fichtenstamm und einem Windmessgerät an der Spitze. Nach zweijähriger Feldforschung beschlossen die Bürger der Gemeinde Freiamt, die Energiewende in die eigenen Hände zu nehmen. Eine Bürgerbeteiligungsgesellschaft mit fast 150 Gesellschaftern finanzierte und errichtete zwei Windmühlen des Typs Enercon E-66. Diese liefern – zusammen mit einem weiteren Windrad und knapp 250 Solaranlagen – pro Jahr über 3 Mio. kWh (Kilowattstunden) – das entspricht dem Bedarf von etwa 1.000 Haushalten (Quelle: Ökostromgruppe Freiburg). 

Ursula und Michael Sladek stehen zwischen Photovoltaikanlagen
Aus Rebellen wurden bundesweite Stromversorger: Ursula und Michael Sladek. // Copyright: EWS Schönau
Kleines Dorf mit einer Biogasanlage und Photovoltaikanlagen
Der Stadtteil Mauenheim der Gemeinde Immendingen versorgt sich zu 100% selbst.

Vom Stromrebellen zum Versorger

Tschernobyl war der Auslöser: Der Widerstand gegen die Atomkraft hat die Schwarzwaldgemeinde Schönau einst bekannt gemacht. Aus dem Protest wurde Tatkraft. Mit Spendengeldern und dem Kapital von 750 Privatpersonen konnte die Gemeinde im Jahr 1994 auf Initiative von Ursula und Michael Sladek (Foto) das Stromnetz vom regionalen Energieversorger komplett übernehmen. Inzwischen produzieren die Elektrizitätswerke Schönau mehr Energie als die Bürger dort verbrauchen. Aus den einstigen Stromrebellen ist ein bundesweit aktiver Stromversorger geworden – mit mehr als 194.000 Kunden (Quelle: EWS Schönau). 

Von hier für hier

Der Ortsteil Mauenheim der Gemeinde Immendingen ist das erste Dorf in Baden-Württemberg, das Strom und Wärme komplett aus heimischen erneuerbaren Energien erzeugt. Ein Blockheizkraftwerk, eine Biogasanlage und mehrere Solarkraftwerke versorgen die rund 450 Einwohner (Quelle: solarkomplex AG). 70 Gebäude sind angeschlossen, die CO₂-Einsparung beträgt pro Jahr 1.000 t.

Park bei Nacht mit leuchtenden Straßenlaternen
Leuchten nur dann, wenn man sie braucht: Die LED-Laternen der Gemeinde Tuningen. // Copyright: Hess GmbH Licht + Form

Die Nacht zum Tag machen

Sie sind deutschlandweit die Ersten und in Sachen Energiewende echte Vorbilder: Die Bürger der Gemeinde Tuningen im Schwarzwald-Baar-Kreis. Sie haben ihre komplette Straßenbeleuchtung auf sensorgesteuerte LED-Lampen umgestellt. Damit spart die Gemeinde nun jedes Jahr 141.000 kWh Strom ein, was etwa 25.000 € entspricht. 

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