Die Energiewende und der Faktor Gemeinschaft

Energiewende heißt: Verantwortung übernehmen. Für Mensch und Umwelt im täglichen Handeln, aber auch ganz konkret bei der Energie- und Wärmeversorgung. Erneuerbar und unabhängig soll sie sein. In der Gemeinde Ebenweiler, die sich nördlich von Ravensburg befindet, ist die Energiewende ein Nachbarschaftsprojekt. Und wo Verantwortung gemeinschaftlich getragen und die Energiewende gemeinsam vorangetrieben wird, lassen die Erfolge nicht lange auf sich warten. Das zeigt das Großprojekt „Bioenergiedorf Ebenweiler“ auf ganz besondere Weise. 

Dieses Projekt wurde vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg für seinen besonderen Beitrag zur Energiewende ausgezeichnet. Eine Übersicht aller geehrten Projekte finden Sie hier.

Minister Untersteller überreicht die Ehrung „Hier wird die Energiewende gelebt“
Minister Untersteller überreicht die Ehrung „Hier wird die Energiewende gelebt“
Minister Untersteller im Gespräch
Minister Untersteller im Gespräch: Oft beginnt die Energiewende im Dialog …
Bürgermeister Brändle hält eine Rede
… und geht weiter mit Entscheidungen. Für Bürgermeister Brändle fallen diese immer zugunsten der Nachhaltigkeit.
Bürger vor dem Schild "Bürger-Energie Ebenweiler e.G."
Die Bewohner beteiligen sich aus Überzeugung am Projekt – mit ihrer Genossenschaft Bürger-Energie Ebenweiler e.G.
Mann zeigt etwas an einer Flipchart
Die Visionen der Bewohner gehen Hand in Hand mit dem Know-how von Experten aus der Region.
Projektflyer
Die Eckpfeiler des Bioenergiedorfs – kompakt im Projektflyer festgehalten.
Schild mit der Aufschrift "Biogas Wärme"
Wahre Bekenner: Biogas hat sich für die Gemeinde als die ideale Wärmequelle entpuppt.

Eine Nachbarschaft macht sich auf den Weg 

Die Ebenweilerinnen und Ebenweiler machen sich schon lange stark für die Energiewende. Neben privaten Solaranlagen gab es vor der Umsetzung des Bioenergiedorfs bereits einen hohen Anteil an Holzheizungen. 2013 entschlossen sich die Bewohner dann, gemeinsame Sache zu machen, um noch unabhängiger von fossilen Energiequellen zu werden. Sie gründeten die Genossenschaft „Bürger-Energie Ebenweiler eG“ mit dem Ziel, ein unabhängiges Nahwärmenetz auf regionaler Wertschöpfung zu verwirklichen. Mehr als 100 der 380 Ebenweiler Haushalte werden mittlerweile klimafreundlich mit Wärme versorgt. 

Regionale Wertschöpfung: Energie aus nächster Nähe   

Kommunale Großprojekte der Energiewende, wie die Nahwärmenetze, gelingen nur mit der Beteiligung und dem Mitwirken aller. Ebenweiler hat das verstanden: Hier wirken die Verwaltung der Gemeinde, die lokalen Unternehmen und die Bürgerinnen und Bürger gemeinsam. Für die Wärmeerzeugung und den Betrieb der Biogasanlage ist der Energiehof Geßler & Gläser GbR verantwortlich. Für die Verteilung der Wärme über das Wärmenetz ist die Genossenschaft zuständig. An der technischen Umsetzung war u. a. die Firma Cupasol aus Ravensburg beteiligt. Die Wertschöpfung der Ressourcen erfolgt beim Energiedorf konsequent aus nächster Nähe. 

Ein zukunftsfähiges Konzept – in jeglicher Hinsicht  

Das Herzstück des Bioenergiedorfes ist eine bestehende Biogasanlage am Ortstrand, die von engagierten Landwirten betrieben wird. Die Anlage versorgt das Nahwärmenetz klimaneutral mit Abwärme. Dafür wird mit dem Biogas in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) Strom erzeugt. Die anfallende Abwärme steht für das Wärmenetz zur Verfügung. Ein Wärmespeicher mit einem Fassungsvermögen von 3.000 m³ rundet das Konzept ab. 
Der Großwärmespeicher verschiebt große Wärmemengen vom Herbst in den Winter und liefert zusätzliche Wärme, wenn die Wärme der Biogasanlage nicht ausreicht.

Transportiert und abgegeben wird die hier erzeugte Wärme über ein bis dato 5,7 km langes Wärmenetz an einen Großteil des Orts, wie öffentliche Gebäude der Gemeinde, kirchliche Liegenschaften und zahlreiche private Haushalte. 
Jährlich spart Ebenweiler bis zu 650 t CO₂ ein. Zum Vergleich: Etwa 1000 Hin- und Rückflüge zwischen Stuttgart und Berlin verursachen eine vergleichbare Menge an CO₂-Ausstoß.  

Ortsrand von Ebenweiler
Die Biogasanlage liegt am Ortsrand von Ebenweiler.
Biogasanlage in Ebenweiler
Sie produziert Wärme für über 100 Haushalte.
Wärmespeicher in Ebenweiler
Der Wärmespeicher verwahrt die überschüssige Wärme – in Wintermonaten unerlässlich.

Ein Nahwärmenetz besticht nicht durch Nachhaltigkeit und lokale Wertschöpfung allein. Ein weiterer Vorteil ist nämlich, dass es flexibel erweiterbar ist. Derzeit wird das Wärmenetz um ein Neubaugebiet aufgestockt, so können mit einer Wärmenetzstrecke von weiteren 3,3 km insgesamt mehr als 70 neue Gebäude angeschlossen und klimafreundlich versorgt werden. Um den zusätzlichen Wärmebedarf zu decken, ist ein Hackschnitzelkessel als weitere erneuerbare Wärmequelle geplant. 

Ein Engagement, das gesehen und geschätzt wird

Der Einsatz der Gemeinde für das Großprojekt Energiewende wird über die kommunale Ebene hinweg wahrgenommen, geschätzt und unterstützt: Mit einem Gesamtbetrag von über 500.000 € wurde das Projekt vom Land Baden-Württemberg gefördert. Im Rahmen der Ehrung „Hier wird die Energiewende gelebt“ wurde die Gemeinde vom Umweltministerium als Ort voller Energie ausgezeichnet. Und Energie, die nicht abreißt, haben die Ebenweilerinnen und Ebenweiler im wahrsten Sinne. Jeder einzelne übernimmt hier Verantwortung für ein gemeinsames großes Ziel: eine unabhängige und klimaneutrale Wärmeversorgung.  

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