Eine Schule als Passivhaus

Es ist nicht nur eines der pädagogischen Glanzlichter in Freiburg, es hat auch in Sachen energetischer Sanierung Vorbildcharakter: das Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) im Stadtteil St. Georgen. 1974 wurde es gegründet, genau 40 Jahre später kam die aufwändigste Schulsanierung in der Geschichte Freiburgs zum Ende. Herausgekommen ist ein echtes Schmuckstück.

Frontalansicht Theodor-Heuss-Gymnasium
Das sanierte Gebäude des Theodor-Heuss-Gymnasium wurde mehrfach ausgezeichnet. // Copyright: Bernhard Strass, Freiburg

Die erste Auszeichnung kam aus Stuttgart: Die Architektenkammer Baden-Württemberg hat dem sanierten Gebäude des Theodor-Heuss-Gymnasiums bereits das Zertifikat „Beispielhaftes Bauen“ verliehen. Nicht umsonst erreicht das Gebäude als eine der ersten sanierten Schulen in Deutschland Passivhaus-Standard. 

Doch zunächst ein kurzer Rückblick: Das Theodor-Heuss-Gymnasium wurde 1974 als jüngstes Freiburger Gymnasium im Stadtteil St. Georgen gegründet. Grünes Licht für die Sanierung gab der Gemeinderat im März 2009. Diese fand in zwei Abschnitten statt und dauerte mehrere Jahre. Von April 2010 bis April 2011 kamen zunächst der Trakt für den Ganztagesbetrieb inklusive Cafeteria und der Verwaltungsbereich an die Reihe, zusätzlich entstanden eine Bibliothek und ein Musiksaal. Danach wurde der Klassentrakt saniert und um 940 m2 erweitert. Durch den Einbau zweier Aufzüge sind beide Gebäudeteile barrierefrei zugänglich. Verbunden werden sie durch eine Brücke. Im November 2014 waren die Arbeiten abgeschlossen.

Unterricht trotz Bauarbeiten

Während der Sanierung waren die Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Containern oder in anderen Schulen untergebracht. Bis zu 100 Bauarbeiter sorgten dafür, dass auf der Baustelle alles reibungslos ablief. Auch die Schüler selbst durften mitmachen – zwar nicht auf der Baustelle, dafür als Ideengeber für die Innenausstattung des Neubaus. Den Verantwortlichen der staatlichen Schulverwaltung und Vertretern der beteiligten Ämter war eines von Anfang an klar: Das neue Gebäude soll heller werden und kein Vergleich zum Alten sein, obwohl die Grundträger des alten Schulgebäudes erhalten bleiben. Und: Die drei Etagen werden in dem Lichthof durch schräge Treppen in den Treppenhäusern verbunden.

Die Investition lohnt sich

Die Gesamtkosten der Schulhaussanierung belaufen sich auf 23,6 Mio. € – finanziert von der Stadt Freiburg i. Br. und dem Land Baden-Württemberg. Seit 2007 hat die Stadt Freiburg mehr als 150 Mio. € für Investitionen und Bauunterhaltung im schulischen Bereich investiert. Mit dem Projekt Theodor-Heuss-Gymnasium ist die bislang aufwändigste Sanierung offiziell abgeschlossen.

Diese Investition dürfte sich gelohnt haben: Bei der Sanierung wurde so geplant und gebaut, dass das Gebäude heute den hochwertigen Passivhaus-Standard erfüllt. Wie man diesen Standard erreichte? Zum Beispiel durch Dreifach-Verglasung, eine hervorragende Dämmung und ein umfassendes Energiekonzept, das die Mitarbeiter des Gebäudemanagements vor der Sanierung vorgelegt hatten. Im Theodor-Heuss-Gymnasium verfügt nun jeder Klassenraum über ein eigenes Lüftungsgerät: Die Luftqualität im Raum kann individuell geregelt werden, jederzeit kann frische Luft in den Raum strömen und zusätzlich die Wärme aus der verbrauchten Raumluft zurückgewonnen werden. Im Sommer ermöglichen die Geräte dank nächtlicher Durchlüftung eine angenehme Kühle. Zudem können auch die Lichthöfe mit kühler Luft versorgt werden, die über einen Kellerkanal geführt wird. Durch zusätzliche Öffnungen in der Fassade strömt die Luft in der Nacht durch die Atrien und sorgt so für Abkühlung.

Kurz nach Abschluss der Arbeiten erhielt das THG ein Zertifikat für seinen Passivhaus-Standard, als erste sanierte Schule in Baden-Württemberg und als eine der ersten im Bundesgebiet.

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