Energiewende in der Kirche – drei Beispiele aus der Praxis

Kirchen sind nicht nur Hort der Tradition, sondern auch innovationsfreudig: Helfende Hände in der Kirchengemeinde werden zu Botschaftern der Energiewende in ihrem Familien- und Freundeskreis. Wir zeigen nachahmenswerte Beispiele.

 

Eigenstromerzeugung in der Kirchengemeinde

Über 2.500 Mitglieder verzeichnet die Paul-Gerhardt-Gemeinde Stuttgart im Kirchenbezirk Stuttgart-Mitte (Quelle: Landeshauptstadt Stuttgart). Die Kirchengemeinde ist seit 2004 u. a. nach dem Öko-Audit EMAS zertifiziert und seit 2012 Energie-Erzeuger: Auf dem Dach des Gemeindezentrums liefert eine Photovoltaik-Anlage Strom, der zu mehr als zwei Dritteln für den Eigenverbrauch genutzt wird (Quelle: Evangelische Kirrche Stuttgart). Die Bilanz: Geringere Betriebskosten im Gemeindezentrum. Ein Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz. Und: Mehr als 40 % des Strombedarfs für Kita, Werkstatt sowie Kegelbahn, PC-Raum und die vorhandenen Küchen werden auf dem Dach der Paul-Gerhardt-Gemeinde produziert. Damit nicht genug: Im Gemeindezentrum wurden die alten Leuchtstoffröhren durch LED-Lampen ersetzt – die Stromersparnis durch diese Maßnahme beträgt stolze 60 %. Mehr Infos zum Umweltteam dieser Kirchengemeinde gibt es hier

Solarpanels und ein Gebäude mit Wald im Hintergrund
Die Paul-Gerhardt-Gemeinde erzeugt mit einer Photovoltaikanlage Energie.

Eine Kirchengemeinde als Energiedienstleister

Die Evangelische Kirchengemeinde Pfalzgrafenweiler mit über 3.400 Mitgliedern befindet sich im Osten des Kirchenbezirks Freudenstadt im Nordschwarzwald (Quelle: Evangelische Kirchengemeinde Pfalzgrafenweiler). Dort hat sich 2008 auf Initiative des Umweltteams der Kirchengemeinde eine der größten Nahwärmegenossenschaften des Landes gebildet: Die Weiler-Wärme eG mit rund 1.000 Mitgliedern versorgt mit 600 angeschlossenen Gebäuden etwa zwei Drittel des Ortes Pfalzgrafenweiler mit Nahwärme aus erneuerbaren Energien (Quelle: Zeitungsartikel Pfalzgrafenweiler). Auch Hallen- und Freibad, das Schulzentrum und weitere öffentliche Gebäude sind an das 26 km lange Nahwärmenetz angeschlossen (Quelle: DGRV). Im Jahr 2011 wurde Pfalzgrafenweiler als Bioenergiedorf ausgezeichnet und 2013 erhielt die Kirchengemeinde die Auszeichnung als eines von weltweit 13 Modellprojekten auf der „Rio+20“-Nachhaltigkeitskonferenz in Berlin. 2015 stellte sich die WeilerWärme eG in Brüssel vor: Im Rahmen eines Workshops zum Thema „Community Power“ gab sie sicherlich der einen oder anderen Kirchengemeinde praxisnahe Tipps und Inspirationen für die Initiierung weiterer Nahwärmenetze.

Die Plusenergiekirche

Im Kirchenbezirk Weikersheim produziert die Kirchengemeinde Sechselbach mehr Strom, als in der Kirchengemeinde selbst verbraucht wird. Die seit 2004 auf den Dächern von landwirtschaftlichen Stall- und Scheunengebäuden installierten Solaranlagen waren Vorbild und gaben den Anstoß, darüber nachzudenken, auch auf dem Kirchendach eine solche zu installieren. Die Entscheidung wurde gemeinschaftlich getroffen und alle Kirchengemeindemitglieder wurden in einer Versammlung vorab ausführlich informiert. Seit 2005 gehören Solarzellen auf dem Kirchendach zum markanten Ortsbild von Sechselbach – zahlreiche Privatgebäude bekamen nach und nach ebenfalls eigene Photovoltaik-Anlagen. Wichtigste Erkenntnis des Kirchenpflegers und einer der Projektinitiatoren: Information und Beteiligung – das sind die Grundsteine für einen gemeinschaftlichen Erfolg. Die kircheneigene Anlage kann im Jahr 6.500 kWh (Kilowattstunden) Sonnenstrom produzieren. Damit produziert das Kirchendach mehr als doppelt so viel Energie, wie das Kirchengebäude für Heizung, Licht, Uhr und Glocken verbraucht. Und: Die Stromerzeugung durch diese Photovoltaikanlage vermeidet einen jährlichen Ausstoß an 115 Tonnen CO₂ (Quelle: Kirchenbezirk Weikersheim).

Förderungen nutzen

Übrigens: Auch Kirchen und kirchliche Einrichtungen können von Förderprogrammen für Energiewende- und klimaschutzrelevante Maßnahmen profitieren – mehr dazu unter Umweltmanagement im Konvoi.

Artikel teilen: tweet teilen