Mit neuen Netzen die Energiewende gestalten

Ilsfeld. Eine Gemeinde im Landkreis Heilbronn mit 6 Ortsteilen und knapp 9.500 Einwohnern, die sich den Klimaschutz als gemeinsames Kernziel gesteckt hat. 80 % der Haushalte sind bisher an das neue kommunale Nahwärmenetz angeschlossen. Ihr Wärmebedarf wird zu rund 90 % klimafreundlich erzeugt. Beeindruckende Zahlen für eine kleine Gemeinde – und ganz bedeutend für die Energiewende in Baden-Württemberg. 

Dieses Projekt wurde vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg für seinen besonderen Beitrag zur Energiewende ausgezeichnet. Eine Übersicht aller geehrten Projekte finden Sie hier.

Feierlich: das leistungsstarke Nahwärmenetz mit innovativer Abwasserheizzentrale – offiziell eingeweiht im Mai 2019
Feierlich: das leistungsstarke Nahwärmenetz mit innovativer Abwasserheizzentrale – offiziell eingeweiht im Mai 2019
Minister Untersteller am Rednerpult
„Das Ilsfelder Nahwärmenetz ist ein wichtiger lokaler Beitrag zum Klimaschutz“, lobt Minister Untersteller.
 Minister Franz Untersteller überreicht Bürgermeister Thomas Knödler die Ehrung „Hier wird die Energiewende gelebt“
Ein ehrenwertes Engagement – Minister Franz Untersteller überreicht Bürgermeister Thomas Knödler die Ehrung „Hier wird die Energiewende gelebt“.
 Minister Franz Untersteller läuft mit Bürgermeister Thomas Knödler einen Weg entlang
Ein erfolgreicher Tag – für Ilsfeld und die Energiewende

Globalen Herausforderungen kommunal begegnen  

Eine Gemeinde, ein Wort: Ilsfeld will sich auf kommunaler Ebene mit geballter Energie den großen Herausforderungen des globalen Klimawandels stellen. Das erfordert Engagement und Haltung. Im energie- und klimapolitischen Leitbild von Ilsfeld ist als Grundsatz verankert, den lokalen CO₂-Ausstoß maximal zu reduzieren und Energie stets sparsam und bewusst zu nutzen und im Zuge dessen von fossilen Energieträgern unabhängig zu werden. Zum Leitbild gehört für die Gemeinde aber auch, bei der Umsetzung energiepolitischer Maßnahmen gemeinsam mit und ganz im Sinne der Bürgerinnen und Bürger zu handeln. 

Infografik zur Erklärung der Nahwärmeversorgung in Ilsfeld
Drei Wärmelieferanten machen die Nahwärmeversorgung möglich. // Copyright: IBS Ingenieurgesellschaft

Lokale Wärmelieferanten gesucht – und gefunden 

Den Worten folgen Taten: Seit 2013 wird in der Gemeinde Ilsfeld kontinuierlich und systematisch ein Nahwärmenetz ausgebaut. Gestartet ist das Projekt örtlich stark begrenzt mit der Wärmeversorgung einer Schule. Bald darauf folgten Rathaus, Gemeindehaus, Kirche, Kindergärten und schließlich die Privathaushalte.
Zur Energieversorgung des Nahwärmenetzes kommen insgesamt drei regenerative Wärmequellen zum Einsatz: ein erdgasbetriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Kraft-Wärme-Kopplung, eine Biomasse-Anlage und nicht zuletzt, das Herzstück des Konzepts, die Abwasserheizzentrale. Sie entnimmt ihre Wärme – und das ist das Besondere – aus dem Abfluss der Kläranlage. 
Abwasser ist bislang eine unterschätzte, weltweit sehr selten genutzte Ressource zur nachhaltigen Wärmegewinnung. In Ilsfeld wollte man dieses Potenzial nicht ungenutzt lassen und zählte eins und eins zusammen. Schließlich fließt hier täglich geklärtes Abwasser in die Schozach, einen Fluss in der Gemeinde. Mithilfe von Wärmepumpen wird dem nach der Kläranlage noch immer ca. 10-20 Grad warmen Wasser Energie entzogen. Energie, mit der Wasser im Nahwärmenetz auf 55 Grad erwärmt werden kann. Das BHKW erhitzt das Wasser zusätzlich auf 75 Grad. Das Wasser ist mit dieser Temperatur bereit zur Beheizung der Gebäude. 

In der Abwasserheizzentrale wird das Abwasser aus der Schozach erhitzt …
In der Abwasserheizzentrale wird das Abwasser aus der Schozach erhitzt …
… und wird mit Erreichen der richtigen Temperatur zur Wärmeversorgung ins Nahwärmenetz eingespeist.
… und wird mit Erreichen der richtigen Temperatur zur Wärmeversorgung ins Nahwärmenetz eingespeist.
Plakat an der Zentrale erklärt, wie das Nahwärmenetz-Konzept funktioniert
Jeder ist informiert – ein Plakat an der Zentrale erklärt, wie das Nahwärmenetz-Konzept funktioniert.

Ein Umstieg auf Nahwärme lohnt sich 

Bürgermeister und Kopf des Projekts Thomas Knödler wirbt bei den Bürgerinnen und Bürgern um weitere Anschlüsse an das Nahwärmenetz. Denn es gilt: je höher die Anschlussquote, desto günstiger der Wärmepreis. Hausbesitzer investieren lediglich einmalig in die Umstellung von ihrer alten Heizung auf die Nahwärme-Übergabestation. Und das rechnet sich für den Einzelnen, denn Kosten rund um die Heizung (Instandhaltung, Betrieb) fallen mit Anschluss an das Netz weg. Auf Basis des durchschnittlichen Gas- und Ölpreises vergangener Jahre rechnet die Gemeinde mit ca. 400 €, die ein angeschlossener Haushalt (Einfamilienhaus) jährlich einsparen kann.   

Bürgermeister Thomas Knödler am Rednerpult
Überzeugt und hochengagiert: Bürgermeister Thomas Knödler

Ausgezeichnet und gefördert 

Das ambitionierte Leitbild und das schlüssige Nahwärmenetzkonzept der Gemeinde Ilsfeld sind mittlerweile überregional bekannt – und anerkannt. Starke Unterstützung erfuhr das Projekt durch die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH in Karlsruhe und die Energieagentur Kreis Ludwigsburg. Über das Förderprogramm „Klimaschutz mit System“ wurde das Projekt mit 3 Mio. € aus Mitteln des Fonds für regionale Entwicklung bezuschusst.
Anfang Mai 2019 wurde das Großprojekt im Rahmen der offiziellen Inbetriebnahme der Abwasserheizzentrale mit der Ehrung „Hier wird die Energiewende gelebt“ durch Minister Untersteller ausgezeichnet. 
Die Gemeinde Ilsfeld macht mit ihrem Nahwärmenetz nicht nur einen großen Schritt zur eigenständigen Wärmeversorgung, sondern prägt auch den Fortschritt der Energiewende. Denn hier fußt die Energiewende nicht nur auf starken Maßnahmen, sondern auch auf einem gemeinsamen Leitbild und einer einenden Überzeugung, die den Weg in eine klimafreundliche Zukunft weist. 

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