Tuningen geht ein Licht auf: mit intelligenten LED-Straßenlaternen

Was heute in vielen Städten bereits zum nächtlichen Stadtbild gehört, wurde bereits vor einigen Jahren in der Gemeinde Tuningen eingeführt: Tuningen war nämlich die erste Gemeinde Deutschlands, die ihre komplette Straßenbeleuchtung auf sensorgesteuerte LED-Laternen umgestellt hat. Damit ist die Kommune im Schwarzwald-Baar-Kreis nicht nur deutschlandweiter Vorreiter, sondern auch Energiewende-Macher: Seit der Umstellung werden jährlich nun 141.000 KWh (Kilowattstunden) Strom und damit ca. 25.000 € eingespart. Das ist gut für die Gemeindekasse – und fürs Klima.

Mit den intelligenten LED-Laternen reduziert die Kommune den bisherigen Stromverbrauch für Straßenbeleuchtung um 82 %, so Bürgermeister Jürgen Roth. Zunächst verbrauchen LED-Lampen generell deutlich weniger Strom als andere Leuchtmittel. In Tuningen kommt hinzu, dass die rund 400 Straßenleuchten über Funk miteinander verbunden sind und Lichtbedarf gewissermaßen an ihre Nachbarn weitermelden: Eingebaute Dimmer und Bewegungsmelder lassen die LED-Lampen nur dann leuchten, wenn tatsächlich Licht gebraucht wird. Zusätzlich haben die Laternen einen Infrarotsensor, der die Körpertemperatur von Menschen wahrnimmt: Dadurch werden nur Bewegungen von Personen erfasst, nicht aber z. B. von windbewegten Ästen. Die Sensoren registrieren diese Temperaturen übrigens erst ab einer Höhe von 50 bis 80 cm – so dürfen Katzen, Marder oder Igel weiter unbehelligt durch die Nacht streifen. Die Helligkeit, also die Lichtleistung der Straßenlaternen, lässt sich zudem zentral über ein Computerprogramm steuern. Dieses intelligente Zusammenspiel reduziert den Stromverbrauch der Straßenbeleuchtung zusätzlich.

Verkehrskreisel mit leuchtenden Straßenlaternen
Sensorgesteuerte LED-Laternen schonen die Umwelt und die Gemeindekasse. // Copyright: Hess GmbH Licht + Form

Licht nach Bedarf

Ab 23:00 Uhr, wenn nur noch wenige Fußgänger unterwegs sind, leuchten die Straßenlaternen nur noch mit einem Drittel ihrer Lichtleistung; in den Seitenstraßen sogar nur mit einem Zehntel. Wer nachts durch den Ort geht, steht jedoch nicht im Dunkeln. Denn jetzt wird der eingebaute Bewegungssensor der Straßenlaternen aktiv: Nähert sich ein Passant, leuchten die LEDs automatisch heller. Wird keine Bewegung mehr registriert, fährt die Lampe ihre Leuchtkraft nach einer festgelegten Zeit wieder herunter. So spart die Kommune viel Energie. In den Seitenstraßen leuchten die LED-Module im gedimmten Zustand gerade mal mit 3 W (Watt). Doch auch die bei 90 % Lichtstärke verbrauchten 24 W sind ein vergleichsweise geringer Wert.

Eine Investition, die sich lohnt

Die 540.000 € teure Investition wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMU) über ein Förderprogramm mit 120.000 € bezuschusst. Auch der Landesminister Guido Wolf zeigte sich bei einem Ortstermin fasziniert von dem Projekt: Es sei die Summe der kleinen Schritte, die die Energiewende befeuern könne. Das Konzept habe deshalb Beispielcharakter für viele deutsche Städte und Kommunen. 

Auf den Geschmack gekommen

LED-Lampen für die Straßenbeleuchtung sind inzwischen nicht nur in Baden-Württemberg, sondern auch in ganz Deutschland verbreitet.  Einer dena-Umfrage zufolge haben bereits 20% aller Kommunen mindestens die Hälfte ihrer Laternen auf LED umgestellt und sogar 75 % setzen bei der laufenden oder geplanten Modernisierung ihrer Straßenbeleuchtung auf LED-Technologie: Kein Wunder, die Umstellung amortisiert sich häufig bereits nach drei bis fünf Jahren.

Bushaltestelle einer Innenstadt bei Nacht mit leuchtenden Straßenlaternen
Copyright: Hess GmbH Licht + Form
Park bei Nacht mit leuchtenden Straßenlaternen
Copyright: Hess GmbH Licht + Form
Straße mit Radweg am Feldrand mit leuchtenden Straßenlaternen
Copyright: Hess GmbH Licht + Form
Straßenlaterne mit einer Kirche im Hintergrund
Copyright: Hess GmbH Licht + Form
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