Viele treibende Kräfte – ein großes Ziel

Zwei Bioenergiedörfer in einer Gemeinde – dieses rekordverdächtige Projekt verwirklichte die Gemeinde Leibertingen im Landkreis Sigmaringen. Zwei Nahwärmenetze versorgen die Einwohnerinnen und Einwohner mit der erzeugten Wärme aus Biogas und Holz. Ein großer Erfolg für die Energiewende in Baden-Württemberg, der dem gemeinsamen Wirken von Bürgermeister Armin Reitze (außer Dienst) und den engagierten Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde zu verdanken ist.

Dieses Projekt wurde vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg für seinen besonderen Beitrag zur Energiewende ausgezeichnet. Eine Übersicht aller geehrten Projekte finden Sie hier.

Bürgermeister Armin Reitze am Rednerpult
Der von 1999 bis 2021 amtierende Bürgermeister Armin Reitze war die treibende Kraft hinter den Projekten
Minister Untersteller am Rednerpult
Minister (außer Dienst) Untersteller lobt den Vorbildcharakter der Gemeinde.

Von der Idee zum Vorbild

Die Idee für das Nahwärmenetz der Gemeinde wurde im Jahr 2006 geboren. Im Folgejahr besuchte der Leibertinger Gemeinderat das Vorbildprojekt Bioenergiedorf Mauenheim. Hier kam es zum ersten Kontakt mit der Firma Clean Energy GmbH aus Radolfzell, die das geplante Großprojekt in Leibertingen später zusammen mit der Solarcomplex AG aus Singen entwickeln sollte. Umgesetzt wurde es von der Bioenergie Leibertingen GmbH, einem Tochterunternehmen der Gemeinde. 

2012 wurde das erste Bioenergiedorf eingeweiht. Eine Heizzentrale mit Biogasanlage bildet das Kernstück des Konzepts. Ein Biogas-Blockheizkraftwerk wandelt einen Teil des dort erzeugten Biogases direkt in Strom um, die Wärme wird zur Fermenterheizung benutzt. Der andere Teil wird über eine Gasleitung in die Heizzentrale transportiert und dort in einem Blockheizkraftwerk verstromt. Die anfallende Wärme wird in das Nahwärmenetz im Hauptort Leibertingen abgegeben. Heute werden 113 Häuser mit der hier erzeugten Wärme – rund 3 Millionen Kilowattstunden pro Jahr – versorgt.

Nächste Station: Kreenheinstetten  

Das zweite Bioenergiedorf wurde in Kreenheinstetten realisiert. Zur Erweiterung des Wärmenetzes sollte nun die Wärmeleistung der Anlage verstärkt werden: Zwei Holzhackschnitzelkessel mit einer Wärmeleistung von insgesamt 600 Kilowatt kamen hinzu, zu deren Befeuerung regional gewonnenes Holz genutzt wird. Die Installation eines Pufferspeichers mit einem Gesamtvolumen von 300 Kubikmeter ermöglicht eine Zwischenspeicherung der gewonnenen Wärme. 

Das Nahwärmenetz soll in Kreenheinstetten zukünftig 65 Haushalte auf einer Netzlänge von 4 Kilometern versorgen. Insgesamt wird mit einer Wärmelieferung von 1,67 Millionen Kilowattstunden pro Jahr gerechnet. 
In den beiden Ortschaften der Gemeinde macht die erneuerbar gewonnene Wärme vor allem Ölheizungen und Holzeinzelfeuerungen überflüssig. Im ersten Jahr des Bioenergiedorfs wird mit einer CO₂-Einsparung von 270 Tonnen gerechnet. Im Vergleich: Für die gleiche Menge an CO₂ kann eine Person rund 1.000 Mal von Stuttgart nach Hannover hin- und zurückfliegen.

Biogas-Blockheizkraftwerk
Im Biogas-Blockheizkraftwerk wird ein Teil des Biogases direkt verstromt.
Pufferwärmer
Im Pufferspeicher wird Wärme zwischengespeichert.

Freie Bahn für weitere Potenziale 

Trotz jüngster Erfolge macht Leibertingen bei den Bioenergiedörfern nicht Halt. Die Gemeinde gewährt Projektierern wie beispielsweise der EnBW für weitere Energiewendeprojekte freie Bahn. So errichtete ebendieser Stromanbieter ab 2018 einen zweiten Solarpark, der seit Sommer 2019 am Netz ist. Er kann mit einer maximalen Leistung von 5 Megawatt bis zu 5,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr erzeugen.

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