Wärmewende – eine gemeinsame Sache

Liggeringen ist eines von deutschlandweit nur fünf Dörfern, das 2018 mit einer großen Solarthermieanlage zum Solarenergiedorf wurde. Das Vorhaben ist seit Projektbeginn 2014 ein Beispiel an Zusammenarbeit: Oberbürgermeister Martin Staab, Ortsvorsteher Hermann Leiz und Andreas Reinhardt, Geschäftsführer der Stadtwerke Radolfzell, zogen an einem Strang und erfuhren dabei Rückenwind von ihren Mitbürgern. 

Dieses Projekt wurde vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg für seinen besonderen Beitrag zur Energiewende ausgezeichnet.

Vier Männer stehen nebeneinander und halten die Ehrung nach oben
Ein ausgezeichneter Einsatz für die Energiewende.
Großflächiger Solarthermieanlage auf grünen Feldern
Das erste vom Land geförderte Projekt mit großflächiger Solarthermieanlage
Rote Holzhackschnitzelanlage
Die Holzhackschnitzelanlage gleicht im Frühjahr, Herbst und Winter die fehlenden Sonnenstunden aus...
Die Verantwortlichen sind im Gespräch mit Franz Untersteller
…und rundet samt der Biomasseheizung das Energiekonzept des Solarenergiedorfes ab.

Ein Ort voller Energie im wahrsten Sinne

Zuspruch und Unterstützung gab es auch vom Land:  Neben einer Förderung für das Wärmenetz erhielt der Teilort von Radolfzell bei der feierlichen Einweihung die Ehrung „Hier wird die Energiewende gelebt“. 

Von der Vision zum Solarenergiedorf 

Die erste Info-Veranstaltung zum großen Vorhaben fand 2014 statt. Die Stadtwerke Radolfzell luden die Bürgerinnen und Bürger dazu ein, sich über das geplante Nahwärmenetz in Liggeringen zu informieren und um Fragen aber auch Vorbehalte zu diskutieren. Mit einem positiven Ergebnis: Die Mitbürger des 1.000 Einwohner-Ortes sprachen sich ganz klar für das Nahwärmenetz aus und rund 100 Haushalte entschieden sich, ganz und gar unabhängig von fossilen Brennstoffen zu werden. 

Von den Verantwortlichen wird feierlich das Band zur Eröffnung durchschnitten
„Wenn etwas Neues entstehen und vorangetrieben werden soll, liegt es immer an den Menschen, die dahinterstehen“, sagt OB Staab

Nach gut vier Jahren Planung und Umsetzung durch die Stadtwerke Radolfzell war es dann so weit: Die große Solarthermieanlage und die Biomasseheizung, eine Hackschnitzelanlage, gingen in Betrieb. Ein zeitlicher und finanzieller Invest, der sich lohnen sollte – für die Umwelt und für Liggeringen. Beide Anlagen erzeugen rund 4,7 Mio. kWh (Kilowattstunden) Wärme pro Jahr. Durch den Verzicht auf Öl- und Flüssiggas zur Beheizung der Haushalte werden jährlich bis zu 1.400 t klimaschädliches CO₂ eingespart. Und der Bedarf an Warmwasser kann in Liggeringen vollständig mit Sonnenenergie gedeckt werden. 

Eine ganzjährig nachhaltige Wärmeversorgung 

Das Konzept des Nahwärmenetzes ist so einfach wie clever:
Etwa ein Viertel des Wärmebedarfs wird in der Zeit von Mai bis September allein durch Solaranlagen des auf einer 1.100 m2 Freifläche befindlichen Solarkollektorfeldes gedeckt. Sie absorbieren die Sonneneinstrahlung und heizen das durch die Kollektoren fließende Wasser auf. Die hier gespeicherte Sonnenenergie wird für die Beheizung und zur Warmwasserbereitung der Haushalte genutzt. 

Ein Solarkollektorfeld für das sonnenverwöhnte Liggeringen
Ein Solarkollektorfeld für das sonnenverwöhnte Liggeringen

Ab Oktober bis Mai kommt eine Holzhackschnitzelanlage als Biomasseheizung zum Einsatz. Unterstützend zur Solarenergie oder aber als alleiniger Wärmeversorger in der Winterzeit, wenn die Sonnenstunden geringer sind. Für Engpässe steht auch ein Ölkessel bereit, der allerdings nur in äußersten Notfällen zum Einsatz kommt. 
Das Solarenergiedorf ist auf den Anschluss von 150 Haushalten angelegt, kann bei wachsender Nachfrage aber jederzeit erweitert werden. Das verlegte Wärmenetz als solches ist 5 km lang und versorgt die Haushalte über Rohrleitungen unter der Erde mit der nachhaltig erzeugten Wärmeenergie.  

Leuchtturmprojekt Liggeringen – Wegweiser für Kommunen 

Liggeringen hat mit der Verwirklichung des Solarenergiedorfs einen mutigen Schritt in eine nachhaltige Zukunft gemacht. Das Nahwärmenetz-Konzept des Ortes zeigt, was für einen positiven Effekt vereinte Kräfte in Sachen Klimaneutralität haben. Wärmenetze sind flexibel anpassbar und bieten eine Infrastruktur für eine regenerative Energieversorgung. In zahlreichen Kommunen in Baden-Württemberg gibt es bereits Wärmenetze – die Errichtung lohnt sich vor allem dort, wo viel Wärme bzw. viele Sonnenstunden anfallen. Wärmenetze werden über Förderprogramme vom Bund und vom Land unterstützt. Für besonders energieeffiziente Lösungen werden zusätzliche Boni gewährt. 

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