Wie die Gemeinde Murg den CO₂-Ausstoß pro Kopf radikal senkt

Schulprojekte, energetische Sanierung und ein Klimaschutzmanager, der die Menschen sogar zuhause besucht: Die Gemeinde Murg am Hochrhein hat ehrgeizige Klimaziele – und legt sich mächtig ins Zeug, um sie auch zu erreichen. Ein Engagement, das Schule machen kann.

Murg ist eine Gemeinde mit 7.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in Südbaden. Der Ort liegt am Hochrhein, an der Grenze zur Schweiz. 2014 ließ die Gemeinde ein Klimaschutzkonzept erstellen und gehörte damit zu den Vorreitern im Landkreis: Bis 2050 soll der CO₂-Ausstoß pro Kopf im Ort auf unter 1 t/Jahr sinken. Zum Vergleich: 2019 verursachten die Deutschen im Durchschnitt fast 8 t CO₂ pro Kopf. „Das Tolle an Murg ist, dass der Anstoß nicht von der Verwaltung kam, sondern aus der Bevölkerung“, erzählt Maximilian Rüttinger, seit September 2016 Klimaschutzmanager der Gemeinde. Als Experte für kommunalen Klimaschutz berät er Bürgerinnen und Bürger bei Fragen zu Energie und Umwelt.

Panoramafoto der Gemeinde Murg
7.000 Einwohner, ein ehrgeiziges Ziel: weniger als 1 t CO₂-Ausstoß pro Kopf und Jahr // Copyright: Kommune Murg

„Energiekarawane“ auf Hausbesuch

Menschen, die sich bis dahin kaum für Energiethemen interessiert hatten, besuchte Rüttinger sogar zuhause. Im Rahmen der „Energiekarawane“ beriet er sie zu Heizungstechnik und Fördermöglichkeiten. Das Ergebnis: Seit Beginn der Kampagne 2018 hat sich die Sanierungsquote in Murg vervierfacht.

Klimaschutzmanager Maximilian Rüttinger und Murgs Bürgermeister Adrian Schmidle (v. l.) bei der Inbetriebnahme der Solaranlage für die örtliche Kläranlage im April 2020
Klimaschutzmanager Maximilian Rüttinger und Murgs Bürgermeister Adrian Schmidle (v. l.) bei der Inbetriebnahme der Solaranlage für die örtliche Kläranlage im April 2020 // Copyright: Kommune Murg

Auch die Jüngeren in Murg lernen schon, worum es beim Klimaschutz geht: Unter dem Titel „Murgtalschule – Lernort für den Klimaschutz“ wurde die Energiewende kurzerhand zum Schulfach. Das von der EU geförderte Projekt endete nach einem Jahr, Lehrende in Murg nutzen die Materialien aber weiterhin im Unterricht.

Foto der Projekttage
Früh übt sich: In der Murgtalschule wird die Energiewende zur Bildungssache … // Copyright: Kommune Murg
Foto der Projekttage
… ob an Projekttagen mit den Eltern … // Copyright: Kommune Murg
Klassenfoto
… oder als Fokusthema im Unterricht. // Copyright: Kommune Murg

E-Bus verbindet Ortsteile

In der Initiative „Murg im Wandel“ engagieren sich Bürgerinnen und Bürger im engen Austausch mit der Gemeinde für den Ausbau der Erneuerbaren in Murg. Ein Projekt: der elektrische Bürgerbus, der Ortsteile miteinander verbindet. Das nutzt nicht nur dem Klima, sondern auch dem sozialen Zusammenhalt. Aktuell arbeitet die Initiative an der Installation einer von Bürgerinnen und Bürgern finanzierten Solaranlage. Auf dem Gerätehaus der Feuerwehr soll sie in den nächsten Jahren Strom für die Gemeinde produzieren.

Die Fortschritte auf dem Weg zu den Klimazielen misst Rüttinger regelmäßig: „Wir können stetig kontrollieren, ob die umgesetzten Maßnahmen mit unserem Erfolgskontrollplan übereinstimmen und dementsprechend auch anpassen“, erklärt er.

Erste Erfolge machen zuversichtlich

Ob Murg sein ehrgeiziges Ziel erreicht, wird sich erst in 30 Jahren zeigen. Aber heute schon können sich die bisherigen Ergebnisse sehen lassen: Die Sanierungen bzw. Verbesserungen der Gebäudetechnik aller kommunalen Liegenschaften senkte den Verbrauch von Wärme um 13,8 % im Vergleich zu 2016. So spart die Gemeinde jährlich nicht nur viel CO₂ sondern auch 13.600 € ein. Fast zwei Drittel der Wärme für kommunale Liegenschaften stammen schon aus nachhaltiger Produktion. Die Nutzung von lokal und nachhaltig produziertem Strom hat seit 2016 um 5 % zugenommen. Dazu kommen zahlreiche von Bürgerinnen und Bürgern betriebene Photovoltaikanlagen. Insgesamt ist der Gesamtverbrauch von fossilen Energieträgern in Murg im Vergleich zu 2016 um 5 % zurückgegangen.

Die Erfolge verdankt Murg seinen engagierten Bürgerinnen und Bürgern genauso wie der aktiven Gemeindeverwaltung. Dieses Zusammenspiel, gepaart mit der Bereitschaft, neue Wege zu gehen, haben Murg zu einem Vorbild für die Energie- und Wärmewende gemacht.

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