Die lokale Energiewende für das private Eigenheim

Benjamin Schöllhammer hat sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Er hat sein 30 Jahre altes Haus mit einer Photovoltaikanlage auf erneuerbar umgerüstet. 

Photovoltaikanlage auf einem Eigenheim in Wittlingen auf der Schwäbischen Alb
Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach ist die Basis für die eigene Stromversorgung im Haus. // Copyright: BayWa r.e.

Seit dem 1. Januar 2022 gibt es in Baden-Württemberg die Photovoltaikpflicht. Mit der Verordnung sind Eigentümer und Eigentümerinnen von neu geplanten Wohn- und Nicht-Wohngebäuden zur Installation einer Photovoltaikanlage verpflichtet. Ab 2023 greift die Verordnung auch bei grundlegenden Dachsanierungen. Benjamin Schöllhammer ist stolz darauf, sich bereits jetzt so weit wie möglich unabhängig von einer externen Energieversorgung gemacht zu haben. Damit leistet er einen aktiven Beitrag für die regionale Energiewende. Sein Bestreben war von vornherein, „so viel Strom wie möglich selbst verbrauchen und damit in die Sektorenkopplung zu gehen – so wenig wie möglich Strom ins Netz einspeisen.“ 

Ein im Haus installierter Energiemanager hilft ihm, seinen Eigenverbrauch zu maximieren. Als Pilotkunde testet er den Energiemanager für seinen Arbeitgeber. Die erzeugten Daten liefern Informationen für Häuser im Bestand und im Neubau. 

Energie vor Ort erzeugen und verbrauchen

Seine Photovoltaikanlage ist eine der mehr als 2,2 Millionen in Deutschland auf privaten Wohnhäusern und Eigenheimen errichteten Photovoltaikanlagen. Eigenheimbesitzer und -besitzerinnen, die sowohl Energie selbst erzeugen als auch verbrauchen, werden als Prosument oder Prosumentin bezeichnet. Sie sparen den Umweg, ihren Strom ins Netz einzuspeisen, um ihn dann wieder bei Bedarf aus dem Netz zu beziehen. Finanziell lohnt es sich und es gibt noch viele weitere Gründe, die für eine lokale Energieversorgung im Eigenheim sprechen.

 

Energiemanager treibt den Eigenverbrauch auf die Spitze

Wie es sich anfühlt, seine eigene persönliche Energiewende voranzutreiben, weiß Benjamin Schöllhammer. Er hat 2020 ein Haus, Baujahr 1992, auf der Schwäbischen Alb in Wittlingen gekauft. Sein 30 Jahre altes Haus hat er energetisch generalüberholt.

Mann mit schwarzer Steppjacke und Brille steht vor Anlagen, die sein Haus mit Strom versorgen
Prosument Benjamin Schöllhammer präsentiert seine Haustechnik zur Eigenstromversorgung. // Copyright: BayWa r.e.

Die alte Ölheizung wich zwei Wärmepumpen – eine zum Heizen und eine zum Aufbereiten von Brauchwasser. Er erklärt: „Die Wärmeversorgung im Haus ist der große Energiefresser. Mehr als zwei Drittel des Energieverbrauchs gehen zulasten von Wärme und nur ein Drittel fällt auf den Strom“. Zudem installierte er eine 10 Kilowatt Peak (kWp) Photovoltaikanlage auf seinem Dach. Hinzu kamen ein Batteriespeicher und eine Wallbox zum Laden seines Elektroautos. Als Pilotkunde für das Unternehmen BayWa r.e. hat er einen Energiemanager bei sich installiert. Dabei handelt es sich um ein kleines, cloudbasiertes Gerät. Dieses hilft ihm dabei, möglichst viel von seiner selbst erzeugten Energie im Haus zu verbrauchen und nur wenig Strom ins Netz einzuspeisen. 
Mit dem Energiemanager erreicht er von April bis September eine sehr hohe Eigenverbrauchsquote. Laut Benjamin Schöllhammer liegt diese in dieser Zeit bei fast 100 Prozent. Beide Wärmepumpen, die Wallbox und weitere Geräte sind an den Energiemanager gekoppelt. Diese steuert der Energiemanager an. Ist der Energieverbrauch des Hauses gedeckt, kann durch den Energiemanager festgelegt werden, welche Geräte noch mit dem Solarstrom versorgt werden sollen. Ist auch der Energiespeicher des Hauses vollständig geladen, wird der verbleibende Strom ins Netz eingespeist.
 

Ein neues Energiebewusstsein entsteht

Mit dem Energiemanager kann Benjamin Schöllhammer flexibel festlegen, wie viel Energie er für welche Geräte nutzt und zu welcher Zeit diese mit Strom versorgt werden. Dazu kann er im Energiemanager-Portal unter seinem persönlichen Zugang die Reihenfolge und Priorität der Geräte festlegen.

Er kann sich hier als Prosument zum einen die Erzeugerseite und damit die Stromertragsdaten seiner Photovoltaikanlage anzeigen lassen. Zum anderen kann er sich auf der Verbraucherseite seine Energieverbräuche ansehen, visuell darstellen lassen und steuern. So wird für ihn transparent, wie viel Energie seine Photovoltaikanlage tagesaktuell produziert. Er kann sich Vergleichswerte über verschiedene Zeiträume anzeigen lassen, sehen, wie viel Energie seine Geräte und Anlagen verbrauchen und sie gezielt ansteuern. Auf diese Weise kann er Einfluss auf seinen Verbrauch nehmen. Dadurch wird das Thema Energie greifbarer. „Es erzeugt ein ganz anderes Bewusstsein, im Umgang mit Energie“, ist Benjamin Schöllhammer überzeugt.

Alles was er dazu benötigt, ist ein internetfähiges Gerät – Smartphone, Tablet, Notebook oder einen Computer. So kann er ortsunabhängig und zu jeder Zeit seine Energieerzeugungs- und Verbrauchsdaten abrufen. Auch der Energiemanager ist über eine App steuerbar.

Batteriespeicher und Energiemanager arbeiten zusammen

Der Batteriespeicher im Haus ist ein weiteres Gerät, das ihn beim Erhöhen seines Eigenverbrauchs unterstützt. Dieser speichert Stromüberschüsse der Photovoltaikanlage zwischen. Sobald die Sonne nicht mehr scheint und Wolken die Stromproduktion der Photovoltaikanlage eindämmen, springt der Batteriespeicher ein. Er schließt kurzzeitige Versorgungslücken. Ebenso liefert er Strom bei Nacht oder in dunklen Abend- und Morgenstunden. Der Batteriespeicher ist ebenfalls mit dem Energiemanager verbunden. Benjamin Schöllhammers Energiemanager ist ein herstellerunabhängiges Gerät. Das heißt, weitere Geräte unterschiedlicher Hersteller können mit ihm verbunden werden. Darüber hinaus ermöglicht eine modulare Bauweise, dass die Photovoltaikanlage mit weiteren Komponenten ergänzt werden kann. Die Erweiterungen können zum Energiemanager Portal und der App hinzugefügt werden.

Zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgungssicher

Sollte der selbst erzeugte Strom vom Dach doch einmal knapp werden und reicht die zwischengespeicherte Energie des Batteriespeichers nicht aus, springt Benjamin Schöllhammers Energieversorger ein. Diesen wählt jeder Prosument und jede Prosumentin selbst. Derzeit erarbeitet BayWa r.e. zwei verschiedene flexible Ökostromtarife. Diese sichern die Versorgung von Prosumenten und Prosumentinnen mit Energie aus 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen. Bei Benjamin Schöllhammer ist dies vor allem in den Wintermonaten der Fall – wenn auf der Schwäbischen Alb die Temperaturen nachts weit unter null Grad sinken oder Schnee die Photovoltaikanlage bedeckt. So ist gewährleistet, dass seine Energie in jedem Fall klimaneutral und grün ist.

Eine lohnende Investition

Für Benjamin Schöllhammer hat sich die Investition gelohnt. Er ist froh über seine kleine private Energiewende. Wenngleich er hierfür eine größere Summe investieren musste. Dafür spart er nun bei den laufenden Betriebskosten – nicht nur für Strom, sondern auch beim Heizen, Warmwasserbereiten und Tanken. Seinen Geldbeutel entlastet haben öffentliche Fördermittel, wie die KfW-Förderung (KfW steht für Kreditanstalt für Wiederaufbau) für seine Wärmepumpe. Und wenn sich eines Tages seine Investition verrechnet hat, kann er sich über Überschüsse freuen. Den Schritt in die eigene Energieversorgung würde Benjamin Schöllhammer jederzeit wieder machen. Heute bereut er ein wenig, dass er nicht gleich in eine größere Photovoltaikanlage investiert hat. „Denn dann könnte ich mir ganzjährig eine Grundlast aufbauen“, sagt er. Platz auf dem Dach wäre noch. So wie er, können viele Eigenheimbesitzer und -besitzerinnen in und außerhalb von Baden-Württemberg die lokale Energiewende voranbringen. Die Technik ist vorhanden. Sie ist ausgereift und eignet sich nicht nur für den Neubau, sondern ebenso für den Bestand oder in die Jahre gekommene Eigenheime – dort, wo alte Öl- und Gasheizungen auf ihren Wechsel warten.

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