Energiewende made in Baden-Württemberg

Elektro-Smart parkt vor dem Mercedes-Benz Museum in Stuttgart
Elektro-Smart von SHARE NOW // Copyright: SHARE NOW

Die Energiewende bietet für das Industrieland Baden-Württemberg jede Menge Potenzial: Viele neue Technologien und Produkte entstehen, um die Energieeffizienz zu steigern und CO₂-Emissionen zu reduzieren. Wir stellen Unternehmen aus Baden-Württemberg vor, mit deren Produkten auch anderswo die Energiewende vorangetrieben wird.

Mann mit Tasche läuft zu einem Elektro-Smart
Die Elektroautos von SHARE NOW werden mit CO₂-neutral erzeugtem Strom betrieben. // Copyright: SHARE NOW
Mann bringt Dämmwolle an einer Wand an
Thermo Natur produziert aus Kakao- und Kaffeebohnensäcken Dämmstoffe. // Copyright: Thermo-Hanf

SHARE NOW

Ganz besonders in Stuttgart, wo das Unternehmen SHARE NOW (ehemalig car2go) mit über 300 Elektro-Smarts einen rein elektrischen Standort betreibt. Auch in anderen Städten arbeitet SHARE NOW kontinuierlich daran, die Elektromobilität voranzutreiben. Schon heute werden von den europaweit rund 11.000 Fahrzeugen des Unternehmens rund 3.000 elektrisch angetrieben. Ein weiteres Plus fürs Klima: Die Mietwagen in Stuttgart werden mit CO₂-neutral erzeugtem Strom aufgeladen.

Thermo-Natur

Qualitätsgeprüft und 100 Prozent natürlich – das Unternehmen Thermo Natur entwickelte bereits 1998 den Dämmstoff Thermo-Hanf, den die 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Nördlingen seitdem umweltverträglich herstellen. Der Baustoff besteht aus nachwachsenden Rohstoffen und dient als natürliche Dämmung für Dach, Wand, Fassade und Decke. Seit 2015 gehört auch die Produktfamilie „Thermo-Jute“ zum Produktportfolio des Unternehmens: Der Dämmstoff aus Jutefasern ist besonders ressourcenschonend, denn die Fasern werden aus bereits vorhandenen Kakao- und Kaffeebohnensäcken gewonnen. Das Grundmaterial wird „upcycelt“ – also aufgewertet. So punktet das Produkt in jeder Disziplin – bei Qualität, Funktionalität und Nachhaltigkeit. 

Produktionshalle von Innen
Durch LowEnergyFlotation-Technologie spart die Voith GmbH bis zu 50 % Energie.
Kleines südländisches Gebäude mit Photovoltaikanlage
Solar Spring bekämpft mit Solarkraft den Durst auf der Welt.

Voith GmbH

Aus alt mach neu: Zu einem effizienten Kreislaufsystem zählen auch Entsorgung und Wiederverwertung von Altpapier. Bevor weggeworfenes Papier erneut verwendet werden kann, müssen Druckfarben und andere Verunreinigungen sorgfältig entfernt werden. Das Problem: Sie sind oft widerspenstig und lassen Wasser wie an einer Regenjacke abperlen. Bei diesen sogenannten hydrophoben Substanzen ist es nötig, die Verunreinigungen mit Hilfe von Gasen aufzulösen. Das Heidenheimer Unternehmen Voith steigert die Effizienz solcher Prozesse: Der Umbau herkömmlicher Systeme zur patentierten „LowEnergyFlotation“ spart bis zu 50 Prozent Energie – und erhöht die Reinigungskraft um knapp 15 Prozent.

Solar Spring GmbH

Mehr als 800.000.000 Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Eine Lösung verspricht mancherorts die Aufbereitung von Meer- und Brackwasser. Die dazu nötigen Anlagen haben bisher viel Geld und Energie gekostet – bis eine kleine Firma aus dem Breisgau sich der Sache angenommen hat. Der Name verrät die Idee: Solar Spring nutzt zur Entsalzung von Trinkwasser die Ressource, die zuverlässig dort vorhanden ist, wo es an Trinkwasser fehlt: die Sonne. Mit ihrem SolarPurification-Modul bietet Solar Spring eine dezentrale und komplett solarbetriebene Technik zur Entsalzung von Meerwasser. Das Modul wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO ausdrücklich gelobt und vom Land Baden-Württemberg mit dem Umwelttechnikpreis 2013 ausgezeichnet. Im Jahr 2014 erhielt das Unternehmen den Technologie-Transferpreis der Technische Universität Chemnitz

Seegraskugeln am Strand
Seegraskugeln eigenen sich hervorragend als Dämmstoff.

NeptuGmbH

Für die Küstenbewohnerinnen und -bewohner der Costa Blanca sind sie eine Plage, für Hausbesitzer in Baden-Württemberg hingegen eine effiziente Methode, um die eigenen vier Wände fit für die Energiewende zu machen: Jahr für Jahr werden im Sommer tausende Seegraskugeln, die sogenannten Neptunbälle, an spanische Mittelmeerstrände gespült. Die Kugeln werden bisher auf Deponien entsorgt, da sie schlecht brennbar sind. Richard Meier, ehemals Professor für Architektur an der Universität SRH Hochschule Heidelberg, ließ die Kugeln auf ihre Eignung als Dämmstoff testen. Das Ergebnis des Fraunhofer-Instituts für Materialforschung in Karlsruhe: Die Neptunbälle haben eine 30-fach bessere Energiebilanz als Holzfasern, sind zudem schwer entflammbar und schimmelresistent – ein optimales Material also für die Dämmung von Dächern, Fassaden, Wänden und Decken. Meier gründete daraufhin in Karlsruhe das Unternehmen NeptuGmbH, das aus dem Abfallprodukt des Meeres den einzigen Dämmstoff herstellt, der alle gesetzlichen Anforderungen ohne Zusätze erfüllt – 100 Prozent natürlich. Übrigens: Die Methode, Seegras als Dämmstoff zu nutzen, wurde im Jahr 2016 vom Bundeswirtschaftsministerium mit dem Preis „Innovation schafft Vorsprung“ ausgezeichnet. 

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