Großbuchbinderei Wennberg: Effizienz aus Tradition

Tradition und Innovation können sich hervorragend ergänzen, dies beweist die Großbuchbinderei Wennberg in Vaihingen. Seit 1861 entstehen dort Druckerzeugnisse, heute sind es jährlich etwa 120 Mio. Zeitschriften, Telefonbücher und Kataloge. In seiner langen Geschichte hat sich das Unternehmen immer wieder neuen Anforderungen angepasst, auch beim Thema Energieeffizienz.

Gasbetriebenes Druckluft-Blockheizkraftwerk
Gasbetriebenes Druckluft-Blockheizkraftwerk, Copyright: © H. Wennberg Großbuchbinderei GmbH

Bis zu 500 t (Tonnen) Papier verarbeitet die Großbuchbinderei Wennberg pro Tag, die Maschinen laufen im Dreischichtbetrieb von Sonntagabend bis Samstagnachmittag. In Spitzenzeiten verbrauchte das Unternehmen so schon über vier GWh (Gigawattstunden) Strom und Wärme pro Jahr.

Die Geschäftsführer Martin und Christian Wennberg setzen neben ihrem Kerngeschäft auch auf Energieeffizienz: Alles, was im Unternehmen erzeugt wird – auch unerwünschte aber notwendige Zwischen- oder Abfallprodukte – soll zum Unternehmenserfolg beitragen. So verarbeitet z. B. eine Hackschnitzelanlage seit 2008 Restholz-Paletten und nutzt sie zur Wärmeerzeugung.

Potenziale erkennen

Ein nicht unerheblicher Teil des Energiebedarfs entfällt auf die Erzeugung von Druckluft für die Trennung von Papier und den Betrieb von pneumatischen Elementen. In der Vergangenheit waren dafür vier mit elektrischem Strom angetriebene Kompressoranlagen notwendig.

Die beiden neueren und größeren Kompressoren waren bereits mit Wärmetauschern ausgestattet. Die Abwärme reichte für den Warmwasserbedarf und beheizte im Winter die Verwaltungs- und Sozialräume.

2017 offenbarte dann ein Check der regionalen Kompetenzstellen für Energieeffizienz (KEFF) Stuttgart weitere Potenziale zur Effizienzsteigerung in den Bereichen Wärmeerzeugung und Druckluft.   

Gas statt Strom

Heute trägt ein gasbetriebenes Druckluft-Blockheizkraftwerk die Grundlast für die Drucklufterzeugung. Bei diesem bisher noch wenig verbreiteten Konzept treibt ein Gasmotor eine Verdichterstufe direkt an. Der Umweg über einen nachgeschalteten, elektrisch betriebenen Kompressor fällt weg, die Erzeugung der Druckluft ist jetzt wesentlich effektiver. Gas ersetzt Strom als Energieträger. Dies entlastet auch das öffentliche Stromnetz.

Zusätzlich nutzen Wärmetauscher sowohl die Abwärme des Motors als auch die des Verdichters. Zusammen mit der Hackschnitzelanlage entsteht jetzt sogar ein Wärmeüberschuss, den das Unternehmen in ein Nahwärmenetz einspeist. Die örtliche Waldorfschule mit Schulgebäude, Sporthalle und Kantine sowie ein benachbartes Unternehmen nutzen die Wärme und heizen, ohne dass weitere CO₂-Emissionen entstehen. Es gibt sogar noch einen Restbestand für weitere Anlieger, die nach und nach angeschlossen werden sollen.

Ein ausgezeichnetes Ergebnis

Das Druckluft-Blockheizkraftwerk ersetzt die beiden ältesten und ineffizientesten Kompressoren vollständig, sodass diese abgebaut wurden. Von den beiden neueren Kompressoren bleibt einer in Betrieb, der andere dient als Notfallreserve.

Die Maßnahme zahlt sich aus: 64.000 kWh weniger Energie pro Jahr verbraucht die Großbuchbinderei nun. Das lohnt sich nicht nur für die Großbuchbinderei, mit 31 t weniger CO₂ –Ausstoß im Jahr wirkt sich das auch positiv auf die Umwelt aus.

Die KEFF empfanden das Ergebnis sogar als preiswürdig: Beim „KEFFIZIENZGIPFEL 2018“ kürten sie zum ersten Mal die „Gipfelstürmer des Jahres“ – Unternehmen aus Baden-Württemberg, die nach einem KEFF-Check betriebliche Energieeffizienzmaßen vorbildlich umsetzten. Platz 3 und 3.000 € Preisgeld gingen an die Großbuchbinderei.

Kein Stillstand

Die Geschäftsführer wollen sich aber nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Das Preisgeld nutzt das Unternehmen für einen internen Ideenwettbewerb. Gewinnen soll der beste Mitarbeitervorschlag für noch mehr Energieeffizienz.

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