Gute Besserung: Energieeffizienz in Gesundheitseinrichtungen

Sie gehören zu den Großverbrauchern, wenn es um Strom und Wärme geht: Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen. Doch: Wo viel verbraucht wird, kann auch viel gespart werden. Viele Gesundheitseinrichtungen in Baden-Württemberg haben das erkannt – und mithilfe von modernen Energieeffizienztechnologien ihre Emissionen – und Kosten – dauerhaft gesenkt. Vier Erfolgsbeispiele.

Innerhalb des Sektors Gewerbe, Handel, Dienstleistungen haben Gesundheitseinrichtungen den höchsten jährlichen Energieverbrauch pro Quadratmeter Gebäudefläche. Dabei stehen sie unter permanentem Kostendruck. Die Chance: Ihre oftmals historisch gewachsenen Infrastrukturen und Gebäudebestände bieten eine Vielzahl von Ansatzpunkten, um Energiekosten und damit auch CO₂-Emissionen dauerhaft zu senken. Energieeffizienzmaßnahmen können dabei in vier Kategorien unterteilt werden: „Wärme“, „Kälte“, „Strom“ und „Organisation“. 

Gebäude der Klinik in der Vogelperspektive
Die Fachklinik versorgt im Jahr rund 8.000 Patienten. // Copyright: Klinik Löwenstein

Wärme aus dem Wald: Fachklinik Löwenstein 

Im Winter entfällt ein Großteil des Energiebedarfs auf Wärme. Die Lungenfachklinik Löwenstein versorgt acht bis neun Monate pro Jahr das gesamte Klinikum, das dazugehörige Pflegeheim sowie die angrenzenden Personalwohnungen mithilfe einer Hackschnitzelfeuerung aus nachwachsenden Rohstoffen aus heimischen Wäldern.
In der 800 Kilowatt (kW) starken Hackschnitzelfeuerung kommt ausschließlich naturbelassenes Holz von Lieferanten aus der Region zum Einsatz. Langfristige Lieferverträge sichern dabei die Versorgung mit hochwertigem Brennstoff.
Der Vorratsbunker fasst Hackschnitzel für sieben Tage. Elektrostatische Hochspannungsfilter und -abscheider stellen sicher, dass die Feinstaubnorm eingehalten wird. Durch ein integriertes Pressluftreinigungssystem ist eine manuelle Reinigung nur zweimal im Jahr nötig. Die Anlage deckt rund 80 % des jährlichen Gesamtwärmebedarfs der Klinik ab und spart so mehr als 1.000 t CO₂ pro Jahr.
Den geringen Wärmebedarf im Sommer decken ölbefeuerte Dampfkessel, die unter anderem auch zur Versorgung der Großküche, zur Reinigung, zur Desinfektion und für die medizinische Instrumentenaufbereitung ganzjährig verfügbar sein müssen.

Die Maßnahme auf einen Blick 

  • Jahr der Umsetzung: 2009
  • Kapazität: 800 kW
  • Energieeinsparung p. a.: 4.700 MWh
  • CO₂-Einsparung p. a.: > 1.000 t
  • Investition: 1,2 Mio. €
In einem Bunker - hier leer stehend - werden die Hackschnitzel aufbewahrt
In einem Bunker - hier leer stehend - werden die Hackschnitzel aufbewahrt. // Copyright: Klinik Löwenstein
Hackschnitzelfeuerung
Die Hackschnitzelfeuerung versorgt das Klinikum und weitere Gebäude mit Wärme. // Copyright: Klinik Löwenstein

Cool gekoppelt: Klinikum Konstanz

Auch die Kälteversorgung spielt in Krankenhäusern eine wichtige Rolle. Das Klinikum Konstanz hat 2006 seine Kälteversorgung im Zuge der Errichtung eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerks modernisiert und auf Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung gesetzt. Seitdem kommen eine Absorptions- und eine Kompressionskältemaschine mit jeweils 400 Kilowatt (kW) Kälteleistung zum Einsatz.

Die Absorptionskältemaschine erzeugt eine Kaltwassermenge von 16 Liter pro Sekunde (l/s) mit einer Temperatur von 8°C. Das bei dem Prozess entstehende 85°C heiße Rücklaufwasser wird für interne Heizprozesse verwendet. Mit der Kompressionskältemaschine werden Patientenzimmer sowie Personal- und Gemeinschaftsräume klimatisiert.

Klinikum Konstanz
Das Klinikum Konstanz kühlt mithilfe erneuerbarer Energie. // Copyright: Klinikum Konstanz
Klinikum Konstanz
Das Klinikum beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter. // Copyright: Michael Voit

Die Kältemaschinen sorgen für zusätzliche Betriebsstunden des Blockheizkraftwerks und damit für eine bessere Auslastung. Das führt zu einem Gesamtwirkungsgrad von 75 % und macht die Stromproduktion des Kraftwerks ganzjährig rentabel.

Die Maßnahme auf einen Blick:

  • Jahr der Umsetzung: 2006
  • Kapazität: 2 x 400 kW
  • Energieeinsparung p. a.: 25 %
  • CO₂-Einsparung p. a.: 1.660 t
  • Investition: 630.000 €

Beim Leuchten sparen: Kreiskrankenhaus Lörrach

Ein bedeutender Teil des Stroms in Krankenhäusern wird für die Beleuchtung aufgewendet, so auch im Kreiskrankenhaus Lörrach. Deshalb entschied man sich dort 2008 für eine ganzheitliche Modernisierung der Beleuchtungstechnik.

Um den Energieverbrauch der Beleuchtung zu senken, wurde eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt. So kommen z. B. im Flurbereich und auf den Parkdecks derzeit hocheffiziente Leuchtstoffröhren mit Bewegungsmeldern und außenlichtabhängigen Sensoren zum Einsatz.

Aus Rücksicht auf das Komfortgefühl der Patienten leuchten in den Patientenzimmern ausschließlich Warmweiß-Leuchten. Diese sind zwar etwas energieintensiver, ermöglichen aber, im Vergleich zum Ausgangszustand, immer noch signifikante Energieeinsparungen. Durch die Optimierung der Lichtsteuerung können jährlich 78.112 Kilowattstunden (kWh) Energie und 42,8 Tonnen (t) CO₂ eingespart werden.

Die Maßnahme auf einen Blick: 

  • Jahr der Umsetzung: 2008
  • Kapazität: keine Angabe
  • Energieeinsparung p. a.: 78,1 MWh
  • CO₂-Einsparung p. a.: 42,8 t
  • Investition: 218.000 €
Klinikum Wangen
Das Klinikum in Wangen hat rund 200 Betten. // Copyright: OSK

Gebündelte Effizienz: Krankenhaus Wangen der Oberschwabenklinik (OSK)

2010 hat sich die OSK mit 14 weiteren Unternehmen zum Netzwerk „Energieeffizienz Alb-Schwarzwald-Bodensee“ zusammengeschlossen. Gemeinsam mit der EnBW und der Industrie- und Handelskammer entwickelt das Netzwerk Wege, wie Unternehmen Energie effizienter nutzen können. In einem ersten Schritt galt es, die Einsparpotenziale mittels exakter Zählerdaten zu bewerten.

Ein Bündel von 24 Einzelmaßnahmen machte dann das Krankenhaus zum Energiesparer. Zu den augenfälligsten Maßnahmen gehörten der Bau einer Hackschnitzelanlage für einen 800 kW-Hochdruckdampfkessel und ein Öl/Gas-Hochdruckdampfkessel mit 660 kW-Leistung. Diese arbeiten jetzt nicht nur effizienter als ihre Vorgänger, sie beziehen darüber hinaus auch regenerative Energieträger ein. Zu den weiteren Maßnahmen gehört eine komplett erneuerte Gebäudeleittechnik. Die Mitarbeiter der Haustechnik wurden außerdem eingehend geschult.

Durch eine strukturierte und kontinuierliche Herangehensweise gelang es so, rund ein Fünftel des Energieverbrauchs einzusparen und den CO₂-Ausstoß um 40 % zu senken.

Die Maßnahmen auf einen Blick:

  • Jahr der Umsetzung: 2010
  • Kapazität: 3,56 MW
  • Energieeinsparung p. a.: 2.277 MWh
  • CO₂-Einsparung p. a.: 1.200 t
  • Investition: 3,6 Mio. €
Hackschnitzelanlage mit einer Filteranlage
Die Hackschnitzelanlage mit einer Filteranlage (rechts). // Copyright: OSK
Mann zeigt die Hackschnitzelanlage
Mit den Hackschnitzeln wird Dampf und Wärme erzeugt. // Copyright: OSK

Mehr Beispiele, mehr Energieeffizienz

Vier Beispiele, vier Erfolgsgeschichten. Neben den hier vorgestellten Krankenhäusern gibt es in Baden-Württemberg aber noch viele weitere Gesundheitseinrichtungen, die mit Energieeffizienzmaßnahmen Ressourcen schonen und gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Mehr Informationen zum Thema finden Sie hier.

Ausgezeichnet: das Gütesiegel „Energiesparendes Krankenhaus“ 

Seit 2001 vergibt der BUND Berlin das Gütesiegel „Energiesparendes Krankenhaus“. Mit diesem Gütesiegel werden Krankenhäuser belohnt, die sich durch ein überdurchschnittliches Engagement in besonderer Weise um Energieeinsparung bemühen und damit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. In Baden-Württemberg wurden bereits sechs Krankenhäuser ausgezeichnet. Mehr erfahren Sie hier.

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