Klimaneutral mit Blick auf den Bodensee

Die fassadenintegrierte Photovoltaikanlage des aquaTurms glänzt in der Sonne, das Gebäude streckt sich hoch über die Stadt und den Bodensee. Herausragend ist aber nicht nur die Höhe des Turms (in Gänze 50,5 m): Das 2017 eröffnete Hotel ist der erste Nullenergie-Turm weltweit und markiert damit den Beginn einer neuen Denkweise beim Bau von Hochhäusern.

aquaTurm in Radolfzell
2017 als Design-Hotel neu eröffnet: der aquaTurm in Radolfzell

Pioniere des Nullenergie-Hochhauses

Hinter dem Designhotel stehen Norman Räffle, sein Bruder Thorsten und sein Vater Jürgen. Norman Räffle entdeckte den Wasserturm vor 22 Jahren auf dem Rückweg vom Weihnachtsessen mit der Familie. „Da habe ich den Turm aus der Ferne zum ersten Mal bewusst wahrgenommen“, erzählt er. „Wir haben ihn uns dann direkt aus der Nähe angesehen – eigentlich war es da schon um mich geschehen“. Dieser Moment war der Startpunkt der zwei Jahrzehnte langen aquaTurm-Entstehungsgeschichte. Räffle, damals noch in der Maurerausbildung, setzte sich noch am selben Abend mit Bleistift und Tusche ans Werk und begann zu zeichnen. In den nächsten Jahren wurden verschiedene Konzepte für die mögliche Nutzung des Gebäudes entworfen – von einem Restaurant, Café oder einer Bar über Büroräume bis hin zu einem Club. Ein entscheidender Schritt in diesem Prozess: der Eigentumserwerb des Turms bei der Stadt Radolfzell.

Energiegeladenes Familiengespann

Nachdem die Familie Räffle Mitte der 2000er den Trend zum Passivhaus mitverfolgte, war schnell klar, dass das Thema beim Bau eine Rolle spielen würde. „Ich habe dann recherchiert und herausgefunden, dass es noch kein Gebäude in vergleichbarer Größe als Nullenergie-Hochhaus gibt. Kurz darauf haben wir den Entschluss gefasst, das Projekt mit diesem Anspruch anzugehen“, berichtet Norman Räffle. Durch die Weltfinanzkrise mussten die Räffles jedoch zunächst eine Pause einlegen – ein guter Moment, sich über das weitere Vorgehen Gedanken zu machen. In dieser Zeit reifte die Entscheidung, aus dem alten Wasserturm ein modernes Designhotel zu machen. 2011 ging der Bau los. Normans Bruder Thorsten, Diplom-Betriebswirt, kümmerte sich um die Finanzierung des Bauvorhabens. Eine Sache stand schnell fest: So viel wie möglich würden sie selbst machen müssen, um die Gesamtkosten des Projekts zu senken.

Drei Männer stoßen mit einem Sekt an
Jürgen, Thorsten und Norman Räffle – das Vater-Söhne-Gespann hinter dem aquaTurm

Räffle führt aus: „Der Bau war eine familiäre Teamleistung – nur so konnten wir es überhaupt schaffen. Thorsten hat die Finanzierung und Förderung optimal ausgearbeitet. Mein Vater Jürgen ist ein handwerkliches Allround-Talent, er hat unglaublich viel in Eigenleistung umgesetzt. Und ich habe die Planung übernommen. Insofern haben wir uns wirklich super ergänzt“. 

Bau mit Köpfchen

Während der Bauzeit trafen die Räffles mehrere energieeffiziente und ressourcenschonende Entscheidungen, z. B. nutzten sie CO₂-reduzierten Beton und sorgten dafür, dass 75 % der Turmmasse erhalten statt neu gebaut wurde. Für den Innenausbau und die Möbel verwendeten sie ausschließlich recycelte Holzbauteile. Und nicht zuletzt achteten sie streng auf die Verwendung ökologischer Baustoffe wie Naturstein, Kalk- und Tonputz.
Darüber hinaus versahen die Bauherren den neuen aquaTurm mit einer Passivhaus-Gebäudehülle, die eine fassadenintegrierte Photovoltaikanlage aus 1.000 Modulen beinhaltet. Die Hülle ist außerdem innovativ gedämmt und mit fünffach verglasten Hochleistungs-Verbundfenstern ausgestattet.
Das Hotel ist mit Geräten des höchsten Energiestandards ausgestattet – so haben bspw. die Kühlschränke in den Zimmern die Energieeffizienzklasse A+++. Die Hotelräume umfassen zudem dutzende Lösungen für energieeffiziente Ressourcenverwendung, wie z. B. Wärmerückgewinnung aus der Küchenabluft.

Plusenergie trifft Design

Der aquaTurm versorgt sich vollständig selbst mit erneuerbaren Energien. Das ganzheitliche Energiekonzept umfasst u. a. Hydrothermie aus einer hocheffizienten Wasserwärmepumpe mit Solarenergienutzung und Strom aus der Photovoltaikanlage, die einen Ertrag von ca. 34.000 kWh (Kilowattstunden) pro Jahr aufweist. Die eigene Windturbine erzeugt im Jahr ca. 1.000 kWh Strom, mit Solarthermie und mit Geothermie aus Wärme sowie Kälte werden zusätzlich insgesamt 67.000 kWh generiert. Der Gesamtstrombedarf der 14 Stockwerke liegt bei 41.000 kWh pro Jahr. Außerdem kann Wärme im saisonalen Solarwärmespeicher mit einem Volumen von 12.000 l auch gespeichert werden und ein Lithium-Eisenphosphat-Speicher sorgt darüber hinaus für einen knapp 50 kWh Stromspeicherplatz.

Windturbine
Nicht nur Photovoltaikanlagen, auch eine Windturbine versorgt das Hotel mit erneuerbaren Energien
Solarwärmespeicher
Im saisonalen Solarwärmespeicher wird gewonnene Wärmeenergie gespeichert
Die Lithium-Eisenphosphat-Speicherlösung
Die Lithium-Eisenphosphat-Speicherlösung sorgt für zusätzlichen Stromspeicherplatz

Bereits im zweiten Betriebsjahr lag die Gesamtenergiebilanz des Hotels 7.400 kWh im Plus – der Verbrauch der zwei zum Gebäude gehörenden Elektrotankstellen sowie der fünf E-Bike-Ladeplätze schon mit eingerechnet. Insgesamt sparen die Räffles mit ihrem Energiekonzept jährlich 63.000 kg an CO₂-Äquivalenten ein.
Der aquaTurm ist ein Familienunternehmen durch und durch, auch der Hotelbetrieb ist nach wie vor in Familienhand. Norman Räffle fasst zusammen: „Natürlich ist es eine Achterbahn der Gefühle, wenn man so eng mit seiner Familie zusammenarbeitet – ein offener Dialog hilft dabei. Letztendlich hat uns die gemeinsame Begeisterung für das Projekt noch enger zusammengeschweißt“.

 

Den Urlaub mit „Abstand“ genießen 

Bereit für die Reise? Genießen Sie Ihren Urlaub mit „Abstand“! Achten Sie aufgrund der aktuellen Corona-Situation besonders auf sich und Ihre Mitmenschen. Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig ausreichend und desinfizieren Sie diese bei Bedarf. Halten Sie die Abstandsregeln von mind. 1,50 m ein und Niesen bzw. Husten Sie ausschließlich in Ihre Armbeuge. Wir wünschen Ihnen eine gute Reise – bleiben Sie gesund! 

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