Staatsbad Wildbad: Ein Betrieb auf energetischer Erfolgswelle

Thermalbäder haben lange Tradition: Bereits seit Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. ist der Bau von öffentlichen Bädern bekannt. Noch heute erfreuen sich Bäder im mineralischen Wasser großer Beliebtheit, versprechen sie doch Wohlbefinden und Fitness für Körper und Geist. Was bei allem Genuss oft verborgen bleibt: Der Betrieb von Thermalbädern ist extrem energieintensiv und damit teuer. Außerdem entstehen entsprechend große Mengen von umweltschädlichem CO.Wie sich hier Energie und Kosten sparen lassen und die Umwelt sich schonen lässt, zeigt das Projekt des Staatsbads Wildbad. 

Energie sparen? Lohnt sich doppelt!  

Die Staatsbad Wildbad Bäder- und Kurbetriebsgesellschaft GmbH in der Kurstadt Bad Wildbad ist ein Unternehmen der Bäder- und Kurbetriebsgesellschaft Baden-Württemberg. Das Staatsbad führt seit 1985 die beiden historischen Thermalbäder „Vital Therme“ und „Palais Thermal“, für deren Betrieb u. a. auch die Beförderung und Aufbereitung von täglich ca. 1.000 m3 Thermalwasser erforderlich sind – und somit hohe Mengen Energie aufgewendet werden müssen. Gerade bei energieintensiven Unternehmen, wie dem Staatsbad, lohnt sich das Energiesparen doppelt – in ökologischer aber v. a. auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Das zeigt die inspirierende Erfolgsgeschichte des Betriebs: Vor rund 10 Jahren entschloss sich Geschäftsführer Frank Rieg dazu, gemeinsam mit seinem Team und der Unterstützung der Fernwärmegesellschaft Baden-Württemberg GmbH, ein ganzheitliches Energiekonzept zu entwickeln, durch das der Primärenergieverbrauch seit Umsetzungsbeginn um mehr als 50 % reduziert werden konnte. Welche Maßnahmen zu diesem erstaunlichen Ergebnis führten, werden nachfolgend ausgeführt. 

Ein durchdachtes Maßnahmenpaket führt zum Erfolg

Das Maßnahmenpaket für die beiden Bäder fußt auf drei Pfeilern: effiziente Nutzung von Energie, Nutzung erneuerbarer Energien und energetische Optimierungen. 

Zur effizienteren Stromnutzung wurden die Badewasserpumpen, die für die Durchströmung der Becken sorgen, sowie die Ventilatoren, welche die Badehallen mit frischer Luft füllen, mit Frequenzumformern ausgerüstet. Diese ermöglichen eine lasten- bzw. bedarfsabhängige Stromversorgung, d. h. es wird nur der Strom genutzt, der im laufenden Betrieb zur Stromversorgung der Pumpen und Ventilatoren erforderlich ist. Überschüssige Energie kann bei Bedarf als kurzfristige Minutenreserve in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. 

Ein Frequenzumformer an den Ventilatoren
Ein Frequenzumformer an den Ventilatoren …
Badewasserpumpen
… und an den Badewasserpumpen sorgen für eine effiziente Energienutzung

Auch die Wärmeversorgung der Bäder wurde optimiert: Durch eine neue, effizientere Thermalwasser-Wärmepumpe mit einer Leistung von 190 kW (Kilowatt) wurde der Bezug von Fernwärme deutlich reduziert. Der noch benötigte Strom wird aus dem benachbarten Fernheizwerk von zwei BHKWs (Blockheizkraftwerken) geliefert. Dank einer 800 kW-Wärmepumpe kann im Palais Thermal gänzlich auf Fernwärme verzichtet werden. Die Errichtung der beiden BHKWs wurde entsprechend des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes mit einem Betrag in Höhe von jährlich ca. 75.000 €, begrenzt auf 60.000 Betriebsstunden, gefördert.  

Wärmepumpe
Die Wärmepumpe der Vital Therme macht einen Großteil des Bezugs externer Fernwärme überflüssig
Wärmepumpenanlage
Dank der leistungsstarken Wärmepumpenanlage im Palais Thermal kann auf Fernwärme verzichtet werden

Neben der Energieversorgungsstruktur wurde im Konzept auch ein großes Augenmerk auf energetische Sanierungspotenziale gelegt: Die stromintensiven Ozonanlagen, die zur Aufbereitung des Wassers genutzt wurden, wurden durch stromsparende UV-Anlagen ausgetauscht. Effiziente LED-Leuchten ersetzen bereits einen Großteil der Leuchtmittel. Durch die zusätzliche Dämmung des Verwaltungsgebäudes sowie des Daches einer der großen Schwimmhallen und die Erneuerung von Fenstern wird Wärme- und somit Energieverlusten vorgebeugt. 

Ein wirtschaftlicher und ökologischer Gewinn 

Das Staatsbad Wildbad konnte mit dem auf die örtlichen und betriebsbedingten Gegebenheiten zugeschnittenen Energiekonzept und den erzielten Einsparungen nicht nur seine Energiebezugskosten reduzieren, sondern auch erhebliche Mengen an klimaschädlichen CO₂-Emissionen einsparen: Heute werden im Vergleich zu noch vor 10 Jahren über 2.000 t CO₂ pro Jahr weniger emittiert. Das sind fast 55 % der früheren Emissionen. Das entspricht übrigens auch der Höhe der Einsparungen an Stromkosten. Weitere Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz sind bereits in Planung: So wird die Beleuchtung nun vollständig auf LED-Technik umgestellt und weitere Frequenzumformer sollen installiert werden. Auch der Wärmeschutz und ältere Lüftungsanlagen sollen weiter ertüchtigt werden. Mit dem realisierten Projekt stellt sich das Staatsbad Wildbad nicht nur den wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen viele lokale Betriebe stehen, sondern auch mutig der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Energiewende. „Wir wollen als energieeffizienter Bäderbetrieb (…) eine Vorbildfunktion für die übrigen Bäder und Thermalbäder des Landes übernehmen“, steckt sich Geschäftsführer Frank Rieg als Ziel. Blickt man auf die rekordverdächtige Leistung des Nordschwarzwälder Bäderbetriebs, wird diese Rolle bereits voll gelebt!     

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