Innovativ bauen? Auch eine Frage der Energieversorgung

Zukunftsweisend bauen – dazu gehört eine smarte, auf die Umgebung und zukünftige Lebensgewohnheiten ausgerichtete Architektur sowie der Einsatz innovativer Materialien. Doch auch die Energieversorgungsstruktur kann schon heute gezielt fit für die Zukunft gemacht werden. Das zeigt das innovative Wohnhaus-Projekt der VR-Bank Ostalb eG in Aalen-Unterrombach – die beiden Wohngebäude sind nahezu energieautark.

Dieses Projekt wurde vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg für seinen besonderen Beitrag zur Energiewende ausgezeichnet. Eine Übersicht aller geehrten Projekte finden Sie hier.

Hier wird richtig investiert: in die Zukunft! 

Alles begann mit einem Vortrag: Die Vorstände der VR-Bank Ostalb eG, Kurt Abele, Ralf Baumbusch und Olaf Hepfer besuchten eine Veranstaltung, bei der der Energieexperte Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld einen Vortrag zum Thema „Enttechnisierung und Energie-Effizienz“ hielt. Dieser inspirierte sie dazu, ein ganz besonderes Bauprojekt zu realisieren. In Zusammenarbeit mit der Ostalb-Bürgerenergiegenossenschaft und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Aalen entstanden zwei höchst energieeffiziente Wohnhäuser, die seit Anfang 2020 bezugsfertig sind: Rund 250 m2 Wohnfläche mit je drei Wohnungen werden hier klimafreundlich und effizient mit Energie, Wasser und Wärme versorgt. Das gesamte Versorgungskonzept entspricht dem KfW Effizienzhaus 40 Plus und somit dem energetischen Spitzenstandard. 

Das Projekt wurde mit der Auszeichnung „Hier wird die Energiewende gelebt“ geehrt. V. l. n. r.: Energieexperte Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld, Vorstandsvorsitzender i. R. Hans-Peter Weber, Minister Untersteller, Vorstandsvorsitzender VR-Bank Ostalb Kurt Abele, Oberbürgermeister Aalen Thilo Rentschler
Die beiden Vorstandsvorsitzenden wurden bei einem Vortrag zur Realisierung des Energiewende-Projektes inspiriert.
Den Vortrag hielt damals Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld – bei der Realisierung des Projekts war er beratend beteiligt.

Solarenergie sorgt für Strom und Wärme   

Eine zentrale Rolle im Versorgungskonzept spielt die Solarenergie. Der Wohnkomplex wird bis zu 70 % mit Energie aus der Sonne versorgt. Auf dem Dach befinden sich Solarmodule mit einer Leistung von 9,87 kWp (Kilowatt-Peak). Mit einer Gesamtanlagenfläche von 62,6 m² versorgen sie die beiden Wohnkomplexe, in Kombination mit einem E-Speicher, CO₂-neutral mit Strom. Der gewonnene Strom steht dank des Speichers auch dann zur Verfügung, wenn die Sonne nicht scheint. Überschüssiger Strom kann ins öffentliche Netz eingespeist werden. 

Die Wärmeversorgung der Haushalte erfolgt über Solarthermie-Anlagen. Sie decken rund 75 % des Wärmebedarfs. Diese beachtliche Zahl ist das Ergebnis des Zusammenspiels von Solarkollektoren, einem Langzeitspeicher und einem Gasbrennwertkessel: Durch die Kollektoren wird Wärmeenergie gewonnen und in den Langzeitspeicher eingespeist. Aus diesem wird die für die Heizung und Warmwasserbereitung benötigte Wärme fast ganzjährig bereitgestellt. Der Gasbrennwertkessel stellt die Anteile Wärme bereit, die im Verlauf des Jahres nicht mittels Sonne gedeckt werden können. 

Zur Aufbereitung von Warmwasser ist zudem eine Frischwasserstation installiert, die effizient immer dann für warmes Wasser sorgt, wenn dieses benötigt wird. Die Station besteht aus einem Wärmetauscher, der zwischen Heizungs- und Trinkwassernetz sitzt. Möchte man warmes Wasser aus dem Hahn oder der Duschbrause zapfen, registriert das die Elektronik der Frischwasserstation. Sie startet dann eine Ladepumpe, die heißes Heizungswasser durch einen Wärmeübertrager befördert. Räumlich getrennt strömt zeitgleich kaltes Wasser durch die Trinkwasserleitung und nimmt die thermische Energie vom heißen Heizungswasser auf. Auf diese Weise erwärmt, ist das Leitungswasser dann bereit, genutzt zu werden. Ein effizienter und ressourcenschonender Umgang mit Wasser wird auch durch eine Zisterne sichergestellt. In der Zisterne wird Regenwasser gesammelt, das für die Toilettenspülungen in den Wohnungen sowie zur Gartenbewässerung genutzt werden kann.

Ein Vorbild für die Wohnkonzepte der Gegenwart und Zukunft

Dieses innovative Versorgungskonzept ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild für weitere Bauprojekte: Energie-, Wärme-, und Wasserversorgung wurden direkt im Zuge der Bauplanung berücksichtigt und greifen dabei nahezu vollständig auf erneuerbare Energiequellen und energieeffiziente Technologien zurück. Die jährlichen Stromkosten liegen unterm Strich bei ca. 10 % und die Kosten für Wärmeenergie bei einem Drittel derer eines Gebäudes ohne solare Stromversorgung. Das hat auch Vorteile für die Mieterinnen und Mieter: Sie zahlen eine Pauschalmiete ganz ohne Nebenkosten. Nur einer von vielen Aspekten, der die – nahezu – energieautarken Wohngebäude so wertvoll macht. Für die Energiewende und die Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen. 

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