Die Schöpfung schützen und bewahren

Wer Teil der Schöpfung ist, hat auch eine Verantwortung für ihren Erhalt – diesen ethischen Anspruch verfolgen viele christliche Kirchengemeinden. So auch die Evangelische Verbundkirchengemeinde Plieningen-Birkach. Sie verpflichtet sich dem Umweltmanagementsystem „Grüner Gockel“, ein Modell, das das Engagement von Kirchengemeinden nach EMAS (Eco Management and Audit Scheme) zertifiziert.

Kirche Plieningen-Hohenheim
Symbolkräftig: die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Kirchengemeinde.

Nicht nur predigen, auch anpacken

Um die Jahrtausendwende herum begann die Kirchengemeinde Hohenheim mit ihren Bemühungen zum Klima- und Umweltschutz. Damals noch angetrieben vom Leitsatz des Konziliaren Prozesses, einer kirchlichen Bewegung der 1980er und 1990er Jahre – Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung – initiierte die Kirchengemeinde erste Klimaschutzanstrengungen. Mit dem „Grünen Gockel“ zertifiziert wurden sie erstmals 2003. Vier Jahre später fusionierte die Gemeinde mit der aus Plieningen – der Startschuss für viele weitere Bestrebungen: Seit 2007 hat die Gemeinde zahlreiche Energiewende- und Umweltprojekte umgesetzt. Dazu zählen die Umstellung auf Ökostrom, die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Gemeindehaus, der Einsatz von LED-Leuchtmitteln und die Errichtung von genügend Fahrradständern für die Gemeinde vor der Kirche. Eine moderne Sitzbankheizung in der Kirche reguliert sich automatisch selbst und hat eine deutlich kürzere Anlaufzeit – während früher schon Samstagabend vorgeheizt werden musste, reicht es heute, die Heizung kurz vor dem Gottesdienst einzuschalten.

Zertifikat "Grüner Gockel"
Kirchengemeinde mit umweltgerechtem Handeln: zertifiziert mit dem Grünen Gockel
Hocheffizienzpumpe im Gemeindehaus Plieningen
Stromsparendes Heizen: Hocheffizienzpumpe im Gemeindehaus Plieningen

Umweltbeauftragter Hans-Jürgen Siegel erklärt: „Uns ist sehr wichtig, in der Gemeinde ein Bewusstsein für Umweltthemen zu schaffen. Neben den Klimaschutzmaßnahmen versuchen wir auch zu erreichen, dass die Gemeindeglieder ein Gespür für unsere Umwelt entwickeln. Wir fangen mit den Kindern und Konfirmandengruppen an – mit ihnen veranstalten wir z. B. Putzaktionen an der Körsch. Wir machen autofreie Sonntagsausflüge in den Schwarzwald. Und auch Schöpfungsgottesdienste sind uns wichtig, um zu kommunizieren, wie schützenswert unsere Erde ist.“

Ein starkes Team

Die Themen Umwelt und Energiewende wurden in der Verbundgemeinde mit Hans-Jürgen Siegels Stelle als Umweltbeauftragter professionalisiert. Seit 2006 widmete er sich als Ehrenamtlicher den Energiewendeprojekten in der Gemeinde Plieningen, mit der Fusion ein Jahr später wurde er dann zum Umweltbeauftragten ernannt. Das Umweltteam um Siegel herum ist eine bunte Mischung aus vielen Ehrenamtlichen – jedes Gemeindeglied ist herzlich eingeladen, sich punktuell oder langfristig zu engagieren. Hier können alle ihre Stärken einsetzen: Wer handwerklich-technisch begabt ist, hilft bei der Überwachung von Anlagen. Wer einen pädagogischen Hintergrund hat, übernimmt die Betreuung von Kindern und Jugendlichen bei Umweltprojekten. Und wer sich mit Öffentlichkeitsarbeit auskennt, hilft dabei, dem Team eine Stimme zu geben und die Arbeit mit dem Umweltmanagementsystem an die Gemeinde und nach außen zu kommunizieren. „Wir wollen, dass die Gemeinde so intensiv wie möglich am Umweltschutzmanagement beteiligt ist – wer möchte, auch finanziell. Für die Photovoltaikanlage z. B. kamen in kürzester Zeit knapp 16.000 € an zinslosen Darlehen aus der Gemeinde zusammen.“ 

Deutliche Ergebnisse

Von 2003 bis 2019 konnte die Kirchengemeinde Plieningen-Hohenheim fast 2 Mio. Kilowattstunden (kWh) Wärme, 160.000 kWh Strom und knapp 600 t an CO₂-Äquivalenten einsparen. In dieser Zeit konnten von dem durch die Photovoltaikanlage erzeugten Strom rund 125.000 kWh ins öffentliche Netz eingespeist werden. Auch finanziell haben diese 16 Jahre einen signifikanten Unterschied erbracht: Die Gemeinde schätzt die jährlich eingesparten Kosten auf zwischen 10.000 € und 15.000 € im Vergleich zum Jahr 2003. 
Mittlerweile verbraucht die Gemeinde nur noch knapp 54 % des ursprünglichen Strombedarfs im Jahr 1999. Wenn man den Strom mit verrechnet, den sie zusätzlich ins Netz einspeist, sind es nur noch 18 %.

Gemeinsam Energiezukunft mitgestalten

Bei der Verbundgemeinde läuft aktuell die nächste Fusion: Auch die Kirchengemeinden Birkach, Asemwald und Schönberg gehören jetzt dazu. Umweltbeauftragter Hans-Jürgen Siegel sieht darin eine große Chance. Schließlich bedeuten weitere Gemeinde- und Gotteshäuser weitere zahlreiche Möglichkeiten für Maßnahmen zur Erzeugung regenerativer Energien und zur optimierten Energieeffizienz. „Wir haben dafür keine starre Strategie“, so Siegel. „Wir agieren sehr dynamisch. Zunächst werden wir alle Gebäude auf Ökostrom umstellen. Und danach werden wir uns sukzessive anschauen, welche Anschaffungen und Maßnahmen sinnvoll sind und diese dann umsetzen. Es ist ein laufender Prozess“.
Dass die Verbundgemeinde die Energiewende auch in Zukunft weiter vorantreiben wird, ist also so sicher wie das Amen in der Kirche.

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